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Otto-Ernst Holthaus in seinem Atelier. Früher hat er vorwiegend Aquarellbilder gemalt, inzwischen arbeitet er auch mit Ölfarben. Auch den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer – einen guten Bekannten – hat er portraitiert (Bild hinten rechts)

Herzlichen Glückwunsch!

Isar-Kaufhaus-Gründer Otto-Ernst Holthaus feiert 85.

Wolfratshausen/Grünwald - Herzlichen Glückwunsch: Otto-Ernst Holthaus, der Gründer der Isar-Kaufhäuser, hat seinen 85. Geburtstag gefeiert. Wir haben ihn besucht.

Numquam otiosus – niemals untätig: das sei, sagt Otto-Ernst Holthaus, sein Lebensmotto. Er hat sich eisern dran gehalten. War nicht nur ein erfolgreicher Kaufmann in Wolfratshausen und Geretsried, der sich nie mit dem Erreichten zufrieden gab. Sondern hat sich zudem vielfach gesellschaftlich engagiert – wobei ihm das größte Anliegen war, für die Demokratie einzutreten. Und zu erinnern an die Gräuel, die in Deutschland verübt worden sind während der NS-Diktatur. Diesen Sonntag wird der Grünwalder, der mit vier Jahren in die Gemeinde gekommen ist, 85 Jahre alt.

Die Lebensgeschichte ist spannend

Immer wieder hat es erzählt: wie er in den letzten Kriegstagen als 14-Jähriger auf der Straße eine heiße Brühe, die man nur mit gutem Willen als Kaffee bezeichnen konnte, verteilt hat an die Soldaten und Flüchtlinge, die vorbeigekommen sind am Elternhaus. Wie sich dann eines Tages plötzlich dieser Zug von Elendsgestalten durch die Gemeinde schleppte, Richtung Süden. Wie er heimgeflitzt ist, sich an Essbarem in die Taschen gestopft hat, was auf die Schnelle zu finden war. Und wie er das dann verteilt hat an die Menschen mit den ausgemergelten Gesichtern, die ihm nie mehr aus dem Kopf gehen sollten. Später hat Otto-Ernst Holthaus sehr eingesetzt dafür, dass in den Gemeinden, durch die KZ-Häftlinge auf den verheerenden Todesmärschen vor den Alliierten hergetrieben worden sind, Mahnmale aufgestellt wurden. Auch in Grünwald wurde eine der Skulpturen errichtet, von denen die meisten der Bildhauer Hubertus von Pilgrim geschaffen hat. Holthaus hat sie gestiftet.

Man sitzt mit ihm an einem Vormittag in seinem hellen, großen Atelier im Untergeschoss des Hauses, in dem er auch aufgewachsen ist. Sep Ruf hat es entworfen. Vor zwölf Jahren, als er bei einer schweren Kehlkopf-Operation seine Stimme großenteils eingebüßt hat, fing Holthaus an zu malen. „Um andere Ausdrucksformen zu finden für mich.“ Gerade arbeitet er an drei Ölbildern gleichzeitig.

Holthaus entscheidet sich für die kaufmännische Ausbildung

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: die Einweihung des Isar-Kaufhauses in Wolfratshausen vor 50 Jahren. Kurz drauf erlebte sein Warentempel „einen Ansturm, wie Sie ihn sich heute nicht mehr vorstellen können“. Im Schnitt waren 800 Leute am Tag in seinem Geschäft. Dass sie bekamen, was sie brauchten: dafür sorgten 150 Mitarbeiter.

Im Gegensatz zu seinen Geschwistern, die beide studiert haben, machte Holthaus nach der Schule – er war zwei Jahre aufs Klosterinternat in Ettal gegangen – eine kaufmännische Ausbildung. Hängte eine Banklehre dran, ging ein Jahr nach Rom, zu einer Zeit, als noch kein Deutscher in Italien war und die Italiener keinen Wert darauf legten, dass Deutsche in ihr Land kamen. Er fühlte sich trotzdem wohl: „Man kann sich keinen vielseitigeren Beruf erträumen als den des Kaufmanns. Man hat es mit allen Branchen zu tun. Mit Werbung, mit Personalführung.“ Er war später noch viel im Ausland. Bis er 1962 heiratete und eine Familie gründete. Sich selbstständig machte. Mit den Isar-Kaufhäusern in Wolfratshausen (1966) und Geretsried (1972).
 
