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Prächtige Stimmung auf dem roten Teppich: Regisseur Matthias Kiefersauer (3.v.li.) mit seinen Schauspielern beim Münchner Filmfest am Gasteig. 

Neue Komödie von Matthias Kiefersauer

Jubel um die „Falschen Siebziger“

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„Falsche Siebziger“: So heißt der neue Film des aus Waldram stammenden Regisseurs Matthias Kiefersauer. Bei der Premiere anlässlich des Filmfests johlte und juchzte das Publikum vor Vergnügen.

Wolfratshausen/München – Wo Matthias Kiefersauer (44) ist, ist der Fußball nicht weit. Er ist einer der wenigen deutschen Regisseure mit Trainer-Lizenz, und sein Lieblingssport liefert allerhand Stoff für seinen kreativen Kopf. Als es am Mittwochabend beim Münchner Filmfest darum ging, ein paar Worte zu seiner neuesten Komödie zu finden, kam er selbstverständlich aufs Kicken zu sprechen. „Komödien drehen ist wie für 1860 Fußball zu spielen“, sagte er auf der Bühne des voll besetzten Carl-Orff-Saals, nachdem das Publikum 90 Minuten lang gejohlt und applaudiert hatte. „Das internationale Geschäft ist weit weg, aber manchmal werden einem Abende wie dieser geschenkt.“

Der Film könnte irgendwo in Bayern spielen

Der gebürtige Waldramer war sichtlich glücklich über das Gelingen seines neuesten Werks „Falsche Siebziger“, eine böse Komödie über ein ernstes Thema: Armut. In gewisser Weise ist Kiefersauer, inzwischen bekennender Münchner, zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Er hat zwischen Isar und Loisach gedreht. Einige Szenen spielen in Bad Tölz, andere im Seilergassl in Wolfratshausen. Die meiste Zeit aber haben Kiefersauer und Crew in Münsing verbracht, genauer in Dörfel bei Holzhausen (Gemeinde Münsing). „Der Film könnte, vom sozialen Aspekt her, irgendwo in Bayern spielen“, sagt er. Tatsächlicher Schauplatz ist überwiegend das Ostufer des Starnberger Sees. Wobei sich in der Drehphase im Herbst 2016 ein Urlauber-Ehepaar von einem Requisit, einer fiktiven Haltestelle samt fiktivem Fahrplan, hat täuschen lassen. Die standen da und warteten auf den Bus. Der kam aber nicht. Fast schon wieder filmreif, die Szene.

Das Thema ist eigentlich ernst: Es geht um Armut

Das Drehbuch, das Kiefersauer zusammen mit Alexander Liegl geschrieben hat, hat es in sich. Drei Dorfbewohner (Sebastian Bezzel, Gerhard Wittmann, Kathrin von Steinburg) sind schwer getroffen, als ihre Eltern sterben. Allerdings weniger über ihr Ableben – das Verhältnis war nicht so toll –, als darüber, dass sie ihr Geld anderweitig vererbt/versprochen/verschleudert haben. Um nicht total leer auszugehen, engagieren sie Doppelgänger: Die sollen den Eindruck zu erwecken, die Senioren wären noch lebendig. Vielleicht lässt sich ja noch was deichseln... Der Versuch misslingt maximal, am Ende sind reichlich Tote zu beklagen, die allesamt in einem Salzstollen landen. Hinzu kommen liebestolle Pfarrer und gewalttätige Österreicher. Der abenteuerliche Rentenbetrug fliegt nur deshalb nicht auf, weil zwei wirkliche Mörder zuziehen (Gutmenschen aus der Stadt, natürlich, die immer rufen: „Hallo, Ihr Lieben“). Sie werden am Schluss gefasst. Und die Doppelgänger spielen weiter ihre Rollen, weil sie auf dem Dorf viel glücklicher sind als im Altenheim. Happy End also.

Die pinkfarbene Stretch-Limousine ist der Hit

Wer sich den Film anschaut, wird nicht nur die Landschaft wiedererkennen, sondern auch die Schauspieler. Sebastian Bezzel, Kathrin von Steinburg, Gerhard Wittmann, Gundi Ellert, Ilse Neubauer, Fred Stillkrauth: Sie sind das Who is who des neuen deutschen Films. Nicht zu vergessen der gebürtige Tölzer Stefan Murr, der sich eigens einen Schnurrbart hat wachsen lassen, um einen Autoverkäufer – es geht um eine pinke Stretch-Limousine – richtig schmierig rüberzubringen. Sie alle strömten am Mittwochabend auf die Filmfestbühne, Kiefersauer stellte sie einzeln vor, man umarmte sich. „Das war schon ein besonderer Moment für mich“, sagte er danach. „Zwischen alle den Künstlern zu stehen, die so wahnsinnig viel Herzblut reingegeben haben.“

Der Film läuft im Herbst im Fernsehen

Wer den Film auf Großleinwand sehen will, hat dazu noch an diesem Samstag, 12.30 Uhr, in der Hochschule für Fernsehen und Film die Gelegenheit. Wer das nicht schafft, muss sich bis in den Herbst gedulden. An einem Mittwochabend, vermutlich im September, werden die „Falschen Siebziger“ in der ARD laufen. Besteht nur die Gefahr, dass gleichzeitig Sport läuft, der Termin ist insofern gefährlich. An diesem Tag dürfte Matthias Kiefersauer einmal nicht Fußball schauen. Ausnahmsweise.

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