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Schaufeln, was die Plane hält: Einsatzkräfte aller Eglinger Ortsfeuerwehren befreiten am Dienstag das Dach der Eglinger Schule vom tonnenschweren Nassschnee. 

Schneechaos

In Geretsried werden jetzt erste Dächer geräumt

Der andauernde Schneefall hält Städte und Kommunen im nördlichen Landkreis weiterhin in Atem.

Bad Tölz-Wolfratshausen – 85 Feuerwehrmänner aus allen Eglinger Ortsfeuerwehren haben am Dienstagnachmittag zusammen geholfen, um das 1800 Quadratmeter große Dach der Eglinger Grundschule von der Schneelast zu befreien. „In drei Stunden war alles vorbei“, berichtet Sprecher Stefan Kießkalt. „Wir waren so gut im Schwung, dass wir gleich auch noch das Dach der Turnhalle freigeschaufelt haben.“ Ein Statiker hatte im Auftrag der Gemeinde errechnet, dass man sich mit der aktuellen Last von 110 Kilo pro Quadratmeter allmählich dem roten Bereich nähert. Der ist mit 130 Kilo pro Quadratmetern endgültig erreicht. Also wurde gehandelt. Am Montag planten die Einsatzkräfte alles durch, am Dienstag griffen sie zur Schaufel, wobei alle gut gesichert waren. „Da oben war es extrem windig und unangenehm“, erzählt Kießkalt. Die Folge: Alle 20 Minuten wurde das Personal durchgewechselt, in der Schule wärmte man sich wieder auf. Der etwa kniehohe Schnee, den man oben vorfand, war extrem feucht – und deshalb schwer. Die Gemeinde verpflegte die Helfer großzügig – wie es sich gehört.

Die Dächer bleibeneine Problemzone

Ähnliche Szenen haben sich auch schon am vergangenen Sonntagnachmittag im Münsinger Ortsteil Holzhausen abgespielt. Unmittelbar nach der Kreisfeuerwehrversammlung in Bad Tölz griffen die Mitglieder der dortigen Feuerwehr beherzt zur Schaufel und befreiten das 15 auf 15 Meter große Flachdach des Kindergartens St. Georg vom tückischen Nassschnee. Dreieinhalb Stunden dauerte der Einsatz, dann war alles wieder gut.

In Geretsried war das Abräumen der Dächer von Turnhallen, Hallenbad und Bücherei zunächst nicht notwendig. Aber „die Situation wird überwacht“, sagt Thomas Loibl, Pressereferent der Stadt Geretsried. Am späten Dienstagnachmittag wurde die Last auf einigen Dächern dann doch zu groß: Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer meldet um 16.45 Uhr die Sperrung der Gymnasiums-Sporthalle und der Aula sowie der Turnhalle der Franz-Marc-Schule, gültig ab diesen Donnerstag. „Am Freitag werden die Dächer geräumt“, kündigt Peischer an. Am Mittwochnachmittag sei auf dem Dach des Gebäudes am Schulzentrum eine Schneelast von 93 Kilo pro Quadratmeter gemessen worden. Zulässig sind in diesen Gebäudebereichen 115 Kilo. Die Dächer werden laut der Sprecherin „jedoch geräumt, um wieder Reserven für angekündigte weitere mögliche Schneefälle am Wochenende zu schaffen“. Möglicherweise werde am Freitag auch das Hauptgebäude der Franz-Marc-Schule gesperrt. Die Entscheidung dazu fällt am Donnerstag.

Auch Privatpersonen machen sich immer mehr Sorgen um die Schneelasten, die sich oben auf ihren Häusern türmen – zumal der Deutsche Wetterdienst bis kommenden Freitag weitere Schneefälle vorausgesagt hat. Das Landratsamt bittet Hausbesitzer, die Dächer abzuräumen, sobald es die Wetterlage zulässt. Kreisbrandrat Alfred Schmeide weist in diesem Zusammenhang darauf hin: „Feuerwehren und das Technische Hilfswerk (THW) sind für Dachräumungen nicht zuständig. Wenn Gefahr im Verzug ist, dann müssen sich Privatpersonen an entsprechende Firmen wenden. Das können beispielsweise Zimmereien, Dachdecker oder Gerüstbauer sein.“

Die Schneelast auf den städtischen Liegenschaften in Wolfratshausen befindet sich aktuell im Toleranzbereich. „Es gibt keine akuten Probleme“, sagt die Leiterin des Bauamts, Susanne Leonhard, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Situation sei nicht vergleichbar mit der vor 13 Jahren. Anfang 2006 mussten wie berichtet im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zahlreiche Gebäude gesperrt werden, da die Dachlast einen kritischen Punkt erreicht beziehungsweise teilweise überschritten hatte.

„Wir haben die Sache im Auge“, berichtet Leonhard, insbesondere gilt das für neuralgische Punkte wie das Dach der städtischen Dreifachturnhalle am Hammerschmiedweg. Noch reiche eine optische Überprüfung. Sollte der Schneefall nicht nachlassen, „müssen wir aufs Dach rauf“, um die Last ganz genau zu berechnen oder das Dach vom Schnee zu befreien.

