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70 Jahre nach Hitlers Tod ist eine kommentierte Neuauflage seines Pamphlets „Mein Kampf“ erschienen.

Es ist wieder da

"Mein Kampf": Hohe Nachfrage bei hiesigen Büchhändlern

Bad Tölz-Wolfratshausen - Nach Veröffentlichung der kritischen Edition von Hitlers "Mein Kampf" registrieren die hiesigen Buchhandlungen reges Nachfrage.

Das Pamphlet „Mein Kampf“ von Adolf Hitler, im so genannten Dritten Reich gut zwölf Millionen Mal gedruckt, ist seit Kurzem in einer kommentierten Neuauflage auf dem Markt. Seit Hitlers Selbstmord vor 70 Jahren hatte der Rechteinhaber, der Freistaat Bayern, den Druck des Werkes untersagt. Buchhandlungen im Landkreis verzeichnen eine rege Nachfrage, die sie jedoch vorerst nicht befriedigen können.

Die Buchhandlung Ulbrich in Geretsried hat die beiden 2000 Seiten zählenden Bände bisher nur einmal verkauft. Ein Kunde habe die vom Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) ausgiebigst kommentierte Fassung rechtzeitig vorbestellt und habe sich somit eines von 4000 Exemplaren der Erstauflage sichern können, berichtet Juniorchefin Sarah Ulbrich auf Anfrage unserer Zeitung. Die anderen Interessierten müssen wohl noch zwei Wochen warten. Bis dahin, so Ulbrich, sollen weitere Exemplare vom Großhändler eintreffen. Wer „Mein Kampf“ direkt beim Verlag bestelle, müsse sich voraussichtlich bis März gedulden.

In großen Mengen will das Geretsrieder Fachgeschäft die kommentierte Hetzschrift Hitlers nicht horten. Sarah Ulbrich: „Wir haben erst einmal fünf Bücher fürs Lager geordert.“ Auch die Buchhandlung Rupprecht in Wolfratshausen hofft auf eine Lieferung innerhalb der nächsten zwei Wochen. In der Flößerstadt stehen laut Geschäfts-Inhaberin Maria Rupprecht 15 Kunden auf der Warteliste für die kritische Edition. Viele weitere hätten allerdings angefragt, wann das Buch vorrätig sei. Sie würden gerne vorab einen Blick hineinwerfen, um dann zu entscheiden, ob sich der Kauf lohne.

„Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie wir mit dem Thema umgehen“, berichtet Maria Rupprecht. Schließlich handle es sich bei dem von Adolf Hitler zwischen 1924 und 1926 verfassten Propagandaschrift um „ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte“. Rupprecht glaubt jedoch, dass die vom IfZ kommentierte Neuauflage „die beste Form ist, mit diesem Kapitel umzugehen“. Soweit sie aus Gesprächen mit Kunden wisse, interessieren sich vor allem Historiker, Studierende und Geschichtslehrer für das Werk. Eine Auszubildende bei Rupprecht, Carina Schmotz, meint, sie werde das Buch wohl einmal durchblättern, um informiert zu sein. „Kaufen werde ich es mir nicht. Ich habe von älteren Leuten, die die Originalversion gelesen haben, gehört, dass sie unglaublich langweilig ist.“

Auch wenn die Neugier auf die 59 Euro teure IfZ-Ausgabe groß ist, wollen weder die Buchhandlung Ulbrich noch Rupprecht die Bände in ihren jeweiligen Schaufenstern exponiert ausstellen.

Ein Exemplar nur zur Ansicht, nicht zum Ausleihen, will die Stadtbücherei Geretsried anschaffen. Leiter Björn Rodenwaldt hat sich erkundigt: „Andere Büchereien, zum Beispiel in München, machen das genau so.“ Auch das Geretsrieder Gymnasium wird nach Auskunft von Konrektorin und Geschichtslehrerin Christine Kolbeck wohl ein Exemplar des jetzt schon als Bestseller geltenden Buchs kaufen. „Zumindest für die Oberstufe könnte es interessant sein. Wie wir die Lektüre in den Unterricht einbauen, müssen wir aber erst innerhalb der Fachschaft Geschichte besprechen“, sagt Kolbeck. Sie persönlich begrüße die kritisch kommentierte Neuversion und habe die beiden Bände für den Privatgebrauch bereits bestellt.

von Tanja Lühr

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