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Fair sein lohnt sich: Dr. Ulrike Krischke (li.) tauscht sich am Iloga-Stand der Steuerungsgruppe mit einer Besucherin aus.

„Es ist noch Luft nach oben“

Interview: So arbeitet die Fairtrade-Gruppe

Wolfratshausen – Stadträtin Dr. Ulrike Krischke spricht im Interview über die Arbeit der Fairtrade-Gruppe und das veränderte Bewusstsein bei den Menschen.

Das Logo ist nicht auffällig. Wer aber genau hinschaut, findet es bereits an vielen Stellen in Wolfratshausen. Die Rede ist vom Fairtrade-Siegel, das Artikel und Produkte erhalten, bei deren Erzeugung Wert auf Ressourcenschonung, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen gelegt wird. In der Loisachstadt schaut eine Frau besonders genau nach diesem Siegel: Stadträtin Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung). Sie ist Vorsitzende der Wolfratshauser Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt, die sich seit über einem halben Jahr für fairen Handel in Wolfratshausen einsetzt. Mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein sprach Krischke über das derzeitige Angebot, moralisches Einkaufsverhalten und die weiteren Pläne der Steuerungsgruppe.

-Frau Krischke, wie fair ist Wolfratshausens Handel?

Wir haben für den Einkaufsführer die Händler und Restaurants im Bereich der Innenstadt geprüft. Die, die faire Produkte anbieten, werden darin nämlich gekennzeichnet. Ich kann sagen: Es ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Wir haben derzeit etwa zehn Unternehmen in diesem Bereich, die in ihrem Sortiment fair gehandelte Artikel haben. Auf die Menge der gesamten Anbieter in der Innenstadt gerechnet ist das bisher nur ein kleiner Prozentsatz. Als nächstes wollen wir die Unternehmen im übrigen Stadtbereich auflisten.

-Wie wollen Sie weitere Unternehmer dazu bewegen, dem positiven Beispiel zu folgen?

Wir werden versuchen, den Wolfratshauser Unternehmern und Kunden die Vorteile von Fair-Trade-Produkten näher zu bringen. Zuletzt haben wir das mit einem Stand auf der Iloga getan, der gut angenommen wurde. Dort haben wir über die Firma Nager IT aus Bichl informiert, die faire Computermäuse herstellt, aber auch Produkte des Weltladens vorgestellt.

-Was sind die Vorteile?

Es geht um Fragen des ethischen Handelns und der Moral. Ich denke, dass viele Händler ein Interesse daran haben, dass sie und die Kunden wissen, dass bei den Artikeln auf Umweltschutz, Ressourcenschonung und die Arbeitsbedingungen geachtet wird, unter denen sie hergestellt werden. Es dreht sich vor allem um Nachhaltigkeit.

-Das Siegel „Fairtrade“ bedeutet für viele Kunden aber auch höhere Preise. Ist das für einen Unternehmer nicht ein Totschlagargument?

Der Preis ist ein Argument, das ist richtig. Das ist jedoch nicht alles. Werte wie faire Arbeitsbedingungen können nicht nur durch Preisdumping erreicht werden. Außerdem ist es auch so, dass der Konsument mit seinem Einkaufsverhalten Einfluss auf das Angebot hat. Und ich bin sehr froh, dass vielen Kunden inzwischen bewusst ist und immer mehr Kunden bewusst wird, dass ein moralisches Verhalten auch beim Einkaufen wichtig ist. Für viele steht nicht mehr alleine im Vordergrund, dass die gekauften Waren möglichst billig sind, sondern auch ökologisch sinnvoll und unter vertretbaren Arbeitsbedingungen erzeugt wurden. Das bemerken inzwischen auch viele Händler.

-Woran machen Sie das fest?

Im Modebereich ist das Bewusstsein schon weit. Nach den Betriebsbränden in Bangladesh vor wenigen Jahren wurden die katastrophalen Arbeitsbedingungen dort erst in den Fokus des Interesses gerückt. Anders ist es in der Elektrobranche.

-Was sind die nächsten Pläne der Steuerungsgruppe?

Wir wollen auf die örtlichen Unternehmer zugehen. Wie und in welcher Form besprechen wir noch. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass wir Schulen oder Jugendgruppen in den Fokus nehmen. Ein Projekttag an einer Schule oder eine Unterrichtsstunde zu dem Thema in Konfirmations- oder Kommunionsgruppen sind denkbar.

-Sie sagen: Wolfratshausen hat Luft nach oben, Bad Tölz ist bereits Fairtrade-Town. Blicken Sie neidisch in den Süden?

Nein, neidisch bin ich gar nicht. Städte wie Bad Tölz können für uns viel mehr als Vorbild dienen. Wir können uns von dort und anderen Fairtrade-Städten viele wertvolle Anregungen und Ideen abschauen. Ich bin sehr froh, dass der faire Handel in anderen Kommunen bereits so großartig funktioniert.

dst

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