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„Tätowieren hat einen gewissen Suchtfaktor“ , bestätigt Thomas Meszaros (li.). Die meisten Kunden fangen mit einem kleinen Motiv an. Doch bei einem Tattoo bleibt es meist nicht. 

Erste Freundin ist nichts für die Ewigkeit

Jedes Bild ein Unikat: Ein Besuch beim Tätowierer

Der Frühling ist da. Die Temperaturen steigen – und lassen nach und nach Ärmel und Hosenbeine kürzer werden. Dadurch ist wieder mehr Haut zu sehen, und auch das eine oder andere Tattoo.

Wolfratshausen – Dabei sind die Körperbilder keineswegs nur in Großstädten wie München, Hamburg oder Berlin angesagt. „In Wolfratshausen sind Tattoos genauso etabliert – quer durch alle Altersklassen und Berufsbilder“, sagt Thomas Meszaros vom Tattoo- und Piercingstudios Newborn. Realistische Bilder liegen im Trend: „Egal, ob Auge, Schlange oder ein Gegenstand – alles soll so echt wie möglich aussehen.“ Außerdem ist der Stil der sogenannten Newschool sehr beliebt. „Das sind bunte, plakative Motive mit klaren Linien und Schattierungen“, erklärt der Tätowierer.

Ein Tattoo muss zum Körperbau passen

Seit Jahren modern sind kleinere Schriftzüge oder Symbole. Bei Frauen stehen momentan Lebensweisheiten, Traumfänger oder Federn hoch im Kurs, weiß der 30-Jährige. „Männer orientieren sich an Themen wie Seefahrt, Filmklassikern, Dschungel oder Tod und Verderben.“ Dass die Rollenklischees von harten Kerlen und sanften Frauen in seiner Branche oft zutreffen, bestätigt der Profi. Für das perfekte Bild bringen Tätowier-Willige oft Vorlagen mit, die sie im Internet gefunden haben. „Daraus machen wir ein individuelles Tattoo für den jeweiligen Kunden. Jedes Bild ist ein Unikat.“ Wichtig ist, dass die Leute persönlich vorbeikommen. „Ein Tattoo muss zum Körperbau passen. Ohne zu wissen, wie die Person aussieht, kann man kein Motiv entwerfen“, macht der Körperkünstler deutlich. Die Vorlieben der Kunden bewertet er nicht. „Tattoos sind immer absolute Geschmackssache. Aber bei rassistischen Motiven hört der Spaß auf.“

Manchmal müssen die Tätowierer an eine Binsenweisheit erinnern

Manchmal gibt es Leute, die zwar unbedingt ein Tattoo wollen, aber keinerlei Idee haben. Ihnen versuchen Meszaros und seine vier Kollegen eine Hilfestellung zu geben. Gegenüber dem Kunden bestehe eine gewisse Sorgfalts- und Aufklärungspflicht. „Wenn Dir Dein Pulli nicht mehr gefällt, ziehst Du ihn aus. Bei Tattoos geht das nicht so leicht.“ An diese Binsenweisheit muss der Tätowierer die Leute manchmal erinnern. Wer sich zum ersten Mal tätowieren lässt, könne sich von der Familie oder Erlebnissen, die einen besonderen Stellenwert im Leben haben, inspirieren lassen. Von Hobbys oder dem Namen der ersten Freundin raten die Profis allerding ab. „Wir wollen, dass der Kunde auch in 15 Jahren noch mit seiner Wahl zufrieden ist.“

Große Nachfrage nach Cover-Ups

Dass das nicht immer der Fall ist, merken die Tätowierer trotzdem oft: „Die Nachfrage nach Cover-Ups ist groß.“ Mit dieser Technik werden Jugendsünden durch neue Bilder überdeckt. „Tribals, Teufelchen, Rosen – Motive, die in den 1990er-Jahren der letzte Schrei waren, sind heute nicht mehr so gerne gesehen“, erklärt Meszaros. Trotz der Schmerzen, die das Stechen verursacht, ist für die meisten nach dem ersten Tattoo noch nicht Schluss. „Tätowieren hat einen gewissen Suchtfaktor.“

Von Magdalena Höcherl

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