Der Schnee brauchteinen Lagerplatz

Wohin mit dem Schnee? Diese Frage bereitet der Kommune seit Mittwoch Kopfzerbrechen. Üblich sei es, ihn auf landwirtschaftlichen Nutzflächen auszubringen, erläutert Bauamtsleiterin Leonhard. „Der Boden ist allerdings zu weich.“ Deswegen transportieren die Mitarbeiter der Stadtwerke die von den Straßen und Gehwegen geräumte weiße Pracht „auf teilbefestigte Flächen“. Damit sind in erster Linie Parkplätze gemeint – unter anderem der am Isar-Loisach-Stadion in Farchet, an der Mehrzweckhalle in Farchet sowie der Parkplatz an der Waldramer Schule. Leonhard: „Ganz ehrlich: Wir sollten auf Holz klopfen, denn bis dato sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“

Einige Straßenbleiben gesperrt

Zwar ist die Lage im Südlandkreis dramatischer, doch auch im Norden bleiben Straßen wegen der Wetterlage gesperrt. Wie das Straßenbauamt mitteilt, handelt es sich um die Staatsstraße 2073 zwischen Dietramszell und Holzkirchen (frei bis Reith), die Staatsstraße 2368 zwischen Dietramszell und Endlhausen (zwischen Linden und dem Abzweig der Kreisstraße nach Baiernrain sowie zwischen Fraßhausen und Endlhausen). Da keine Entspannung der Lage in Sicht ist, bleiben diese Abschnitte bis Ende der Woche gesperrt. Auch auf den Kreisstraßen TÖL 10 zwischen Kirchbichl und Sachsenkam, TÖL 14 zwischen Bairawies und Untermühltal sowie die TÖL 17 zwischen Degerndorf und Wolfratshausen (Einmündung Staatsstraße 2370) dürfen keine Autos mehr fahren. Auch die dortige Sperrung gilt bis Ende der Woche. „Die Verkehrsteilnehmer werden gebeten, unnötige Fahrten zu vermeiden“, schreibt Martin Herda. „Zudem wird zu erhöhter Wachsamkeit wegen umstürzender Bäume und herabfallender Äste und Eisbrocken auch im restlichen Straßennetz aufgerufen.“  

Schaufeln und Fräsenäußerst gefragt

Schaufeln, Fräsen, Salz und Splitt: Diese Artikel finden in der Wolfratshauser BayWa zurzeit reißenden Absatz. „Es ist verrückt“, sagt Marktleiter Werner Becker. Die Kunden würden nicht nur eine Schneeschaufel kaufen, sondern gleich drei. Auch Schneefräsen – die man in der BayWa auch mieten kann – seien sehr gefragt. Mittlerweile komme es zu Engpässen. Mit dem internen Warenverkehr zwischen den Filialen könne man sich aber behelfen, sagt Becker.

Schneeketten:Nachschub kommt

Ausverkauft: Das hat Reinhold Friedl dieser Tage schon öfter am Telefon gehört. Der Geretsrieder betreibt einen Reifen- und Kfz-Service und verkauft auch Schneeketten. Auf gewisse Modelle müsse er zum Teil eine Woche warten. „Der Nachschub kommt sehr zögerlich“, sagt Friedl. „Die Kettenhersteller kommen mit dem Versenden nicht hinterher.“ Beim Kauf der Ketten sei es unabdingbar, die richtige Größe zu kaufen. „Das ist ein Must“, sagt Friedl. Sind sie zu klein, könnten die Ketten reißen. „Sind sie zu groß, können sie sich lösen.“ Beides kann einen relativ hohen Schaden am Auto verursachen.

Noch ist die Lage ruhigin der Notaufnahme

In der Notaufnahme der Wolfratshauser Kreisklinik machen sich die Auswirkungen des starken Schneefalls bislang noch nicht bemerkbar. „Wir haben deshalb nicht mehr Stürze oder Frakturen zu behandeln“, berichtet der Leiter der chirurgischen Abteilung, Dr. Andreas Oberniedermayr. „Wir merken nur, dass aufgrund des Wetters auch bei uns einige Angestellte zu spät in die Arbeit kommen“, ergänzt der Oberarzt mit einem Schmunzeln.  

Privat-Gymnasiumebenfalls geschlossen

Das private Günter-Stöhr-Gymnasium in Icking hat sich mittlerweile ebenfalls dem Schneefrei-Erlass für die staatlichen Schulen angeschlossen: In der restlichen Woche entfällt für die Gymnasiasten nun der Unterricht. Kinder und Jugendliche, die trotzdem in die Schule kommen, werden natürlich betreut. 

vu/cee/kof/nej/sw/peb

Lesen Sie auch: Winter hat Bad Tölz-Wolfratshausen fest in der Hand - wie zuletzt 2006

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