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Im Gespräch mit Dr. Manfred Stumpfe 

Geburtshilfeabteilung: „Wir können nicht stillschweigend abwarten“

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Eine Pressekonferenz am kommenden Montag, ein Tag der offenen Tür, eine Lichterkette: Die Hebammen in der Kreisklinik gehen zum Erhalt der Geburtshilfeabteilung in die Offensive. Dr. Manfred Stumpfe (60), einer der beiden Belegärzte, unterstützt sie dabei. 

Wolfratshausen – Stumpfe ist seit 1993 Gynäkologe an der Kreisklinik und hat dort schon an die 2500 Kinder zur Welt gebracht.

Herr Dr. Stumpfe, worum geht es Ihnen bei dem Protest?

Wir wollen einfach eine gewisse Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema schaffen. Die Öffentlichkeit und die Politik sollen merken: Hoppla, Wolfratshausen ist auch noch da. Es geht darum, den Standort Wolfratshausen zu retten und in die nächste Generation zu führen.

Warum ist der Protest nötig? Eine Schließung ist ja nicht akut.

Dr. Manfred Stumpfe Belegarzt in der Wolfratshauser Geburtshilfe

Bekanntlich steht die Geburtshilfe Bad Tölz ja auf der Kippe. Momentan werden verschiedene Szenarien einer möglichen Kooperation durchgespielt, etwa mit Agatharied oder Garmisch, um Bad Tölz zu retten. Ich sehe mittelfristig die Gefahr, dass es auf ein Entweder-Oder hinausläuft. Rettet man Bad Tölz oder rettet man Wolfrathausen? Ich möchte einfach verhindern, dass im Kreistag irgendwelche Weichenstellung erfolgen, die sich dann nicht rückgängig machen lassen. Dafür müssen wir die Bevölkerung einbinden. Wir können ja nicht stillschweigend abwarten, bis der Tsunami über uns hereinbricht.

Es heißt, dass das Belegarzt-System in der Krise ist. Warum ist das so?

Weil es schlicht und ergreifend immer schwieriger wird, Belegeärzte zu finden. Da kommen verschiedene Faktoren zusammen. Zum einen spielen die irre hohen Versicherungssummen eine Rolle. Sie liegen bei 55 000 Euro im Jahr, eine solche Summe kann ja kein Arzt mehr hereinwirtschaften. Auch ist es so, dass die jüngere Generation nicht mehr so bereit ist, das Pensum der älteren Generation der Belegärzte zu bewältigen. Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist kein Vorwurf. Es ist halt ein anderer Ansatz, wenn man mehr auf die Work-Life-Balance achtet und nicht nur für den Beruf leben will.

Wie optimistisch sind Sie, dass der Erhalt der Wolfratshauser Geburtshilfe gelingt?

Ich bin sehr optimistisch und am Erarbeiten von Lösungen. Ich kann nur sagen, dass ich immer schon leidenschaftlich für den Erhalt gekämpft habe und mich auch nicht scheue, offen und ehrlich mit Politikern zu sprechen. Auf der andren Seite will ich überhaupt keine Polemik reinbringen, sondern weiter auf der Sachebene bleiben.

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