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Es gibt immer etwas zu tun: Freiwillige Helfer um Partnerschaftsvereins-Chefin Dietlind Diepen (li.) pflegen den japanischen Garten an der Loisach, ein Geschenk der Freunde aus Fernost. 

Japanischer Garten

Pflegeintensive Idylle

Hobbygärtner des Partnerschaftsvereins Wolfratshausen-Iruma kümmern sich regelmäßig um den japanischen Garten. Im vergangenen Jahr schleppten sie 66 Säcke Grüngutabfall aus dem Gärtchen raus.

Wolfratshausen Dem Mann stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben. „Er ist nicht in Ohnmacht gefallen, aber ich glaube, er war kurz davor.“ Dietlind Diepen erinnert sich mit einem Schmunzeln an jenen Moment, in dem sie dem japanischen Delegationsleiter beim Besuch einer Gruppe aus der Partnerstadt Iruma zeigen wollte, was aus ihrem Geschenk zur Wolfratshauser 1000-Jahr-Feier geworden war. Der Herr habe beim Anblick der Bäume und Sträucher sichtlich um Fassung gerungen, ehe er ernst erklärte: „Wir haben euch einen Garten geschenkt, aber keinen Wald.“ Patsch! Diese Watschn tat weh. Damals, es muss im Jahr 2005 oder 2006 gewesen sein, hat Diepen gelernt: „Jede Pflanze soll erkennbar ihre Charakteristika und ihre natürliche Form behalten und nicht unkontrolliert wuchern.“ Seither nimmt es die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Iruma-Wolfratshausen mit der Pflege des japanischen Gartens sehr genau. Zwischen März und Oktober trifft sich die langjährige Stadträtin alle vier Wochen mit ihren freiwilligen Helfern, um in dem Kleinod am Loisachufer für Ordnung zu sorgen. „13 Leute stehen auf der Liste, sechs bis acht sind eigentlich immer da“, sagt die 79-Jährige, die an diesem Freitagmittag von den Eheleuten Veronika und Walter Daffner, Ingrid Roderer und Ursula Lukas unterstützt wird. Im Vorjahr verbrachten die Hobbygärtner insgesamt 126 Stunden mit der Pflanzenpflege, schleppten dabei 66 Säcke mit Grüngutabfall aus dem Gärtchen raus. „Wenn man das in Bauhofstunden umrechnet, haben wir der Stadt 5000 Euro gespart“, hat die Gartenchefin errechnet.

Ihre Hobbygärtner wissen ohne viele Worte, was zu tun ist. Unkraut zupfen, trockene Blätter aus den Farnen und dem Kriechwacholder entfernen, die Kieswege harken und die Platten säubern. „Die Steine müssen frei bleiben, darauf legen die Japaner großen Wert“, erläutert Diepen, während sie mit der Gartenschere kleine Äste zurückschneidet, die sich vorwitzig aus den kriechenden Zwergmispeln herauswinden. Der Buchs werde bewusst niedrig gehalten, „damit die Magnolien schön hervorkommen“, sagt Diepen. Sie freut sich, wenn sie am Park vorbeispaziert und sieht, dass er von den Wolfratshauser Bürgern angenommen wird. „Manche hocken mittags auf den Steinen zwischen den Pflanzen und lesen. Mütter schauen ihren Kindern zu, die im Bach spielen. Das hier ist für viele ein Ruhepunkt – wunderbar“, schwärmt Diepen.

Aber wehe, jemand stört mutwillig die Idylle. Dreck, vor allem in Form arglos in die Büsche geschnippter Zigarettenkippen, mögen sie und ihr Team gar nicht. „Aber die Sauberkeit ist besser geworden.“ Sogar „die großen Hinterlassenschaften“ der Hunde habe man im Lauf der Zeit in den Griff bekommen. „Aber sie pinkeln leider noch immer in die Büsche. Und der Urin ist so scharf, dass davon die Pflanzen kaputtgehen.“

Über den tieferen Sinn der Anlage wissen vermutlich nur wenige Bescheid. Diepen erklärt ihn: „Dies ist ein japanischer Landschaftsgarten. Er symbolisiert den lange währenden Fluss der Freundschaft. Kies und Wasser, die Steine, die ein Gebirge andeuten, die ganzen Pflanzen stellen den Naturkreislauf dar.“ Diese besondere Form zu erhalten, das sei ihre Aufgabe. Nur an den Ahorn und die japanischen Kiefern, die – wie auch die Steine – 2003 mit dem Schiff aus Japan hergeschafft worden sind, wagen sich die Hobbygärtner nicht heran. „Als wir das probiert haben, haben die Japaner geschimpft: Um Gottes Willen, der Baum geht ein“, erzählt Diepen und kann sich das Schmunzeln nicht verkneifen. Dafür sei eine besondere Schneidetechnik erforderlich, die in ihrem Team niemand beherrsche. „Deshalb machen unsere Freunde aus Iruma das alle paar Jahre selbst“, sagt Diepen. „Dann werden die Bäume immer radikal runtergeschnitten. Das schaut für Betrachter manchmal etwas krass aus.“

Rudi Stallein

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