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Dem schlechten Wetter zum Trotz: Zahlreiche Interessierte kamen am Sonntag zur Eröffnung der Fotodokumentation „Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram”.

Ausstellung

Im Vordergrund steht die Geschichte hinter den Bildern

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In Waldram wird die Ausstellung „Kinderwelten in Föhrenwald“ eröffnet. Der Andrang im Badehaus ist groß

Wolfratshausen– Kinder sind Ausdruck der Hoffnung, der Hoffnung auf einen Neuanfang. Das galt nach dem Zweiten Weltkrieg in besonderem Maß: für jüdische Holocaust-Überlebende ebenso wie für katholische Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. In den Auffanglagern für sogenannte Displaced Persons, heimatlos gewordene Juden, waren die Geburtenraten in den Jahren 1946 bis 1948 die höchsten auf der ganzen Welt. Wie es war, in den 1950er und 1960er Jahren als Kind von Displaced Persons oder von Heimatvertriebenen im Isartal aufzuwachsen, zeigt die Ausstellung „Kinderwelten in Waldram und Föhrenwald – Neuanfänge nach 1945im Wolfratshauser Forst“. Konzipiert hat sie der Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Wolfratshausen und der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern.

Nach ihrer ersten Station im Mayerhof des Klosters Benediktbeuern ist die Fotodokumentation seit Sonntag direkt am Ort des Geschehens zu sehen: am Badehaus Waldram. Zur Ausstellungseröffnung drängten sich über 200 Menschen im noch unverputzten Keller des Badehauses, in den die Feierlichkeiten aufgrund des schlechten Wetters kurzfristig verlegt wurden. Zahlreiche Besucher blieben vor der Tür im Regen stehen.

Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende der beiden beteiligten Vereine, betonte die „verblüffenden Gemeinsamkeiten“ der beiden Kinderwelten: „Sowohl die Judenkinder als auch die Flüchtlingskinder mussten sich in der Fremde zurechtfinden. Beide sind nicht mit offenen Armen aufgenommen worden.“ Beide spürten bei ihren Eltern die traumatisierende Erfahrung der Vertreibung und des Verlusts der Heimat, beide trugen die Bürde der Hoffnungsträger für einen Neustart. Sport, Musik und Religion waren in beiden Zeitschichten die identitätsstiftenden Elemente, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkten.

Die Ausstellung mit rund 30 Bildpaaren basiert auf der Sammlung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“, die Krafft und ihre 2014 verstorbene Ko-Kuratorin Kirsten Jörgensen bereits vor fünf Jahren zusammengestellt hatten. Ergänzt wurden die Bilder der jüdischen Kinder durch ähnliche Motive der neu angesiedelten Heimatvertriebenen, von denen viele heute noch in Waldram leben. Mehr als um optische Effekte ging es Krafft aber darum, „die Geschichte hinter den Bildern zu erzählen“, sagte sie. Dabei helfen die kurzen Texte, die die Bildpaare begleiten. So erfährt der Besucher, dass sich hinter zwei Fotos von Großeltern mit ihren Enkeln gegensätzliche Erfahrungswelten verbergen: Alte Menschen waren für die jüdischen Displaced Persons eine Rarität, weil nur wenige von ihnen die Konzentrationslager überlebt hatten – für die Heimatvertriebenen war der enge Kontakt zu Oma und Opa dagegen Normalität.

Einen „besonderen Brückenschlag zur heutigen Zeit“, so Krafft, stellten die von den Waldramer Grundschülern Lennie, Elena und Judith eingesprochenen Bilderklärungen dar. Die kann sich der Besucher mittels QR-Code auf dem eigenen Mobiltelefon oder an ausleihbaren Tablet-Computern anhören. Die Ausstellung ist jederzeit frei zugänglich im Hof des Badehauses am Kolpingplatz zu sehen.

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