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Kein Grund zur Traurigkeit: Auch Haustiere, deren Besitzer sich das Futter nicht leisten können, bekommen im Land kreis Bad Tölz-Wolfratshausen Hilfe. 

Tiertafeln

Hund und Katz’ müssen nicht hungern

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Anders als in Penzberg gibt es im Landkreis keine Tier-Tafeln. Trotzdem sind die Herrchen und Frauchen nicht auf sich allein gestellt, wenn sie Hilfe benötigen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Geschichte der Tafeln in Deutschland nahm 1993 in der Bundeshauptstadt ihren Anfang. Sabine Werth und eine Gruppe von Berliner Frauen begannen damit, an Bedürftige Lebensmittel zu verteilen, die aus Überproduktionen stammten, kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums standen oder deren Verpackung beschädigt war. Die Idee breitete sich aus und erreichte fünf Jahre später den Nordlandkreis. Seit 1998 – erst als Isar-Loisach-, heute als Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel – versorgen Ehrenamtliche finanziell schwächer gestellte Menschen mit Nahrungsmitteln.

Karin Ratzek-Endreß hatte die Idee zur Tier-Tafel

Was gerne vergessen wird: Hat der alte Herr mit der schmalen Rente oder die Alleinerziehende Nöte, geht es deren Haustieren kaum besser. Aus diesem Grund riefen die Penzberger Tierschützer in diesem Jahr eine Tier-Tafel ins Leben: Etwa alle sechs Wochen gibt der Verein an Herrchen und Frauchen mit kleinem Budget Futter für deren vierbeinige oder geflügelte Lieblinge aus. Die Versorgung geht auf ein Erlebnis von Karin Ratzek-Endreß zurück. Die Chefin des Penzberger Tierschutzvereins entdeckte einst während der Adventszeit Christbaumkugeln, in deren Inneren ein Wunschzettel steckte. Sie änderte die Idee etwas ab und legte bei der Penzberger Tafel Listen aus, in denen Bedürftige vermerken konnten, was sie sich für ihre Vierbeiner wünschen. Nicht vergessen wird Ratzek-Endreß dieses eine Anliegen: ein kleiner Plastikpool für einen Wellensittich – ein Cent-Artikel. Da wusste die Tierfreundin: „Ich habe ins Schwarze getroffen.“ Die Tier-Tafel war geboren.

Auch der Tierschutzverein Wolfratshausen-Geretsried und Umgebung dachte vor einiger Zeit über eine derartige Einrichtung nach. „Dass es Bedarf geben könnte, war uns klar“, sagt Manuela Ravara, Leiterin des Tierheims in Gelting. In diesem Zusammenhang traf es sich, dass Angelika Haller beiden Organisationen – „seit neun Jahren der Tafel und seit sieben Jahren den Tierschützern“ – angehört.

Im Landkreis denkt die Menschen-Tafel auch an die Tiere

Die Wolfratshauserin organisierte eine Versorgung der Haustiere, in dem sie die Synergien beider Vereine nutzte. „Wir haben unter unseren Tafel-Kunden zunächst eine Umfrage gestartet, wer ein Haustier besitzt“, sagt die 61-Jährige. Es waren zwar nicht so viele wie gedacht, doch Interessenten gab es. Seitdem holt Haller oder einer ihrer Kollegen alle zwei Wochen Futter von der örtlichen Fressnapf-Filiale ab, das sie im Geretsrieder Lager der Tafel deponieren. Die Verteilung an die Tierbesitzer – überwiegend sind es Katzenhalter – erfolgt parallel zur Ausgabe der Lebensmittel – am Mittwoch in Wolfratshausen sowie montags und samstags in Geretsried, aufgeteilt in die Standorte Nord und Süd.

Etwas anders läuft es im Landkreis-Süden. Dort gibt es keine spezielle Tier-Tafel, und auch keine, die an die eigentlichen Tafeln in Bad Tölz und Lenggries gekoppelt ist. Im Regen stehen gelassen werden bedürftige Katzen- und Hundebesitzer trotzdem nicht. „Alles Futter, was wir für unsere Tiere hier nicht benötigen, geben wir gerne ab“, sagt Margarete Fichtner, Leiterin des Tierheims Maria Much. „Wer also Hilfe benötigt, der kann sich gerne an uns wenden.“ 

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