Justizia in der Mittagssonne.
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Wegen mehrerer Delikte musste sich ein Geretsrieder (18) vor dem Amtsgericht verantworten. (Symbolfoto)

„Ich hatte einen schlechten Tag“

Geretsrieder demoliert zwei Autos: Zwei Wochenenden in Arrest

  • vonRudi Stallein
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Weil er das Amtsgericht an der Nase herumgeführt hat, muss ein junger Geretsrieder zwei Wochenenden in der Arrestanstalt verbringen.

Wolfratshausen – Der 18-Jährige hatte in einer Verhandlung Mitte Januar dieses Jahres trotz mehrfacher Nachfrage des Jugendgerichtshelfers verschwiegen, dass die Polizei bereits wegen weiterer Straftaten gegen ihn ermittelte. Nur deshalb war er um einen Arrest herumgekommen. Das rächte sich nun, als er sich wegen der seinerzeit verschwiegenen Delikte verantworten musste.

Am 13. Dezember 2019 gegen 23 Uhr hatte der Teenager in einem Wutanfall zwei an der Blumenstraße geparkte Autos demoliert. Von einem VW Golf trat er einen Spiegel ab (Sachschaden: 250 Euro). Deutlich teurer wurden die Kratzer und Dellen, die er an einem vier Monate alten Neuwagen hinterlassen hatte: Knapp 4700 Euro standen auf der Reparaturrechnung. „Ich hatte mit ein paar Freunden getrunken“, berichtete der Angeklagte. Als seine Mutter ihn abholen, er aber noch nicht heim wollte, sei es zu einem verbalen Streit gekommen, der dann eskalierte. „Ich hatte einen schlechten Tag“, fasste der Heranwachsende zusammen.

„Wir waren uns doch schon mal einig“, begann Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch seine Gardinenpredigt an den jungen Burschen, der ihm aus drei früheren Verfahren gut bekannt war. „Bei Dir sollte das Denken vor dem Trinken einsetzen, nicht erst nach der fünften Halben, wenn Du überlegst, ob Du noch eine sechste oder siebte trinkst.“ Er konnte jedoch auch nicht umhin, dem 18-Jährigen zu bescheinigen, dass er sich in jüngster Zeit positiv entwickelt. So habe dieser selbst das Gespräch mit ihm gesucht. „Er möchte die Reißleine ziehen und mit dem Unfug aufhören“, sagte Dlugosch. Zudem habe der 18-Jährige bereits Gespräche mit der Brücke Oberland geführt, zur Vorbereitung auf eine Anti-Aggressions-Therapie. Er habe eine Arbeit angefangen, sich bei den Geschädigten entschuldigt und bereits begonnen, den Schaden zurückzuzahlen.

„Viel Arbeit, wenig Zeit zum Trinken, das ist doch gut“, konstatierte Jugendrichterin Friederike Kirschstein-Freund, die dem jungen Mann jedoch – ebenso wie der Jugendgerichtshelfer – übel nahm, dass er sie bei seiner letzten Verhandlung im Januar nicht mit der ganzen Wahrheit bedient hatte. „Wenn Sie damals mit offenen Karten gespielt hätten, wäre ein Arrest ausreichend gewesen“, betonte die Richterin. „Deshalb sind es nun zwei Freizeitarreste.“ Außerdem ordnete sie die Teilnahme am Anti-Aggressions-Projekt der Brücke Oberland an und erteilte dem 18-Jährigen für ein Jahr ein Alkoholkonsumverbot.

rst

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