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In kleinen Schritten zur Verkehrswende

Mit diesen Ideen soll Radeln in Wolfratshausen attraktiver werden 

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Wie kann Radfahren in der Stadt Wolfratshausen attraktiver gestaltet werden? Im Rahmen des „Klimafrühlings Oberland“ wurde das Thema nun diskutiert – und nur ein Vorschlag einstimmig abgelehnt. 

Wolfratshausen – Wo soll der Radverkehr in Wolfratshausen stattfinden? Ist eine Radfahrer-App sinnvoll? Fehlen überdachte Radständer in der Marktstraße? Über diese und andere Fragen diskutierten am Freitagabend im Sitzungssaal des Rathauses der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Stadträte sowie Vertreter der Polizei, der Energiewende Oberland, des Bauamts und des Werbekreises Wolfratshausen.

„Schutzstreifen sind nur eine Notlösung“

Vor neun Jahren hat der Stadtrat die Gründung einer Projektgruppe beschlossen, die seither Jahr für Jahr Radroutenkonzepte ausarbeitet und schon einige Verbesserungen durchgesetzt hat. Radverkehrsbeauftragte Susanne Leonhard vom Bauamt, die diese Initiative leitet, verwies unter anderem auf die Fußgängerampel und die Querungshilfe an der viel befahrenen Königsdorfer Straße sowie den Schutzstreifen an der Pfaffenrieder Straße. Dass diese etwa 1,50 Meter breiten Spuren auch an anderen Stellen wünschenswert seien, darüber war sich die große Mehrheit der Workshop-Teilnehmer einig. Noch in diesem Jahr soll ein Schutzstreifen am Moosbauerweg markiert werden.

Etwa zwei Dutzend Interessierte beteiligten sich an dem Workshop des ADFC zum Thema Verkehrswende.

Zudem sind laut Leonhard eine Aufweitung des Rad- und Fußgängerwegs an der Sauerlacher Straße zwischen Friedhofskreuzung und der Einmündung Auf der Haid sowie ein einseitiger Schutzstreifen auf der Sauerlacher Straße in Fahrtrichtung stadtauswärts geplant. „Schutzstreifen sind zwar nur eine Notlösung“, räumte Verkehrsexperte Thomas Kirchhammer vom ADFC-Bundesverband ein. „Sie bewirken aber, dass Autofahrer mehr auf Radfahrer achten“, schickte er hinterher.

Toni Lechner, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen, sieht das genauso. Ebenso wie Susanne Leonhard radelt er bei nahezu jedem Wetter zu seinem Arbeitsplatz und rief zu gegenseitigem Verständnis auf.

Für Autofahrer schwerer, für Radfahrer einfacher

Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller vertrat die Auffassung, dass „man es den Autofahrern an einigen Stellen schwerer machen müsse, um es den Radfahrern einfacher zu machen“. So sollte man den motorisierten Verkehrsteilnehmern das direkte Halten vor den Geschäften nicht immer erlauben, um dort eventuell Fahrradabstellflächen freizuhalten. Seine Frau Ingrid, Vorsitzende des Werbekreises Wolfratshausen, bemängelte in diesem Zusammenhang, dass die Radstangen in der Marktstraße nicht ausreichten. „Es muss Spaß machen, mit dem Rad in die Stadt zu fahren“, forderte sie.

Auf einstimmige Ablehnung stieß die Erhebung von Radverkehrsdaten mittels einer Smartphone-App. „In einer Kleinstadt wie Wolfratshausen ist so etwas nicht nötig“, sagte Karlheinz Rau.

Im April werden die Schwachpunkte unter die Lupe genommen 

Stadtmanager Dr. Stefan Werner, der den Workshop moderierte, bat abschließend um weitere Anregungen zur Umsetzung einer Verkehrswende und hatte danach viele Zettel auf ein Täfelchen zu kleben. So zum Beispiel die Forderung nach einer Asphaltierung des Loisachradwegs, die Umwidmung der Karwendel- und Wettersteinstraße in eine Radfahrerzone sowie die von Kulturreferent Alfred Fraas vorgeschlagene städtische Förderung von Lasten-Pedelecs für Kleinunternehmen.

Am Ende zog Radverkehrsbeauftragte Susanne Leonhard ein rundum positives Fazit des Workshops, der im Rahmen des „Klimafrühlings Oberland“ von den beiden Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen veranstaltet wurde. „Mir hat es sehr viel gebracht“, so Leonhard. Schon im April werden die Schwachpunkte in der Loisachstadt in Form einer „Hauptbereisung“ von Vertretern des Landratsamtes, des Staatlichen Bauamts, der Polizei und des ADFC genauer unter die Lupe genommen.

Zettelwirtschaft: Stadtmanager Dr. Stefan Werner notierte die Anregungen auf Zetteln und klebte sie an eine Tafel. 

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