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Platz für Notizen: Dietlind Diepen, Hans-Werner Kuhlmann (li.) und Ernst Gröbmair stellen das Weißbuch vor. Der LAW skizziert darin Wege zur Gestaltung der City.

"Nette Toilette" und Aufwertung von Seitengassen

Ideen für die Altstadt: LAW legt Katalog vor

Wolfratshausen –  Der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) hat ein Weißbuch erstellt. Darin finden sich Vorschläge für die Gestaltung der Innenstadt.

„Die Zeit arbeitet nicht für uns. Wir müssen es selbst tun.“ Das steht als Schlusssatz auf Seite 55 der schick aufgemachten Broschüre. Seit der Stadtrat 2002 erstmalig die Stadtmarketing-Firma „Cima“ mit einem Konzept für die Belebung der Innenstadt beauftragt hat, ist laut Dietlind Diepen „kaum etwas passiert“. Die Leiterin des Arbeitskreises Stadtlandschaften innerhalb der LAW hat deshalb als Hauptverantwortliche zusammen mit dem Vorsitzenden Hans-Werner Kuhlmann und Klaus Peter Scharf ein Weißbuch mit Handlungsempfehlungen geschrieben. Selbiges stellte sie am Mittwoch in der Jahresversammlung des Vereins vor.

Der Leitfaden unterscheidet zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Schnell zu realisieren wären laut Diepen zum Beispiel öffentliche Toiletten nach Regensburger Vorbild. Dort erhalten Gaststätten einen Zuschuss von der Stadt, wenn sie Besuchern ihre WCs kostenlos zur Verfügung stellen. Ein Schild mit der Aufschrift „Die nette Toilette“ weist auf diesen Service hin. Kurzfristig möchte der LAW auch für ein sauberes Stadtbild sorgen. Müll auf den Gehwegen, Hundekot und im Winter schlecht geräumte Wege müssen nach Ansicht des Vereins nicht sein, heißt es mit Verweis auf das Beispiel Starnberg. Dort wird zusammen mit dem Hundesteuerbescheid ein Flyer verschickt. Darauf steht, wo überall Hundebeutelstationen sind. Außerdem ruft er zur allgemeinen Rücksichtnahme auf.

Relativ schnell Abhilfe geschaffen werden könnte nach Meinung der Mitglieder dem „Möblierungs-Wirrwarr“ im Unter- und Obermarkt. Bestuhlung, Laternen, Blumenkästen, all das sollte möglichst einheitlich gestaltet sein. Schwieriger dürfte es werden, einen Lebensmittelladen anzusiedeln. Ein mittelfristiges, wichtiges Ziel ist die Umgestaltung des westlichen Loisachufers zwischen Bahnhofstraße und Johannisgasse. Doch auch kleine Seitengassen, Innenhöfe und Bäche sollen nach dem Willen der Ehrenamtlichen verschönert werden. Das Weißbuch zeigt Fotos von positiven Beispielen in der Loisachstadt (etwa die Berggasse) und in anderen Orten (Weilheim).

Als große Ziele werden die Herabstufung der B 11 durch den Markt zu einer Ortsstraße und der Bau einer Umgehungsstraße genannt. Dies seien Voraussetzungen für ein innerstädtisches Verkehrskonzept, das nicht unbedingt eine Fußgängerzone beinhalten müsste. Der Markt könnte wie das Vorbild Altdorf bei Nürnberg, das LAW und Stadtvertreter vor zwei Jahren besichtigt haben, barrierefrei gestaltet werden: als „Shared Space“ für Fußgänger, Radfahrer und Autos. In einem schönen Stadtkern würde sich nach Meinung der LAW auch ein Hotel ansiedeln. Touristen und Tagesausflügler will man mit Schildern mit der Aufschrift „Herzlich willkommen in der internationalen Flößerstadt“ an den Ortseingängen begrüßen. Man will alte Handwerksbetriebe dafür gewinnen, sich zu präsentieren. Schließlich wird eine engere Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt Geretsried angeregt, wo es unter anderem ein interessantes Heimatvertriebenen-Museum gebe.

Um all das umzusetzen ist nach Meinung Diepens ein Citymanager nötig. Weil der nicht alles erledigen könne, brauche der Stadtrat „Mut und Bereitschaft“, etwas zu ändern. Die Bürger sollen ihn dabei mit ihrem Fachwissen, ihren Wünschen und ihrer Kritik unterstützen.

Einen Packen der Weißbuch-Exemplare überreichten Diepen und LAW-Mitglied Ernst Gröbmair an Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Für ihn und die Stadträte hat der Verein am Ende jedes Kapitels Platz für Notizen gelassen. Auch den jeweiligen „Projektfortschritt“ können (und sollen) die Mandatsträger vermerken.

von Tanja Lühr

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