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Frisches Gemüse: Die neue Vorsitzende der Tafel, Ingrid Geiger. 

Die Neue Vorsitzende im Porträt

Ingrid Geiger ist infiziert mit dem Tafel-Virus

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Peter Grooten war immer für die Tafel im Einsatz. Nach seinem Tod will die neue Vorsitzende Ingrid Geiger sein Werk fortführen. Das Zeug dazu hat sie: Sie ist seit vier Jahren mit dem Tafel-Virus infiziert. Und das lässt einen nicht mehr los.

Geretsried/Wolfratshausen – Karotten und Kiwis sind schon im Regal an der Wand drapiert, der Käse liegt in der Kühltheke. Fünf Frauen sind an diesem Montagnachmittag damit beschäftigt, die Waren ansprechend anzuordnen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum einer Packung mit Geräuchertem ist deutlich überschritten. Ob es trotzdem ausgegeben werden soll? Das muss die Chefin entscheiden. „Ja, aber wir weisen den Kunden darauf hin“, sagt die Chefin zu den Verteilerinnen.

Ingrid Geiger, 43, steht mitten im Gewusel, dort wo sie sich wohlfühlt. Vor vier Jahren hat sie hier angefangen. Sie saß als Beifahrerin im Auto, wenn die Lebensmittel eingesammelt wurden. Sie hat sie mit ausgeladen, die Ware in die Regale sortiert und natürlich an die Kunden ausgegeben. Sie hat aufgepasst, dass es für alle reicht. Sie weiß, dass sich Familien über die große Packung Nudeln freuen und Senioren über einen Blumenstrauß fürs Grab. „Wenn einen einmal das Tafel-Virus gepackt hat, dann wird man es nicht mehr los“, sagt sie.

„Das ist Peters Werk“

Geiger wurde nach dem Tod von Peter Grooten zur Vorsitzenden der Tafel Geretsried-Wolfratshausen gewählt. Sie tritt in große Fußstapfen und übernimmt viel Verantwortung. Grooten hat den Verein gut organisiert und strukturiert – 80 Ehrenamtliche und über 25 Lebensmittelhändler versorgen bis zu 800 Kunden. Die Tafel ist als Institution in Geretsried und Wolfratshausen angesehen. „Das ist Peters Werk.“

Die gelernte Industrieelektronikerin arbeitet 30 Wochenstunden bei der Firma Gersys in Wolfratshausen. Als ihre beiden Söhne aus dem Gröbsten raus waren, suchte Geiger nach einer neuen Aufgabe. „Ich wollte etwas machen, wovon auch andere etwas haben“, erinnert sie sich. Die Tafel passte perfekt. „Wir sparen Ressourcen, wenn Lebensmittel nicht im Container landen und helfen, das Leben von Menschen etwas leichter zu machen.“

Viel Dankbarkeit kommt zurück

In ihrer Freizeit verbringt sie bis zu 15 Stunden die Woche bei der Tafel. Als Chefin könnte das noch mehr werden. Doch Geiger macht nicht viel Aufhebens darum. „Für mich ist das ein Ausgleich, das tut mir gut“, sagt sie. Sie sehe ihr eigenes Leben in einem anderen Licht, seit sie miterlebt, wie es manchen Menschen geht. Und umsonst ist das Ehrenamt der vielen Helfer nicht. „Wir bekommen sehr viel Dankbarkeit zurück.“ Das treibt an.

Zeit für eine Übergabe blieb nicht. Die Wolfratshauserin arbeitet sich in alles ein – da kommen Fragen der Versicherung auf, in Sachen Lebensmittelsicherheit gibt es immer wieder Neuerungen. Und Geiger ist nun erste Ansprechpartnerin für alle Kunden. Künftig will sie besonders ein Auge auf die älteren Mitmenschen haben, die Scheu haben, zur Tafel zu kommen. „Sie haben ihr Leben lang gearbeitet, und manchen bleibt im Alter trotzdem wenig Geld. Das geht gar nicht“, sagt die 43-Jährige.

Inzwischen ist der Warteraum an der Jeschkenstraße gut gefüllt. Bald dürfen die ersten Kunden zu den sorgfältig verlesenen Waren. Dass Geiger als Vorsitzende nicht mehr fest mit verteilen kann, findet sie nicht schlimm. Sie behält alles im Blick, springt ein, wo Hilfe gebraucht wird. Und zwischendrin nimmt sie sich immer ein bisschen Zeit, um sich mit den Kunden zu unterhalten. Sie sind der neuen Tafel-Chefin sehr ans Herz gewachsen. Und sie sind der Grund, warum Ingrid Geiger dafür sorgen will, dass die Tafel Geretsried-Wolfratshausen auf dem hohen Niveau bleibt, auf das Peter Grooten den Verein gebracht hat.

Fahrdienst

Dank der Unterstützung des Malteser-Hilfsdienstes kann die Tafel wieder einen Fahrdienst für Kunden anbieten, die nicht mehr so fit sind und nicht eigenständig zu den Ausgabestellen kommen können. Informationen dazu gibt es bei Ingrid Geiger, Telefonnummer 01 51/ 20 53 03 00.

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