Wanderverbot: Die Sternsinger dürfen im Januar wegen der Corona-Beschränkungen nicht von Haus zu Haus ziehen. Wer möchte, kann sich den Segen selbst über die Tür schreiben. Sets mit Kreide und Aufklebern liegen in vielen Kirchen aus. Michaela Seebauer vom Pfarramt Münsing zeigt ein solches Starter-Kit.
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Wanderverbot: Die Sternsinger dürfen im Januar wegen der Corona-Beschränkungen nicht von Haus zu Haus ziehen. Wer möchte, kann sich den Segen selbst über die Tür schreiben. Sets mit Kreide und Aufklebern liegen in vielen Kirchen aus. Michaela Seebauer vom Pfarramt Münsing zeigt ein solches Starter-Kit.

Die Sternsinger-Aktion im Corona-Jahr

„Home-Blessing-Kits“ statt Hausbesuche

  • vonPeter Borchers
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Anders als sonst wird die Sternsinger-Aktion in diesem Jahr ablaufen. Aufgrund der Pandemie dürfen die Heiligen Drei Könige nicht von Haus zu Haus ziehen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Heilige Drei Könige, die statt Gold, Weihrauch und Myrrhe das Coronavirus von Haus zu Haus tragen – das wäre alles andere als christlich. Aus diesem Grund hat das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Träger der Aktion Dreikönigssingen, beschlossen, heuer keine als Caspar, Melchior und Balthasar gekleideten Kinder von Tür zu Tür ziehen zu lassen, um dort jeweils den Wunsch „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) mit Kreide anzubringen und Geld zu sammeln. In den Pfarrverbänden und Pfarreien des Landkreises hat man sich Alternativen einfallen lassen, um die Aktion – ihr Motto lautet heuer: „Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“ – trotzdem zu unterstützen.

Thomas Bergmeister, verantwortlich für das Sternsingen in Geretsried, hat geplant, „am 6. Januar in den beiden Gottesdiensten in Maria Hilf und der Heiligen Familie eine Gruppe Sternsinger auftreten zu lassen. Sie wird jeweils aus Geschwisterkindern bestehen.“ Anschließend gibt es für die Gläubigen Weihrauch, Kohle und Kreide to go. „In den Gottesdiensten wird der Segen schon einmal ausgesprochen“, sagt Bergmeister, „und zu Hause können die Leute ihn dann selbst über der Tür anbringen.“

In Münsing werden ebenfalls keine Sternsinger umherziehen. Die Anmeldung für einen Hausbesuch, wie im Weihnachtspfarrbrief noch angegeben, habe „keine Gültigkeit mehr“, heißt es in einer Mitteilung des Pfarrverbands. Für jene, die ihre Wohnung selbst segnen wollen, liegen am 6. Januar Tütchen mit Kreide und Weihrauch sowie Segensaufklebern in den Kirchen aus. Der Pfarrverband weist darauf hin, dass die Not von Kindern und Jugendlichen gerade zu Zeiten einer Pandemie „größer denn je“ sei. Wer daher das Sternsinger-Hilfswerk und dessen Projekte unterstützen will, kann eine Spende in den Briefkasten der Pfarrbüros einwerfen oder sie auf eines der Kirchenstiftungskonten – versehen mit dem Hinweis „Sternsinger-Aktion 2021“ – überweisen.

Do it yourself: Gläubige segnen ihr Haus selbst

Ähnlich sieht es in der Pfarreiengemeinschaft St. Benedikt, zuständig für die Gläubigen in Benediktbeuern, Bichl und Kochel aus. „Es liegen seit Weihnachten Segenspäckchen in den Kirchen aus“, sagt Pfarrer Heiner Heim. Verbunden ist das mit der Bitte, auch in diesem Jahr für Kinder in Not zu spenden.

Tüten mit gesegneter Kreide und Weihrauch liegen im Pfarrverband Dietramszell ab dem 4. Januar in der Pfarrkirche sowie in der Kirche Maria Elend und in einigen geöffneten Geschäften wie dem Bertenbauer-Hofladen, dem Edeka Peiß und Getränke Binder aus. Dort kann man seine Spende in aufgestellte Sammeldosen werfen. Am Dreikönigstag werden die Sternsinger ab 9 Uhr am Festgottesdienst mitwirken. Eineinhalb Stunden später sind Caspar, Melchior und Balthasar beim Festgottesdienst in Thankirchen vertreten. Am Samstag, 9. Januar, besuchen sie um 19 Uhr die Vorabendmesse in Peretshofen.

„Home-Blessing-Kits, wie man neudeutsch sagt“, so Pfarrer Manfred Wurzer mit einem Lächeln, liegen zu den Gottesdiensten am 3. und am 6. Januar in den Hauptkirchen des Eglinger Pfarrverbands aus – also in St. Martin in Egling, in St. Nikolaus in Deining, in St. Valentin in Endlhausen und in St. Peter und Paul in Thanning. Darin enthalten sind ein kleines Fläschchen Weihwasser, Weihrauch, Kreide und ein 20 C+M+B 21-Bapperl, das man über die Tür kleben kann. Das Tütchen darf, wer will, auch im Pfarrbüro abholen. Einen besonderen Service bieten die Eglinger ihren Senioren: Ihnen stellen die Mitglieder des Pfarrgemeinderats das Set kontaktlos mit einem kleinen Gruß vor die Tür.

