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Das Montblanc-Massiv bezwang Alois Graf. 

Im Gespräch mit Alois Graf

Hochtouren-Spezialist: „Ich würde nie ein Risiko eingehen“

Alois Graf wohnt in Münsing, ist Landwirt - und Hochtouren-Spezialist. Im Interview spricht er von Planung, Gefahren und seiner Frau.

Wolfratshausen - Alois Graf gehört mit seinen 60 Jahren zu den Hochtouren-Spezialisten des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Wolfratshausen. Mehrmals beging er den Jubiläumsgrat, er stand auf den Gipfeln des Matterhorns und des Ortlers. 2007 bezwang er sogar den Mont Blanc. Dabei ist der Münsinger Landwirt ein „Späteinsteiger“. Unsere Mitarbeiterin Tanja Lühr hat mit Alois Graf nach seinem Vortrag in Wolfratshausen gesprochen.

Herr Graf, seit wann gehen Sie hochalpine Touren?

Seit 16 Jahren. Vorher bin ich nur gewandert. Das Hochtourengehen habe ich von der Pike auf bei Werner Schote vom Wolfratshauser Alpenverein gelernt. Er hat mir den Umgang mit Pickel, Steigeisen und Seil beigebracht. Ich habe mehrere Eis- und Kletterkurse gemacht und verdanke den erfahrenen Abteilungsleitern des DAV mein Wissen.

Wie bereiten Sie sich auf die 4000er vor, die Sie besteigen?

Konditionell eigentlich nur mit meiner Arbeit als Landwirt und durch Bergtouren in der Umgebung. Meine Hochtouren plane ich aber sehr genau. Ich beobachte das Wetter in dem jeweiligen Gebiet schon einen Monat vorher, lese Erfahrungsberichte und studiere Karten. Dann warte ich ein günstiges Wetterfenster ab, schaue, dass daheim auf dem Hof alles geregelt ist, und los geht’s.

Wenn Sie in Ihrem Vortrag erzählen, Sie würden auch schmale Grate und andere schwierige Passagen ohne Seilsicherung gehen, hört sich das riskant an.

Ich würde nie ein Risiko eingehen. Ich habe einfach Vertrauen in das eigene Können und weiß, wie ich gehen muss. Ein Seil habe ich natürlich immer dabei, falls nötig. Und ich bin einer, der auch umkehren kann. Als ich zum sechsten Mal den Ortler, Südtirols höchsten Berg, überqueren wollte, ging es mir gesundheitlich nicht gut. Ich bin dann auf halbem Weg abgestiegen und habe meine zwei Kameraden alleine weitergehen lassen.

Haben Sie keine Angst, wenn es zum Beispiel zu beiden Seiten eines schmalen Grats nahezu senkrecht in die Tiefe geht?

Nein. Bergsteigen ist für mich wie Autofahren. Man lernt es und gewinnt durch Erfahrung Routine. Und wie gesagt: Ich riskiere nichts. Es ist immer ein euphorisches Gefühl, wenn man einen Gipfel geschafft hat. Daran denke ich und nicht an das, was passieren könnte.

Was ist Ihr nächstes Ziel? Lockt Sie nicht auch einmal Nepal?

(lacht) In diesem Leben nicht mehr, dafür bin ich zu alt. Und früher wäre mir eine Nepal-Exkursion ehrlich gesagt zu teuer gewesen. Es gibt so viele schöne Touren vor der Haustür. Aber ein Ziel habe ich: Ich lerne gerade das Skitourengehen. Ich bin nur in der Grundschule ein paar Mal Ski gefahren, also fange ich da quasi von vorne an. Ich lerne einfach gerne etwas Neues, ich mag die Herausforderung.

Und Ihre Frau kann gut damit leben, einen solchen Bergfex zum Mann zu haben?

(lacht) Fragen Sie sie selber. Nein im Ernst: Wir sind auch zusammen oft und gern in den Bergen, nur geht sie keine Hochtouren. Sorgen macht sie sich keine um mich, wenn ich allein unterwegs bin. Sie kennt mich.

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