Auf dem Bauernhof aufgewachsen, auf den Bühnen zu Hause: Der Kabarettist Josef Hader aus Österreich. foto: bro-Archiv

Loisachhalle

Josef Hader: „Du musst machen, wofür Du brennst“

An diesem Donnerstagabend steht  Josef Hader auf der Bühne der Loisachhalle.  „Hader spielt Hader“, heißt sein Programm. Wir haben mit ihm über seinen Werdegang gesprochen.

Wolfratshausen– Er ist wieder da. Auf Einladung des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) kommt der Kabarettist, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Josef Hader (55) an diesem Donnerstag mit seinem Programm „Hader spielt Hader“ in die Loisachhalle. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Zuletzt war der Österreicher 2011 im Landkreis, auch damals in der Loisachhalle. Über seinen Werdegang, seine Erfolge und auch seine – wenigen – Niederlagen sprach Josef Hader mit Assunta Tammelleo.

Herr Hader, Sie sind seit zirka 34 Jahren freischaffender Künstler. Waren Sie als junger Mann besonders selbstbewusst oder was hat Sie dazu bewogen, keine solide Berufsausbildung zu machen oder nicht fertig zu studieren?

Josef Hader: Ich habe schon als Schüler für die Kunst gebrannt und unter anderem an der Schule Theater gespielt. Dann habe ich neben dem Studium damit begonnen, als Kabarettist zu arbeiten, bin in Niederösterreich in Wirtshäusern und in Fußgängerzonen aufgetreten, teilweise auch schon mit Soloprogramm. Meine Idee war damals, dass ich mir ein Jahr Zeit gebe, es nur mit Kabarett als Beruf zu versuchen. Nach dem Jahr hätte ich mich – wäre mir gar kein Erfolg beschieden gewesen – wieder dem Studium von Germanistik und Geschichte zugewandt. Dafür wäre es ja dann noch nicht zu spät gewesen. Aber mit der Kunst ging es ganz schön voran, und so war für mich nach einem Jahr klar, wohin der Weg geht.

Inwieweit ist Ihre Erziehung im Stift Melk prägend für Ihre Arbeit als Kabarettist gewesen?

Josef Hader: Ich bin auf einem Bauernhof, auch noch außerhalb der Dorfgemeinschaft, aufgewachsen, und wollte unbedingt auf ein Gymnasium. Das war in den 1970er Jahren in der Gegend, wo ich herstamme, nur über ein Internat möglich. So kam ich ins Internat im Stift Melk. Im Gegensatz zum Bauernhof gab es dort Kultur, Musik, Chor, Theater und unendlich viele Bücher. Mit meiner skeptischen Grundhaltung, die ich damals schon hatte, fühlte ich mich bis dahin alleine auf der Welt. Im Stift lasen wir unter anderem. die griechischen Philosophen im Original. Dabei habe ich gemerkt, dass es schon vor tausenden von Jahren skeptische Menschen gab, und dass ich mit meiner Grundhaltung überhaupt nicht alleine bin – eine wunderbare, wegweisende Erfahrung. Das Stiftsgymnasium Melk war in den 1970er Jahren eine liberale Insel im besten Sinn. Der Bauernsohn Hader wollte nur weg vom Land hinein in die Kultur, in die Kunst, und da habe ich es mit Melk hervorragend getroffen. Ob es ein Kompliment ist oder nicht: Diese katholische Schule, in der zur damaligen Zeit auch die Zweifler ihren Platz hatten, ist schuld an meinem Unglauben.

Welche Ihrer Charaktereigenschaften – neben Können, Talent und Fleiß – sind Ihrer Ansicht nach mit verantwortlich für Ihre künstlerischen Erfolge?

Josef Hader: Was mich anbelangt, so war mir immer die Kunst das Wichtigste. Es hat mich nicht interessiert, ob und wie viel Erfolg dabei herauskommt für mich. Erfolg habe ich nie direkt angestrebt, und das ist bis heute so. Eine weitere dienliche Charaktereigenschaft ist vermutlich meine Neigung, mich – so bald ich ein gutes Thema gefunden habe – hineinzuschrauben und richtig viel und lange daran zu arbeiten, obwohl ich ansonsten nicht grundsätzlich nur fleißig bin. Besonders selbstbewusst war ich als Schüler nicht und bin es bis heute auch nicht wirklich.

Im Gegensatz zu Sigi Zimmerschied, den Sie als ein kabarettistisches Vorbild bezeichnen, schreiben Sie nicht konsequent alle zwei Jahre ein komplett neues Kabarettprogramm. Gibt es dafür Gründe?

Josef Hader: Natürlich würde ich gerne noch viel mehr Kabarettprogramme schreiben. Dass dies – insbesondere auch in der letzten Zeit – nicht der Fall ist, liegt nicht daran, dass ich keine Ideen hätte. Es ist nur so, dass ich neben dem Kabarett zahlreiche Drehbücher verfasst und als Schauspieler in zahlreichen Filmen mitgewirkt habe. In „Wilde Maus“ habe ich nicht nur das Drehbuch geschrieben und die Hauptrolle übernommen, sondern auch Regie geführt. Auch der Auftritt in Wolfratshausen ist umringt von anderen Auftritten davor und danach. Dazu kommen Interview-Termine zu dem im März in Deutschland erscheinenden neuen Film „Arthur und Claire“ mit mir als Schauspieler, der teilweise auch in München gedreht worden ist, und bei dem ich einer der beiden Drehbuchautoren war.