Man würde jetzt natürlich gern nette Geschichten hören von ihm, den Wolfratshausern und seinem Warenhaus, in dem „alles unter einem Dach“ zu haben war, was zum „täglichen Bedarf“ gehörte. Also alles außer Lebensmitteln. Aber Holthaus lässt sich nicht viel entlocken, zeigt nur ungern Fotos aus dieser Zeit Mitte der 1960er Jahre an der Marktstraße, in denen er seinen Konsumtempel stetig erweitert hat, bis er sich über drei Stadthäuser erstreckte. Manchmal ist es so zugegangen, dass die Wach- und Schließgesellschaft die Leute „nur schubweise“ einlassen konnte. Er bereitet nämlich gerade, weil sich die Eröffnung des Isar- Kaufhauses im Frühjahr zum 50. Mal jährt, einen Film zum Thema vor – und will keine Pointen vorwegnehmen. Lieber erzählt er, dass er lange am Drehbuch gefeilt hat: „Ich sag’ Ihnen, es ist leichter, einen Film anzuschauen als einen zu machen.“

Im Isar-Kaufhaus: "Kommen, Sehen, Staunen"

Ein paar lustige Details erfährt man dann aber doch. Dass die Wolfratshauser gemäß seinem Slogan „Kommen – Sehen – Staunen“ ziemlich perplex gewesen seien, als plötzlich in ihrer guten Stube Rolltreppen angeliefert und eingebaut wurden im größten Geschäft am Platz. Dass die Kinder den ganzen Tag auf diesen Rolltreppen, die vier Etagen und am Ende 3000 Quadratmeter miteinander verbanden, herumgefahren sind. Dass er auch Modenschauen veranstaltet hat in seinem Riesenladen, dass er dafür Profis vom Theater engagiert hat, dass er auch ein Flößermuseum eingerichtet hat unterm Dach, mit Gastronomie, dass er also schon sehr früh das Einkaufen zum Event erhoben hat.

Holthaus hat mehr gemacht als Kaufhäuser

Otto-Ernst Holthaus (re.) mit Max Streibl (Mi.), den er aus der Schulzeit in Ettal kannte, in Dachau. Streibl war der erste Ministerpräsident, der die Gedenkstätte besuchte – auf Anregung seines Schulfreundes.

Dabei hat Holthaus es ja nicht bei seinen Kaufhäusern belassen. Er baute in der Stadt an der Loisach auch eine Tennisanlage, auf der der Platz in der Stunde drei Mark gekostet hat (also sehr wenig), er machte eine Ski-Schule auf, er übernahm den Obi-Markt. Gleichzeitig war er aktiv bei den Rotariern, für die er fünf Clubs eröffnete. Er kämpfte für die Mahnmale, hielt Vorträge in Schulen und fuhr achtmal mit Jugendlichen nach Israel. Mit Max Mannheimer ist er gut bekannt – den Holocaust-Überlebenden hat er auch schon einmal portraitiert. Und in Mittenwald hat er den Musiksommer mitgegründet.
 
Auch wenn gut drei Jahren das Isar-Kaufhaus am Wolfratshauser Untermarkt nach einem öffentlichen Disput mit Gebäudeeigentümerin Angela Scheller schloss, auch wenn er die Filiale in Geretsried längst einem seiner Söhne überschrieben hat: untätig ist Holthaus deshalb noch lange nicht. Er malt ja jetzt, zwei Jahre lang hat er auch Häftlingen in Stadelheim Malunterricht gegeben. Zweimal in der Woche trifft er sich mit Freunden zum gemeinsamen künstlerischen Arbeiten.

Wie er den Geburtstag feiert? Mit Frau und Kindern. „In meinem Alter zählen nicht mehr die Jahre. Sondern Freunde und Familie.“

Von Andrea Kästle

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