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Achtung, Vollsperrung: Mit LED-Tafeln weist das Staatliche Bauamt Weilheim auf die bevorstehende Vollsperrung der Kreuzung B 11/Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße hin. Das Projekt liegt in den Händen von Gebietsinspektorin Julia Schneider.

Vollsperrung der Kreuzung B 11/Pfaffenrieder Straße

„Ich werde ein bisschen nervös sein“

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Rund 26 500 Fahrzeuge rollen täglich über die Kreuzung B 11/Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße in Wolfratshausen. Ein Eingriff an diesem neuralgischen Punkt setzt eine penible Planung voraus. 

Wolfratshausen – Es gibt immer einen fetteren Fisch, sprich: Was in der Flößerstadt als Großbaustelle bezeichnet wird, gehört in anderen Orten zum Tagesgeschäft. Der geplante Komplettaustausch der antiquierten Ampelanlage sowie die Asphaltsanierung im Bereich der sogenannten Tapsi-Kreuzung bereiten Julia Schneider keine schlaflosen Nächte. Doch die Gebietsinspektorin für den Landkreis im Staatlichen Bauamt Weilheim, weiß: „Die Maßnahme ist ein massiver Eingriff ins Verkehrsnetz.“ Nicht zuletzt, weil die Kreuzung von Freitag, 20. Oktober, ab 18 Uhr bis Montag, 23. Oktober, um 16 Uhr komplett gesperrt wird.

Das Projekt begann für die gebürtige Schweinfurterin im November 2016. Zu diesem Zeitpunkt erreichte  die 31-Jährige die Nachricht der Firma Siemens, dass es die 1980 installierte Ampelanlage an der Kreuzung B 11/Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße „nicht mehr lange macht“, erinnert sich Schneider. „Ersatzteile sind keine mehr zu bekommen.“ Nachdem klar war, das Geld für die notwendige Investition zur Verfügung steht, fiel die Entscheidung: Die Anlage wird erneuert.

Was in einem Satz mit vier Worten schnell formuliert ist, bedeutet für das Staatliche Bauamt: „Es wird ein sehr, sehr komplexer Prozess in Gang gesetzt“, so die 31-jährige Beamtin. Die Verkehrsbehörde im Landratsamt, die Polizei, die Städte Wolfratshausen und Geretsried, die Straßenmeisterei, das Planungsbüro für Verkehrstechnik (PVT) in Essen und nicht zu vergessen die Deutsche Bahn: Sie und andere sind mehr oder minder stark in das Vorhaben eingebunden.

Schneider pickt sich im Gespräch mit unserer Zeitung nur einen Aspekt raus: Eine effektive, von Minikameras und Induktionsschleifen flankierte Ampelsteuerung setzt eine 24-Stunden-Verkehrszählung und ein Verkehrsgutachten voraus – sowie eine möglichst verlässliche Prognose, wie sich der Verkehr bis ins Jahr 2030 entwickeln wird. Dabei müssen die Experten auch beschlossene Infrastrukturvorhaben – wie die Ansiedlung des Möbelriesen XXXLutz im Gewerbegebiet – berücksichtigen. Schneider: „Das Ganze ist hoch mathematisch und komplex.“

Seit einigen Tagen ist die alte Ampelanlage im Kreuzungsbereich abgeschaltet, ihren Job hat eine sogenannte Bedarfsampel, ein Provisorium übernommen. Das Gros der Autofahrer hat das nicht bemerkt. Sieht man von denen ab, die die Kreuzung genau in der 30-minütigen Übergangszeit passieren wollten in der es keine Ampelregelung gab. „Ich könnte Ihnen Videos davon zeigen, da geht’s dann schon mal kurz zu wie im Wilden Westen“, sagt Schneider mit einem Lächeln. Sie weiß aus Erfahrung: Bis sich der von Lichtzeichenanlage verwöhnte Pkw-Fahrer wieder auf die Bedeutung von Stopp-Schildern und der Rechts-vor-Links-Regel besinnt, vergehen ein paar Momente. „Wir hatten aber im Vorfeld die Polizei über die Umschaltung informiert. Die war zu dem Zeitpunkt vor Ort – und nach ein paar Minuten floss der Verkehr reibungslos.“

Autofahrerin griffdie Beamtin mitGolfschläger an

Auf Verständnis stoßen Schneider und ihre Kollegen nicht immer. „Dass Arbeiter auf Autobahnbaustellen aus vorbeifahrenden Autos mit Eiern oder Tomaten beworfen werden, kommt vor.“ Die Gebietsinspektorin selbst ist bei Arbeiten am Wolfratshauser Autobahnzubringer von einer Frau mit einem Golfschläger bedroht worden. „Sie wollte partout nicht einsehen, warum sie mit ihrem Geländewagen nicht in den abgesperrten Bereich, über den noch heißen Asphalt fahren darf.“

Trotz aller Erfahrung: Die Vollsperrung der B 11-Kreuzung ist für die Bauingenieurin, die in Weimar studiert hat, eine Herausforderung. „Es bedarf einer akribischen Planung“, denn berücksichtigt werden müssen unter anderem die Belange der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, der Polizei und der Linienbusbetriebe. „Ganz wichtig ist für uns auch: Wie erreichen wir alle, insbesondere die Verkehrsteilnehmer?“ Schon vor einigen Tagen sind an der B 11 zwischen Geretsried und Wolfratshausen, am Pendlerparkplatz an der Auffahrt zur A 95, in der Wolfratshauser Altstadt sowie an der Friedhofskreuzung in der Flößerstadt LED-Hinweistafeln aufgestellt worden.

„Das ist ja keine Spielstraße“, stellt Schneider fest. Die Sperrung eines solchen Verkehrsknotenpunkts „ist sicherlich schmerzlich für die Bürger“. Doch die Arbeiten würden mit Hochdruck durchgeführt, „und das Ergebnis ist für alle eine deutliche Verbesserung des Ist-Zustands“.

Bevor Schneider im März 2016 zum Staatlichen Bauamt wechselte, war sie bei der Autobahndirektion Südbayern tätig. Mit Großbaustellen ist sie seither vertraut. Dennoch gibt die 31-Jährige mit einem Lächeln zu: „Am kommenden Freitag werde ich ein bisschen nervös sein.“

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