Eine Lehrerin
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Mangelware Lehrer: Die Corona-Pandemie hat personelle Folgen für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Die 38 Kräfte der sogenannten Mobilen Reserve sind „aktuell alle im Einsatz“, so Schulrätin Ute Hübner.

Auch eine Folge der Corona-Pandemie

Im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen werden Lehrer knapp: „Engpässe nicht auszuschließen“

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Corona-Pandemie hat auch fatale Folgen für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Die Personaldecke wird immer dünner.

  • Aufgrund der Corona-Pandemie fehlen an den Grund- und Mittelschulen im Kreis immer mehr Lehrer.
  • Die 38 Kräfte der „Mobilen Reserve“ sind bereits alle im Einsatz.
  • Schulrätin Ute Hübner kann „Engpässe nicht ausschließen.“
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Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) Bayern, ein Berufsverband für Lehrkräfte und Pädagogen, schlägt Alarm: An Grund- und Mittelschulen im Freistaat fehlen aufgrund der Corona-Pandemie laut KEG Lehrkräfte. Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), hat einen akuten Lehrermangel ausgemacht. Schulrätin Ute Hübner, zuständig für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, setzt auf die sogenannte Mobile Reserve. Doch auch diese Reserve ist bald verbraucht.

Berufsverband kritisiert die Staatsregierung

Ministerpräsident Markus Söder brach in einer Regierungserklärung eine Lanze für die Pädagogen: „Ich möchte die Lehrer und Lehrerinnen des Landes in Schutz nehmen. Sie sind sehr belastet, weil sie zu wenige sind.“ Diese Feststellung ist der KEG nicht genug. „Besonders die Grund-, Mittel- und Förderschulen leiden schon lange unter dem Mangel an Lehrkräften. Allerdings tut die Staatsregierung in der derzeitigen Corona-Lage nicht alles dafür, um dem Personalmangel gerecht zu werden“, so KEG-Sprecher Wolfgang Stemmer.

Das Problem ist vielschichtig. Da sind zum einen die Lehrkräfte, die aufgrund von Corona-Fällen an den jeweiligen Schulen als Betroffene gelten und zu häuslicher Quarantäne gezwungen sind. Dazu kommen Pädagogen, die selbst mit dem Virus infiziert sind und deswegen dem Unterricht fern bleiben müssen. Und es gibt Lehrer, die zur sogenannten Risikogruppe zählen, etwa Schwangere und Personen, die aufgrund schwerer Vorerkrankungen vom Präsenzunterricht befreit sind. Aufgefüllt werden die Lücken durch die sogenannte Mobile Reserve. Das sind Lehrkräfte, die zwar einer bestimmten Stammschule zugeteilt sind, von dort aus aber „Aushilfseinsätze“ an anderen Orten wahrnehmen.

Zusätzlich sind drei sogenannte Team-Lehrer eingestellt worden

„In diesem Schuljahr stehen uns 38 Lehrkräfte in der Mobilen Reserve zur Verfügung, die aktuell alle im Einsatz sind“, berichtet Schulrätin Ute Hübner auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Auslastung der Mobilen Reserve verläuft dynamisch und ändert sich täglich.“ Zusätzlich, so Hübner, „konnten wir bereits drei Teamlehrkräfte einstellen“. Das sind Frauen und Männer, die nicht unbedingt ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen müssen, sondern: Es können „Personen mit einem anderen abgeschlossenen Hochschulstudium sein“, so das bayerische Kultusministerium. „Pädagogisches Geschick, kommunikatives Talent und die Fähigkeit zur Arbeit im Team sind ebenso von Vorteil wie Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit“, so das Ministerium weiter.

Berufsverband fordert „Eins-zu-Eins-Ersatz“

„Die Vielzahl von Ausfällen“ werden laut der Katholischen Erziehergemeinschaft, die nach eigenen Angaben 8000 Mitglieder zählt, „bisher zu wenig berücksichtigt.“ Es müsse schnellstmöglich ein Eins-zu-Eins-Ersatz her, so der Appell des Berufsverbands an die Politik. KEG-Sprecher Stemmer: „Die Aufstockung der Mobilen Reserve durch zusätzliche Einstellungen ist unter den derzeitigen Umständen dringend geboten.“ Es müssten „unkomplizierte Wege“ gefunden werden, um den Personalengpässen etwas entgegenzusetzen. Welche Wege das sein könnten, sagt die KEG nicht.

Die Realität an vielen Grund- und Mittelschulen im Landkreis sieht angesichts unzureichender Reserven so aus: Man versucht, den Betrieb mit eigenen Kräften zu stemmen. Das heißt, der eine oder andere Lehrer hilft im Falle des Falles zusätzlich in einer anderen Klasse aus.

Es lässt sich nicht restlos ausschließen, dass es zu Engpässen kommen wird. Hier müssen dann flexible Lösungen gefunden werden.“

Ute Hübner, Schulrätin im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Schulrätin Ute Hübner tut alles, was in ihrer Macht steht, aber: „Wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen auf die Vertretungssituation auswirken wird, ist derzeit nicht absehbar. Es lässt sich nicht restlos ausschließen, dass es zu Engpässen kommen wird. Hier müssen dann flexible Lösungen gefunden werden.“ (cce)

Bewerbungen als Team-Lehrkraft nimmt das bayerische Kultusministerium entgegen. Alle Infos gibt’s auf der Homepage des Ministeriums: www.km.bayern.de.

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