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Respekt ja, Panik nein: Julien Botha (21) rät bei einer Begegnung mit einem Wolf zu besonnenem Verhalten. 

Wolf in Beuerberg?

Im Gespräch mit dem Wolfratshauser Wolf-Experten

Wolfratshausen – Julien Bota hat im Rahmen eines freiwilligen ökologischen Jahres im staatlichen Wolfsmanagement in Brandenburg gearbeitet. Wir haben mit ihm aus aktuellem Anlass über die Tiere gesprochen.

Bota und seine Mitstreiter kümmerten sich um 22 Rudel, erarbeiteten mit Landwirten Lösungen, wie sie ihre Tiere vor Übergriffen schützen können und waren für das wissenschaftliche Bestands-Monitoring verantwortlich. Heute studiert der 21-jährige Wolfratshauser in Greifswald Landschaftsökologie. Mit Wölfen beschäftigt er sich regelmäßig, etwa bei von ihm geführten Wolfsexkursionen in der Lausitz und beim ehrenamtlichen Wolfsmonitoring. Redakteur Frederik Lang sprach nach der angeblichen Wolfssichtung im Nordlandkreis mit dem Experten.

Nahe Beuerberg wurde angeblich ein Wolf gesichtet: Ist das denkbar?

Grundsätzlich ja. Die nächsten Wolfsvorkommen liegen in den umliegenden Alpenländern und im Nord-Osten Deutschlands. Gerade junge Wölfe können auf der Suche nach einem geeigneten Revier und Paarungspartnern große Strecken zurücklegen, so dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass auch im Landkreis gelegentlich ein durchziehendes Tier gesichtet wird.

Woran erkennt man überhaupt, dass es ein Wolf ist und kein Husky oder Schäferhund?

Huskys sind meist etwas kleiner und kurzbeiniger als Wölfe. Im Gegensatz zu diesen haben sie aber oftmals eine weiße Gesichtsmaske. Schäferhunde sind meist dunkler gefärbt als Wölfe und haben eher kurze Beine, meist einen schmaleren Kopf und größere Ohren. Im Gegensatz zu Hunden trägt der Wolf die Rute nie über dem Rücken. Gerade auf weite Entfernungen hin kann aber eine Unterscheidung zwischen wolfsähnlichen Hunden und Wölfen sehr schwer sein.

Wie gefährlich ist der Wolf?

Grundsätzlich geht von gesunden Wölfen keine Gefahr für den Menschen aus. Problematisch kann es aber werden, wenn Wölfe etwa durch Anfütterungen an den Menschen gewöhnt oder in die Enge getrieben werden. Auch von tollwütigen Tieren kann eine Gefahr ausgehen, die in Deutschland aber sehr gering ist. Im gesamten Bundesgebiet werden die Wolfsvorkommen durch die Behörden sehr genau beobachtet und Konflikte durch Präventionsmaßnahmen versucht zu vermeiden. Kommt es doch einmal zu kritischen Situationen, so ist man auch auf diese vorbereitet und kann auf Maßnahmen aus den Wolfsmanagementplänen zurückgreifen. So ist es etwa auch möglich, dass in begründeten Fällen Tiere entnommen werden können.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Wölfe sind eher vorsichtige und zumeist scheue Tiere, so dass Begegnungen mit ihnen selten sind. Trifft man doch einmal auf einen, so wird dieser sich recht bald zurückziehen. Wichtig zu bedenken ist aber, dass der Wolf ein wehrhaftes Wildtier und kein Kuscheltier ist. Daher sollte man ihn auf keinen Fall füttern oder versuchen ihm näherzukommen. Der Mensch zählt auch nicht zu seinem Beutespektrum, Panik ist also unangebracht, Respekt schon.

Geht ein Wolf in Dörfer oder Städte?

Wölfe passen sich meistens an die Anwesenheit von Menschen an, indem sie ihnen aus dem Weg gehen. Nachts kann es aber durchaus auch vorkommen, dass Wölfe ebenso wie andere Wildtiere durch besiedelte Bereiche in ihrem Streifgebiet ziehen. In größeren Orten ist er aber eher weniger zu erwarten.

Wie leben Wölfe?

Hat sich einmal ein Wolfspaar gefunden, bleibt dieses meist ein Leben lang zusammen und gründet unter günstigen Bedingungen ein Rudel, das wie eine Kleinfamilie ist. Ein Rudel besetzt ein Territorium, das je nach Nahrungsgrundlage in Deutschland zwischen 250 und 300 Quadratkilometer groß sein kann. In diesem werden dann keine anderen Wölfe geduldet. Gefressen wird überwiegend Schalenwild, insbesondere Rehwild, wie Nahrungsanalysen gezeigt haben.

Welche Strecken legt ein Wolf zurück?

Strecken von 20 Kilometern pro Nacht sind nichts Ungewöhnliches für Wölfe, auf der Suche nach neuen Territorien können sie auch bis zu 80 Kilometer pro Tag zurücklegen.

Könnte sich der Wolf dauerhaft wieder in Bayern ansiedeln?

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl an Wolfsnachweisen in Bayern gestiegen, inzwischen sind auch einzelne standorttreue Wölfe aus dem Bayerischen Wald und vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr bekannt. Einzelne Tiere sind also schon da, langfristig ist zu erwarten, dass sich einzelne Rudel bilden werden. Das hängt aber auch davon ab, ob sich passende Paarungspartner finden.

fla

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