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Bühnenspektakel: Das Ensemble der Tokyo Opera Association sang und spielte mit Herzblut in der Loisachhalle.

Japanische Werte

Planungschaos: Japanische Oper lockt kaum Besucher an

Die Tokyo Opera Association glänzt mit „Die Stadt im Himmel“  in der Loisachhalle. Aber nach dem Planungschaos kamen nur wenige Zuschauer.

Am späten Sonntagnachmittag herrschte auf den Wolfratshauser Parkplätzen gähnende Leere. Sehr untypisch in Anbetracht der Tatsache, dass die Tokyo Opera Association ab 17 Uhr die Oper „Die Stadt im Himmel“ zeigen sollte. Mit der Opernaufführung wollte man die Freundschaft zwischen den Städtepartnern Wolfratshausen und Iruma unterstreichen. Im Foyer unterhielten sich knapp 20 Menschen in Grüppchen und musterten gespannt den Eingang. „Im Vorverkauf sind nur 18 Karten verkauft worden“, sagte die Wolfratshauser Stadträtin Gerlinde Berchtold. Deshalb war die Halle nur bis zur Hälfte bestuhlt worden – und selbst diese Reihen waren bei Beginn noch nicht mal bis zur Hälfte besetzt. Der Grund für all das war das Chaos in der Planung (wir berichteten).

Hermann Paetzmann, der selbst einmal bei einem Stück von Edward Ishita, dem Leiter der in der Loisachstadt gastierenden Oper, mitspielen durfte, berichtete: „Edward wollte letztes Jahr schon in der Loisachhalle auftreten, aber da hat er zu kurzfristig Bescheid gesagt und sich damals für dieses Jahr angekündigt.“ Doch Ishita hatte sich dann ein Jahr lang nicht mehr gemeldet – bis er nach eigenen Angaben vor einem Monat die Wolfratshauser um Hilfe bat. Michael Homann, Finanzchef der Loisachhalle, erklärte: „Normalerweise gibt es bei jeder Veranstaltung einen Veranstalter, der sich um Dinge wie Werbung kümmert. Aber weil den diese Oper nicht hat, wurde auch keine Werbung gemacht, und niemand hat sich dafür zuständig gefühlt.“

Ex-Stadtrat und Ehrenbürger Irumas, Peter Struzyna, sah, wie die Sache drohte den Bach hinunterzugehen und schaltete sich ein. Er schrieb einen Brief an Dietlind Diepen, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, und bat sie im Sinne der Freundschaft zu Iruma, Werbung für die japanische Oper zu machen. Er erinnerte daran, dass die Japaner eine Flugzeit von elf Stunden auf sich nehmen und es doch furchtbar wäre, wenn sie dann eine leere Halle vorfinden würden. So schrieb Diepen eine Mail an alle Verteiler der Vereine, die jemals in Iruma zu Besuch waren, und forderte sie höflich dazu auf, doch bitte in die Oper zu kommen. Paetzmann druckte Plakate und machte Flyer. Doch all das passierte eben leider ein paar Monate zu spät, um mit einer ausverkauften Halle die Arbeit der japanischen Oper zu honorieren.

Die Wenigen, die gekommen waren, sahen eine japanische Glanzleistung. Ishita selbst hatte für sein Publikum in der Flößerstadt die Handlung ins Deutsche übersetzt und diese sowohl zu Beginn jeder neuen Szene an die Leinwand werfen lassen als auch dafür gesorgt, dass deutsche Programmzettel verteilt wurden. Zwar ist sein Deutsch nicht ganz fehlerfrei, dennoch konnte man verstehen, um was es ging.

Die Oper handelt von einem Kupferbergwerk in Besshi, das der Familie von Iba Teigo, den Ishita selbst spielte, gehört. Beim Abbau des Kupfers wurde lange Zeit Schwefelgas verwendet, was nicht nur die Natur zerstörte, sondern auch die Luft verunreinigte, wodurch viele Menschen krank wurden. Iba setzt sich letztendlich dafür ein, dass der Ausstoß von Schwefelgas in seiner Firma untersagt wird und verbessert die Arbeitsbedingungen der Bergwerksarbeiter. An seinem Sterbebett bittet er seine Kinder, den japanischen Geist an die nächste Generation weiterzugeben: „Ehrlichkeit, Demut, Transzendenz und Dankbarkeit für die große Natur.“

In dem Stück durfte auch ein Kinderchor mitwirken, der aus sieben Kindern, laut Ishita alle Sprösslinge von Mitwirkenden, bestand. „Der Jüngste ist gerade einmal zwei Jahre alt, und auch meine Enkelin singt mit.“ Man merkte den Kindern an, dass ihnen die Musik im Blut liegt. Am Schluss gab es für die wunderschöne Leistung der gesamten Truppe stehende Ovationen vom Wolfratshauser Publikum.

von Jessica Höck

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