In der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt sind Sie bereits vor knapp 20 Jahren aufgetreten. also in der Provinz hinter München sozusagen. Wissen Sie noch, wie es zu diesem ersten Auftritt kam?

Josef Hader: Das weiß ich noch sehr genau. Es war nach der Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises 1999 an die Biermösl Blosn. Irgendwie hat mehreren der anwesenden Künstler das Ambiente bei der Preisverleihung nicht so recht getaugt, und so haben insbesondere Gerhard Polt, der Hias Röttig (Anm. d. Red.: erster Wirt der Kulturbühne Hinterhalt und damals in der Jury zum Bayerischen Kabarettpreis) und ich beschlossen, noch irgendwo in Schwabing in ein nettes Lokal zu gehen. Bei dieser doch etwas länger andauernden Begegnung am späten Abend erzählte mir der Hias von seiner Bühne in Gelting, und ob ich da nicht einmal auftreten wolle. Und so haben wir das vereinbart, ohne besondere Konditionen und ohne, dass ich wusste, wie viele Leute überhaupt reinpassen. Als der Hias dann zum zehnjährigen Bestehen des Hinterhalts ein großes Zelt auf der Wiese davor aufstellen konnte, war ich wieder mit dabei. Zum 25-jährigen Jubiläum des Hinterhalts war ich dann in der Loisachhalle in Wolfratshausen.

Wenn Sie heute zurückblicken: Haben Sie gerade in den Anfangsjahren in Bezug auf Ihren beruflichen Erfolg irgendwann einmal die Zuversicht verloren?

Josef Hader: Im Allgemeinen zweifle ich relativ wenig an dem, was ich gemacht habe. Denn ich blicke nicht zurück, was war, weil das meiner Ansicht nach nichts bringt. Allerdings bin ich in der Gegenwart eher leicht zu verunsichern, aber das wirkt sich rückwirkend nicht aus. Grundsätzlich nehme ich mir nie Dinge vor, die ich nicht alleine erreichen kann. Somit verspüre ich zwar öfters Unsicherheit, aber keine allzu große Angst. Und letztlich bin ich noch nie vollkommen gescheitert.

Fühlen Sie sich als Künstler – mehr als andere Leute – verantwortlich, sich für die Verbesserung der gesellschaftlichen Zustände einzusetzen?

Josef Hader: Nein, das muss ich entschieden verneinen. Das würde ja eine Geringschätzung aller Bürger bedeuten. Als Bürger dieser Gesellschaft sind wir alle gleichermaßen aufgefordert, uns für die Gesellschaft einzusetzen und sollten dies auch immerzu tun.

Wie lässt sich Ihre Rolle als Familienvater – Sie haben zwei Söhne – mit all der Arbeit und den vielen Auswärtsterminen vereinbaren?

Josef Hader: Man scheitert selten vollkommen, aber sicherlich in manchen Dingen. Das betrifft mich in meiner Funktion als Vater. In der Tat begreife ich meine Leistung hier durchaus auch als Niederlage.

Wenn einer Ihrer Söhne Ihnen heute eröffnen würde, auch Künstler werden zu wollen. Was würden Sie ihm raten?

Josef Hader: Du musst machen, wofür Du brennst und was Du am liebsten tun willst. Ganz unabhängig davon bin ich der Ansicht, dass Kinder nicht dieselben Berufe ergreifen sollten wie ihre Väter. Ich bin schließlich auch nicht Bauer geworden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die mit den Hunden tanzt: Diese Frau unterrichtet „Dog-Dance“ in Geretsried
Auf dem Trainingsgelände des Hundesportvereins Königsdorf in Geretsried zeigen Vierbeiner ihr Können. Dazu zählt deutlich mehr als „Sitz“, „Platz“ und Stöckchenholen: …
Die mit den Hunden tanzt: Diese Frau unterrichtet „Dog-Dance“ in Geretsried
So holt Chris Böttcher Promis auf die Bühne
Auftakt der neuen Spielzeit im Dorfener Vereineheim: Musik-Comedian Chris Böttcher präsentiert sein neues Programm „Freischwimmer“.
So holt Chris Böttcher Promis auf die Bühne
Mercedes-Fahrer bringt BMW und Kia zum Kollidieren und flüchtet
Im Gemeindegebiet Egling ereignete sich am Freitag ein Unfall, bei dem eine 26-Jährige leicht verletzt wurde. Der Unfallverursacher flüchtete.
Mercedes-Fahrer bringt BMW und Kia zum Kollidieren und flüchtet
Nach Messerangriff auf Freund der Stieftochter: Wolfratshauser muss in Psychiatrie 
Ein Bierfahrer aus Wolfratshausen muss künftig in der Psychiatrie bleiben. Der Mann war daheim mit einem Messer auf den Freund seiner Stieftochter losgegangen. 
Nach Messerangriff auf Freund der Stieftochter: Wolfratshauser muss in Psychiatrie 

Kommentare