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Rückenwind: Die Raiffeisenbank (Raiba) Isar-Loisachtal schob das geplante Surfwellen-Projekt mit einer Crowdfunding-Aktion kräftig an. Knapp 21 000 Euro Spenden kamen zusammen. Das Foto zeigt (v. li.) Raiba-Vorstandsmitglied Uwe Massong, die städtische Tourismusbeauftragte Gisela Gleißl, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, die Projekt-Initiatoren Marcus und Stefanie Kastner sowie Raiba-Marketingleiter Andreas Pentenrieder.

Heute Abend Info-Veranstaltung im Wirtshaus Flößerei

Jetzt gilt‘s: Machen die Wolfratshauser die Welle?

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Im Februar fällt der Stadtrat sein Urteil: „Surfwelle: Stop or Go?“ Heute Abend will der Verein „Surfing Wolfratshausen“ noch einmal unterstreichen, welche Vorteile das Projekt für die Flößerstadt hätte.

Wolfratshausen – Der Tag der Entscheidung rückt näher: Am 12. Februar fällt der Stadtrat in seiner ersten Sitzung im neuen Jahr sein Urteil zu der in Weidachgeplanten künstlichen Surfwelle. „Stop or go?“, hat die städtische Tourismusbeauftragte Gisela Gleißl den Tagesordnungspunkt formuliert. Der Verein „Surfing Wolfratshausen“ will an diesem Mittwoch noch einmal Überzeugungsarbeit leisten.

Das 2012 vom Ehepaar Stefanie und Marcus Kastner angestoßene Projekt steht wie berichtet auf Messers Schneide: Laut der Kostenberechnung des Wasserbau-Ingenieurs Dr. Roland Hoepffner (Büro Fichtner Water & Transportation) müssen knapp 675 000 Euro investiert werden – rund 265 000 Euro mehr, als in einer ersten Kostenschätzung prognostiziert worden waren.

Die Gegenrechnung: 60 000 Euro hat der Verein „Surfing Wolfratshausen“ gesammelt, 172 000 Euro Zuschuss gibt’s definitiv aus dem Leader-Förderprogramm der Europäischen Union, zusätzliche 110 000 Euro aus demselben Topf sind der Stadt laut Gleißl „in Aussicht gestellt“ worden. Die Signale, die die Leader-Aktionsgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen sende, seien „positiv“, berichtet Gleißl im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Stadt, so die Tourismusförderin, müsse unterm Strich 330 000 Euro für die Surfwelle auf den Tisch legen.

Der Fraktionschef der CSU, Günther Eibl, macht das Votum der Christsozialen davon abhängig, „ob alle relevanten Informationen zur Sitzung vorliegen“. Technische Details, Aussagen zur Haftung, ein unterschriftsreifer Vertrag mit dem Kraftwerksbetreiber in Weidach, die Baukostenaufstellung, Handwerkerangebote mit Preisbindung: „Das alles muss belastbar sein“, betont Eibl. Er hatte vor wenigen Tagen wie berichtet in der Mitgliederversammlung des CSU-Ortsverbands „Wunschkonzerten“ eine kategorische Absage erteilt. Das Konjunkturwachstum falle in den kommenden Jahren mutmaßlich geringer als bislang aus, das heiße, Einkommen- und Gewerbesteuereinnahmen würden weniger. Aus diesem Grund müsse sich die Kommune „wieder auf die Pflichtaufgaben konzentrieren“. An erster Stelle steht für den CSU-Fraktionsvorsitzenden „die Schulentwicklung in unserer Stadt“.

Zählt die Surfwelle zum Wunschkonzert? „Das kann ich heute nicht sagen“, antwortet Eibl. „Nochmals: Wir wollen alle Infos, wir wollen belastbare Zahlen.“ Dann erst könne man entscheiden, ob die Welle ein frommer Wunsch bleibt, oder auf der To-do-Liste landet.

Auch die anderen Stadtratsfraktionen haben sich noch nicht festgelegt. Josef Praller, Sprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), hatte die Kostenberechnung im Dezember als „Tiefschlag“ für das Projekt bezeichnet. Sein Fraktionskollege, Sportreferent Max Schwarz, steht hinter dem Vorhaben: „Ich glaube, dass die Welle eine tolle Bereicherung wäre. Ich persönlich stehe dem Ganzen sehr positiv gegenüber.“ Ein klares Votum für oder gegen die Welle erwartet Schwarz nicht. „Ich denke, dass sich einige wirklich den Kopf zerbrechen müssen, bevor sie sich festlegen.“

Fakt ist: Im Februar müssen die Räte entscheiden, „sonst gibt es in diesem Jahr keine Förderung aus den Leader-Töpfen“, erklärt Dr. Hans Schmidt, Fraktionssprecher der Grünen. Seine Fraktion werde sich die Entscheidung nicht leicht machen: „Da wohnen zwei Seelen in unserer Brust.“ Die Abwägung, ob eine zusätzliche Attraktion für die Stadt oder ein sparsamer Finanzkurs das schlagendere Argument ist, „müssen wir uns sehr gut überlegen“. Schmidt: „Man muss das mit den Sportvereinen vergleichen, die eine niedrigere Summe erhalten, aber viel mehr Jugendliche anziehen und betreuen.“ Außerdem: „Bei einem Pilotprojekt wie der Surfwelle ist es sehr schwer, vorab belastbare Zahlen zu ermitteln.“ Schmidt selbst sieht in der Surfwelle „ein unkalkulierbares finanzielles Risiko für die Stadt“.

SPD-Fraktionschef Fritz Meixner möchte sich vor der Abstimmung nicht im Detail äußern. „In unserer Fraktion haben wir uns noch keine Meinung gebildet“, sagt Meixner. „Auch ich selbst habe mich noch nicht endgültig positioniert.“

Der Verein „Surfing Wolfratshausen“ möchte an diesem Mittwoch noch einmal die Argumente, die für die künstliche Welle in der Loisachstadt sprechen, auflisten. Stefanie Kastner: „Wir wollen den Bürgern aufzeigen, dass das Geld gut investiert ist.“ An der Info-Veranstaltung um 19.30 Uhr im Wirtshaus Flößerei nehmen auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner sowie die Tourismusbeauftragte Gleißl teil.cce/dst

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