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Gott und die Welt 

Gedanken zum Frühling

In der neuen Folge von „Gott und die Welt“ macht sich Irmgard Huber, katholische Referentin für Frauenpastoral, zum Frühling Gedanken.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Frühling schickt seine ersten Boten: die Primelchen. Der Name ist Programm: Primula veris – kleine Erste des Frühlings. Anders als bei den hochgezüchteten kunterbunten Pflänzchen, die schon seit Wochen überall zum Kauf angeboten werden, hat die wilde Primel hängende, gelbe Blütenköpfchen, die aussehen, als hätten sie die zarten Strahlen der Frühlingssonne gebündelt.

Irmgard Huber ist katholische Referentin für Frauenpastoral.

Und weil Goldgelb seit jeher mit dem Göttlichen verbunden wurde, verehrten schon die Kelten und Germanen die Primelchen als Frühlingsgruß aus dem Jenseits. Gelb steht aber auch für Licht und Wärme, weshalb die Primel der nordischen Göttin Frigg geweiht war, die neben der Harmonie in Ehe und Familie als Hüterin des Feuers galt.

Auch in christlicher Vorstellung bleibt das Blümchen zunächst in Frauenhand: Erinnern die Stängel mit den Blüten nicht ein wenig an Schlüssel? Schlüsselblume, Himmelsschlüsselchen oder auch Frauenschlössli, wie die Primel in manchen Gegenden genannt wird, taucht nicht nur in alten Sagen im Zusammenhang mit Jungfrauen auf (den Frauen, deren Schoß noch verschlossen ist). Auch Maria als die Höchste aller Jungfrauen erhält das Blümchen beigeordnet.

Achten Sie bei Paradiesgarten-Darstellungen einmal auf Pflanzen, die zu Füßen der Madonna blühen. Immer werden Sie die gelben Himmelsschlüsselchen entdecken. Schließlich öffnet sich das Himmelstor durch die Geburt des Heilands aus ihrem jungfräulichen Schoß – so die alte Lehre.

Der Name Petersblume verweist jedoch auf den Hüter der Himmelsschlüssel: Der Heilige Petrus soll einst vor Schreck über das Gerücht, es seien Nachschlüssel fürs Paradies in Umlauf, seinen Schlüsselbund fallen gelassen haben. Der nacheilende Engel war zu langsam, aber dank himmlischer Mächte sollen sich die Schlüssel, auf der Erde angekommen, in unscheinbare Blümchen verwandelt haben.

Hildegard von Bingen ließ sich nicht zum Erzählen blumiger Legenden inspirieren, dafür zur Nutzung der Heilkraft: Die Primel helfe, die Melancholie zu vertreiben, weil sie mit der in ihr wirkenden Kraft der Sonne auch die Trostlosigkeit des Winters vertreiben könne.

Wie einst bei den keltischen Druiden waren Blüten und Blätter in der Klostermedizin wichtige Zutat für heilsame Tränklein und Tinkturen, eingesetzt gegen Gicht und Lähmungen, zur Förderung der Wundheilung – und zur Erhaltung jugendlicher Schönheit. Bis heute sind Extrakte der Pflanze wegen der ätherischen Öle in schleimlösenden Medikamenten zu finden. Die frischen, jungen Blättchen können außerdem als gesunde Salatkräuter dienen.

Aber Vorsicht, im Übermaß verzehrt kann eine reizende Wirkung auf die Magenschleimhaut zu spüren sein. Und nicht wenige Menschen reagieren sogar allergisch. Ihnen sei zum Trost gesagt, dass auch der froh machende Anblick der kleinen Prächtigen im Freien die Stimmung hebt. Und ein Lächeln im Gesicht macht auf jeden Fall schön.

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