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Herausforderung für Wolfratshausen: Geograf Christian Hörmann (li.) sprach beim 23. Immobilienforum im Foyer der Loisachhalle darüber, wie Innenstädte wieder attraktiver werden können.

23. Immobilienforum in Wolfratshausen

Investor verspricht Leuchtturmprojekt mit Sogwirkung für Wolfratshausen

„Innenstädte unter Druck“: Unter diesem Motto stand das 23. Immobilienforum in Wolfratshausen. Viele Fragen drehten sich um das ehemalige Isar-Kaufhaus.

Wolfratshausen Die Bauruine in der Altstadt (Stichwort ehemaliges Isar-Kaufhaus), mehr als ein Dutzend Leerstände, zu wenig Aufenthaltsqualität: Unter der Überschrift „Innenstädte unter Druck“ befasste sich das 23. Immobilienforum der Firma Schneider & Prell Immobilientreuhand AG am Donnerstag im Loisachhallen-Foyer mit der Zukunft der Innenstadt. Ob die Lage bedenklich, gar dramatisch ist, oder ob aus Wolfratshausen (wieder) ein Wohlfühl-Ort werden kann, darüber gingen die Meinungen in der Podiumsdiskussion auseinander.

Die unterschiedlichen Standpunkte vertraten Gastgeber Peter Schneider, Geschäftsführer von Schneider und Prell, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Dr. Harald Mosler, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Untermarkt 7-11 GmbH, sowie Christian Hörmann, Mitarbeiter der Cima-Städteberatung. Moderiert wurde der Abend von Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur.

Aller Augen richten sich im Moment auf den Schandfleck am Untermarkt 7-11. Wegen Nachbarklagen kann der Abbruch des Gebäudes derzeit nicht fortgeführt werden. Doch im geplanten Neubau eines Geschäfts- und Wohnhauses an der Stelle sehen die Stadtverantwortlichen einen „Leuchtturm-Effekt“ für die Entwicklung und Belebung des Umfelds. Rechtsanwalt Dr. Mosler sagte, das aktuelle Problem sei die „mangelnde Leistungsfähigkeit der Gerichte“– sprich, die Klagen der Nachbarn würden nicht bearbeitet. Teils würden sie seit Januar 2018 beim Münchner Verwaltungsgericht liegen. Ein vorübergehender Rückbau der Baustelle ließe sich jedoch nicht so einfach bewerkstelligen, erklärte Mosler. „Wir hoffen einfach, dass wir in Kürze weitermachen können.“ Bürgermeister Heilinglechner, der als Mediator zwischen Bauherren und Nachbarn vermittelt, betonte, die Stadt sei nicht Herrin des Verfahrens. Er hoffe auf eine außergerichtliche Einigung.

Drogeriemarkt Müller als Ankermieter

Schneider verspricht sich eine „Sogwirkung“, die von dem neuen Gebäude mit dem Drogeriemarkt Müller als Ankermieter ausgehen würde. Der Immobilienmakler machte deutlich, dass ihn die von ihm gezählten 14 Leerstände in der Innenstadt „alarmieren“. Im Geretsrieder Zentrum, wo die Großbaustelle gerade allen Einzelhändlern das Leben schwer mache, stehe nur ein Laden leer. Schneider bewertet die Situation in Wolfratshausen als durchaus „dramatisch“. Er berichtete, dass es zwar Mietinteressenten wie einen Kaffeeröster und einen Fischhändler gegeben habe, dass diese aber nach Besuchen der Loisachstadt mit dem Urteil „Hier dümpelt es so vor sich hin“ wieder abgesprungen seien. Ein altbekanntes Problem für Mieter sei zudem der Denkmalschutz.

Für Bürgermeister Heilinglechner und Cima-Mitarbeiter Hörmann ist das Schwarzmalerei. Hörmann sagte, ein echter Grund zur Sorge bestehe erst ab einem Leerstand von mehr als 30 Prozent und „wenn jeder zweite Laden eine Döner-Bude oder eine Spielhalle“ seien. Der Rathauschef verwies auf die Ideen aus der Bürgerbeteiligung, die 2022 realisiert werden sollten. Die Bundesstraße werde abgesenkt und verschwenkt, sodass das Autofahren weniger attraktiv werde. Gleichzeitig entstünden mehr Aufenthaltsqualität und „mehr Wohnzimmer-Charakter“ im Markt.

Schneider überzeugten weder die drei Jahre Wartezeit auf diese Verbesserungen noch die Maßnahmen selber. „Die Straße zu verschwenken kann’s in meinen Augen nicht sein“, meinte er unter dem Applaus der Zuhörer. Auf der anderen Seite lobte der Makler das Potenzial, das die Stadt habe. Geschäfte wie die Schokoladenmanufaktur etwa würden brummen. Davon bräuchte es mehr, dann wäre Wolfratshausen als Einkaufsstadt „sensationell“.

Warum nicht H&M in der Innenstadt?

Dazu könnte auch die Bebauung des Kraft-Areals beitragen. Laut Mosler erwartet Investor Scherbaum den Satzungsbeschluss für das Vorhaben in absehbarer Zeit. Im Anschluss könne mit dem Bau eines Edeka-Marktes sowie den 100 Wohnungen, davon 30 öffentlich gefördert, begonnen werden.

Mosler plauderte auf Nachfrage des Moderators aus dem Nähkästchen, dass der von vielen gewünschte Media-Markt nicht gekommen sei, weil er befürchtet habe, dass sich eines Tages im Gewerbegebiet ein Konkurrent ansiedeln könnte. Die Modekette H&M, ein Wunschkandidat fürs Isar-Kaufhaus, schließe nur Drei-Jahres-Verträge ab und zahle Miete abhängig vom Umsatz. Darauf habe sich die Projektgesellschaft nicht einlassen wollen. tal

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