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Aus dem Rampenlicht ins Amtsgericht: Beim Uli-Hoeneß-Prozess informierte Andrea Titz die Presse.

Neue Chefin am Amtsgericht

Hoch an die Basis

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Das Wolfratshauser Amtsgericht hat eine neue  Chefin: Andrea Titz übernimmt die Nachfolge von Dr. Elisabeth Kurzweil.

Wolfratshausen – Wenn Andrea Titz in den vergangenen Jahren vor die Mikrofone trat, wehte ein Hauch von Glamour durch den Münchner Justizpalast. Ihr farbenfrohes, elegantes Outfit war ein erfrischender Tupfer im schwarz-weißen Einheitslook der Robenträger. Ihre präzisen Zusammenfassungen, mit denen sie das Verfahren gegen FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Ex-Formel 1-Boss Bernie Ecclestone so erklärte, dass man es auch ohne abgeschlossenes Jurastudium verstand, waren beeindruckender Beleg dafür, dass sich Stöckelschuhe und scharfer Verstand nicht ausschließen.

Doch mit der Medienpräsenz ist es für die 47-Jährige nun vorerst vorbei. Anfang Juni wechselt die Sprecherin des Oberlandesgerichts München wie berichtet als Direktorin ans Amtsgericht Wolfratshausen. Vom Rampenlicht der Landeshauptstadt in die oberbayerische Provinz: Das mag für manchen wie ein Rückschritt anmuten. Doch für die in Nittenau in der Oberpfalz aufgewachsene Juristin ist der Abschied vom Oberlandesgericht der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Der Posten in Wolfratshausen sei „eine tolle, neue Herausforderung, ein weiterer Schritt in Richtung mehr Verantwortung“, betont Titz im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie ist künftig für elf Richterkollegen und knapp 70 Mitarbeiter zuständig.

„Das Amtsgericht hat eine extrem wichtige Aufgabe. Es ist die erste Schnittstelle, an der der Bürger mit der Justiz in Berührung kommt“, so die 47-Jährige. Das Vertrauen der Menschen in die Rechtssprechung werde geprägt von den Richtern vor Ort. „Die meisten kommen ja nicht als Straftäter mit dem Gericht in Berührung, sondern wegen Grundstückssachen, Erbschaftsfragen oder Familienangelegenheiten.“

Die Abteilungen und Zuständigkeiten eines Amtsgerichts stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken war auch ein Anliegen ihrer Vorgängerin Dr. Elisabeth Kurzweil, die bereits ihre neue Tätigkeit als Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht angetreten hat. Dort bekleidet auch Andrea Titz neben ihrem Job als Pressesprecherin derzeit noch eine Viertel-Richterstelle beim Strafsenat. „Jeder, der in Haft ist und vorzeitig raus will, landet bei mir.“

Titz studierte Jura in Passau und legte 1995 – im Alter von 25 Jahren – das zweite Staatsexamen ab. Ihre Juristenlaufbahn begann sie bei der Staatsanwaltschaft in Traunstein. Ab 2002 war sie Amtsrichterin in Mühldorf am Inn und Altötting, lernte Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen kennen, entschied über die Unterbringung von Personen in Psychiatrien und Heimen. 2005 wechselte Titz zur Staatsanwalt München II. Dort leitete sie die Abteilung für Kapitalverbrechen und Vollstreckung. 2009 wurde sie Oberstaatsanwältin. Aus ihrer Zeit als Staatsanwältin ist ihr das Wolfratshauser Amtsgericht vertraut. „Ich kenne einige Richterinnen und Richter und habe den Eindruck, dass dort ein freundliches Arbeitsklima herrscht“, verrät die angehende Direktorin, die auch räumlich betrachtet an die Basis der Justiz zurückkehrt: vom siebten Stock des in die Jahre gekommenen und bald ausgedienten Strafjustizzentrums an der Nymphenburger Straße in München in die erste Etage des Amtsgerichts, mit Blick auf die Bahnhofstraße. „Ich finde das Gebäude sehr schön, und ich kann mir vorstellen, dass man da sehr gut arbeiten kann.“

Mit der Idylle der Flößerstadt scheint sich die verheiratete, in Rosenheim und München lebende Richterin, auch rasch anfreunden zu können. „Ich komme aus einem kleinen Ort in der Oberpfalz, meine Anforderungen an Urbanität sind nicht sehr groß“, sagt Andrea Titz und legt dabei ein verschmitztes Lächeln in die sonore Stimme.

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