Natürlich seien die Kinder enttäuscht, nicht als die Heiligen Drei Könige durch die Straßen ziehen zu dürfen, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Pfarreien im Isarwinkel. „Gleichzeitig ist das wohl die richtige Entscheidung“, meint Josef Weiher, Pastoralreferent im Pfarrverband Bad Tölz. In Abstimmung mit den Verantwortlichen habe man nun unterschiedliche Möglichkeiten gefunden, mit der Absage umzugehen. In den Tölzer Kirchen liegen laut Weiher „spätestens ab 3. Januar gesegnete Säckchen mit Weihrauch, Kohle und Kreide, alternativ ein Aufkleber mit dem Türsegen, zum Mitnehmen“ bereit. In den Briefkästen der Haushalte landet zudem ein Hinweis auf die Aktion inklusive einer Anleitung, um selbst Haus oder Wohnung zu segnen. Auf der Website des Pfarrverbands findet sich überdies ein Gruß der Sternsinger.

Wer die Gottesdienste in Gaißach am 2. und 6. Januar besucht, bekommt dort ein Segenssäckchen zum Mitnehmen. In Lenggries erhalten alle Haushalte den Pfarrbrief und Segenswunsch der Sternsinger per Einwurf. Aus den Einzelbeiträgen aller Sternsinger und Begleiter dieses Jahres haben ehrenamtliche junge Erwachsene außerdem eine Videobotschaft zusammengestellt, abrufbar ab dem 2. Januar auf der Homepage der Pfarrei. „Segenspäckchen liegen seit Advent in der Pfarrkirche auf und sind noch begrenzt verfügbar“, so Josef Weiher. In Reichersbeuern und Greiling schließlich werden in diesen Tagen Sternsinger-Flyer an die Haushalte verteilt. In den Gottesdiensten am 5. und 6. Januar liegen Segenstütchen in der Kirche. Alternativ kann man sich ein Kit bis einschließlich 10. Januar in den Pfarrkirchen abholen. Auch die Isarwinkler Pfarreien weisen auf die Dringlichkeit hin, notleidende Kinder zu unterstützen und empfehlen kontaktlose Spendenmöglichkeiten per Online-Überweisung.

Trotzdem warten die Ärmsten der Armen auf unsere Spenden.

Wolfratshausens Dekan Gerhard Beham über die Notwendigkeit der in diesem Jahr besonderen Sternsinger-Aktion

Im Pfarrverband Wolfratshausen muss der Besuch der Sternsinger pandemiebedingt natürlich ebenfalls ausfallen. „Trotzdem warten die Ärmsten der Armen auf unsere Spenden“, sagt Dekan und Pfarrer Gerhard Beham, „also wird die Aktion eben anders stattfinden.“ Alle Sternsinger-Gruppen werden verteilt bei sämtlichen Gottesdiensten in Wolfratshausen, Waldram und Gelting zugegen sein. Außerhalb der Kirchen liegen die Tütchen mit Weihrauch, Kohle, Aufkleber und ein Blatt mit Segensprüchen bereit. „So können die Eltern mit ihren Kindern daheim zu jedem Zimmer einen eigenen Segen sprechen“, sagt Beham. Spenden könne man direkt abgeben oder überweisen.

Normalerweise läuten die Sternsinger an jeder Haustür. Das wäre im Wolfratshauser Pfarrverband heuer schon vor der endgültigen Absage der Hausbesuche anders gehandhabt worden: Wegen der Pandemie hatten Gläubige ihren Wunsch nach einem Besuch von den Heiligen Drei Königen schriftlich im Pfarrbüro einreichen müssen. Dies war trotzdem nicht umsonst, erklärt Dekan Beham: „Den Menschen, die sich angemeldet haben, werfen die Sternsinger-Kinder die Segenstütchen in den Tagen nach den Gottesdiensten in den Briefkasten.“

„Um eine Gefährdung der Segensbringer und -empfänger auszuschließen“, so Michael Schwaighofer, hat sich auch der Pfarrverband Königsdorf-Beuerberg einen neuen Modus Operandi überlegt. In der Königsdorfer Kirche St. Laurentius und in der Beuerberger Marienkirche liegen ab den Gottesdiensten am Dreikönigstag „Segenspakete“ bereit. Sie „enthalten alles, um die Segnung des Hauses oder der Wohnung selbst vorzunehmen“, erklärt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, also Weihrauch und Kohle sowie ein Segensgebet. „Verbunden mit dem Segenspaket ergeht an alle Gläubigen der Aufruf, sich mit einer Spende an der besonderen Sternsingeraktion 2021 zu beteiligen.“

In ihrem Kiliansboten bittet die Pfarrei St. Kilian in Bad Heilbrunn darum, die Kinder, die normalerweise mit diesen Spendengeldern unterstützt werden, „nicht im Stich“ zu lassen. Segnen dürfen die Gläubigen ihr Haus selbst. Dazu liegen in der Kirche kleine geweihte „Do-it-yourself-Weihrauch-Tüten“ mit einem Segensgebet aus. Ältere Mitbürger, denen der Kirchenbesuch unmöglich ist, können sich ein Set mitbringen lassen – solange der Vorrat reicht.

Und auch einen Sicherheitshinweis liest man im Heilbrunner Kiliansboten: Kohle und Weihrauch dürften nur auf einer feuerfesten Unterlage oder in einem geeigneten Weihrauchgefäß benutzt werden – „ansonsten besteht Brandgefahr“. Die ausgegebenen Utensilien seien „kein Kinderspielzeug“. Es ist also durchaus Vorsicht geboten.

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