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Die Verhandlung fand am Wolfratshauser Amtsgericht statt.

Urteil des Amtsgerichts

Hohe Geldstrafe für drängelnden Porschefahrer

Geretsried - Ein Porschefahrer (36) aus München hat in Geretsried gedrängelt. Deswegen musste er vor den Amtsrichter in Wolfratshausen treten.

Ein Besuch bei ihrer Mutter in Geretsried im Sommer vorigen Jahres ist Katrin G. noch in bester Erinnerung. „Ich habe geschwitzt und gezittert“, beschreibt die 31-Jährige vor dem Amtsgericht ihren Zustand bei einer unangenehmen Begegnung mit einem Porschefahrer auf dem Autobahnzubringer. Dieser, ein 36 Jahre alter arbeitsloser Kfz-Mechatroniker aus München, musste sich nun wegen Nötigung verantworten.

An der Ampel kam er von hinten angerast

Schon an der Ampel habe sie im Rückspiegel gesehen, „dass jemand von hinten angerast kommt“, berichtet die 31-Jährige weiter. „Er klebte mir an der Stoßstange“, erklärt G. (Name geändert). Noch im Abbiegevorgang sei ein Porsche Cayenne an ihrem Skoda Fabia vorbeigeschossen. Per Lichthupe „beschwerte“ sie sich über dieses Verhalten. Daraufhin habe der Porschefahrer auf zehn Stundenkilometer runtergebremst. „Ich habe überholt, weil ich mich auf keine Spielereien einlassen wollte“, erzählt die Schichtleiterin, die damals im siebten Monat schwanger war.

Kurz darauf sei sie noch einmal überholt und geschnitten worden. Als ihr Ehemann auf dem Beifahrersitz mit dem Handy ein Video machen wollte, sei der Wagen vor ihr „mit gefühlten 120 Stundenkilometern davongefahren“. Sie sei ihm zu McDonalds gefolgt und habe sich das Kennzeichen notiert. So hatte die 31-Jährige das Geschehen, dass sich am 5. Juni gegen 23 Uhr ereignete, bei der Polizei angezeigt.

Der Porschefahrer war mit dem Strafbefehl nicht einverstanden

Der Porschefahrer war mit dem Strafbefehl gegen ihn nicht einverstanden. Nach Anhörung des ersten Zeugen empfahl Richter Helmut Berger dem Mann, seinen Einspruch zu überdenken („die 40 Tagessätze und ein Monat Fahrverbot sind ein Angebot“), doch der Angeklagte hielt an seiner Unschuldstheorie fest. „Ich habe überholt, wo ich nicht durfte, das war das einzige, was ich falsch gemacht habe.“ Von Drängeln oder Schneiden könne keine Rede sein. Der Wagen vor ihm sei „mit 30, 40 Stundenkilometern geschlichen“. Deshalb habe er sie gleich am Anfang überholt. Heruntergebremst habe er, weil er die andauernde Lichthupe falsch interpretiert habe. „Ich dachte, es sei etwas mit meinem Auto.“

Entgegen dem Antrag des Verteidigers, der wegen gegensätzlicher Aussagen der Zeugen auf Freispruch plädierte, hob Richter Berger die Strafe noch ein wenig an: auf 75 Tagessätze à 15 Euro und drei Monate Fahrverbot. Strafverschärfend wirkte sich aus, dass der Münchner neben vier Vorstrafen (unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein, gefährlicher Körperverletzung und Betrugs) etliche Einträge im Verkehrszentralregister hat – meist wegen überhöhter Geschwindigkeit. 

von Rudi Stallein

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