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Meister des Jazz: Stefanie Boltz und ihr Bühnenpartner Sven Faller alias „Le Bang Bang“

Loisachhalle Wolfratshausen

Ungewöhnlich, mutig, jazzig

Wolfratshausen - Sichtlich unbeeindruckt von den lichten Reihen der Zuhörer am Freitagabend im Foyer der Wolfratshauser Loisachhalle präsentierte das Jazz-Duo „Le Bang Bang“ sein so ungewöhnliches wie mutiges Musik-Projekt in der Veranstaltungsreihe „Loisach Jazz“.

Seit fünf Jahren tritt die Münchner Jazz-Sängerin und Festivalmacherin Stefanie Boltz gemeinsam mit dem ebenfalls aus München stammenden Kontrabassisten Sven Faller als Duo „Le Bang Bang“ mit einem wunderbar puristischen Liedermix „ohne stilistische Vorbehalte“ auf. Das Projekt der beiden Jazz-Musiker ist so außergewöhnlich wie gewagt. Angefangen habe alles damit, dass beide in ihren alten Schallplatten- und CD-Sammlungen frühere Lieblingslieder aussuchten, um auszuprobieren, wie die klingen, „wenn wir sie erst einmal nackig ausgezogen haben“, sagte Boltz einmal. Was dann noch immer „gut rüberkommt, muss als Musikstück einfach von Grund auf gut sein“, ergänzte Faller. Aus diesem Bestand trafen sie für ihre Tournee eine ganz eigene Auswahl.

Zu hören bekamen somit die leider nicht sehr zahlreich erschienenen Zuhörer über zwei Stunden lang ein spannendes Programm, das neben Eigenkompositionen besondere Versionen von überwiegend bekannten Liedern aller Genres bot. So folgten – immer wieder unerwartet – beispielsweise große Jazz-Standards wie „Cheek To Cheek“ (in den 1930er Jahren von Fred Astaire berühmt gemacht) munter auf das The-Jackson-5-Frühwerk „I Want You Back“ oder den 1980er-Jahre-Wham-Hit „Wake Me Up Before You Go-Go“. Im Verlauf des Abends begeisterte sich das Publikum am Genuss nie gehörter Fassungen bekannter Beatles-Songs ebenso wie an der grunge-rockenden, im Original überlauten Jugendhymne „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana.

Neben der wandelbaren, kräftigen und wunderbar improvisierenden Stimme der großartigen Stefanie Boltz verwandelte Bassist Sven Faller sein Instrument mühelos und virtuos vom manchmal sacht akzentuiert begleitenden Viersaiter schlagartig hin zu einer Art Orchester mit melodiösen Tönen und beeindruckend rhythmischem Groove gleichzeitig. Kaum zu glauben, was mit einer derart minimalistischen Besetzung auf einer Bühne live und unverfälscht an zeitgenössischer Musik möglich ist. Faller garnierte das musikalische Erlebnis mit launigen Ansagen. Sein Humor glich die etwas sterile Atmosphäre im Foyer der Loisachhalle spielend aus.

Überaus erfreut nahmen Faller und seine Bühnenpartnerin den auch nach zwei Zugaben nicht enden wollenden Applaus entgegen und lobten das Wolfratshauser Publikum ausdrücklich: „Ihr klingt ja nach viel mehr Leuten, als Ihr seid.“ In Anlehnung an ihre einmal mehr an diesem Konzertabend ganz originelle, eigene Fassung des wunderbaren Billie-Holiday-Klassikers „God Bless The Child“ bleibt die Hoffnung, dass diese beiden musikalischen Meister des Jazz der Welt noch lange erhalten bleiben und sie bei ihren künftigen Auftritten auf deutlich mehr Publikum treffen mögen, als dies an der Loisach der Fall war.

tam

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