„Junge Generation nicht alleine lassen“: Klimademo in Wolfratshausen vereint alle Altersklassen

140 Aktivisten protestierten am Freitagnachmittag in Wolfratshausen. Ihre Forderungen sind klar: Es braucht mehr Tempo beim Klimaschutz.
Wolfratshausen – Mia Zaepernick hört oft dieselben Reaktionen, wenn sie von ihrem Engagement erzählt. Mülltrennung könne ja so viel nicht bringen. Und nur weil ein paar Leute auf Klimademos gehen, würde sich auch nichts ändern. „Der heutige Tag beweist mir das Gegenteil“, rief die 18-Jährige den rund 140 Menschen vor dem Marienplatz in der Altstadt zu. Das Wolfratshauser Bündnis „Wor for Future“ beteiligte sich am Freitagnachmittag am weltweiten Klimastreiktag. „Heute versammeln sich auf der ganzen Welt Menschen, die dafür kämpfen, eine bessere Zukunft zu haben“, rief Zaepernick in ihr Megaphon.
„Junge Generation nicht alleine lassen“: Klimademo in Wolfratshausen vereint alle Altersklassen
Einer davon ist Jan Reiners. Der Sprecher des Wolfratshauser Bündnisses sprach von einer „Katastrophe in Zeitlupe“, die die Welt aktuell erlebe. „Die Herausforderungen sind uns allen bewusst“, sagte seine Gattin, Maren Reiners. Und er: „Wir kennen die Lösungen, wie wir den Klimawandel aufhalten können, und ganz langsam gewinnen wir auch die Kämpfe, wenn es um die Klimapolitik geht.“ Das Problem: „Ganz langsam“ ist nicht schnell genug. „Uns läuft die Zeit weg.“ Die Teilnehmer am Wolfratshauser Klimastreik sahen das genauso. „Morgen ist zu spät“, stand auf einem Plakat aus Pappe.
Die Bandbreite der Forderungen ist groß: „Stop eating animals“ (hört auf, Tiere zu essen), „Kinder oder Kohle“, „Kluge Kommunen können Klimaschutz“. Vertreter aller Generationen reckten Schilder hoch. Eine Grundschülerin trug eines über den Altstadtring, eine Mutter, ihren Sohn an der Hand, und Menschen im Großeltern-Alter hatten auch welche dabei. Ein achtjähriges Mädchen verschenkte Pixibücher zum Thema Plastikmüll an andere Demonstranten. Was alle Altersklassen an diesem Tag einte: Die Angst vor dem Klimakollaps – und den Willen, etwas dagegen zu tun.
Klimaschutz in Wolfratshausen: Future-Bündnis äußert Forderungen
Dass genau dieser Altersmix wichtig ist, betonte die 18-jährige Zaepernick in ihrer Rede. Die Gesellschaft altere zunehmend in Deutschland. „Es ist umso wichtiger, dass unsere junge Generation, nicht mit den Problemen und den Folgen alleingelassen wird.“ Für keine Aussage an diesem Tag gab es so lauten Applaus. Auch das Ehepaar Reiners forderte die Anwesenden zum Handeln auf: „Es erfordert die Zusammenarbeit aller Bürger und Unternehmen in der Stadt. Jeder muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.“
Gemeinsam haben die Future-Aktivisten eine Vision für Wolfratshausen entworfen. Sie mussten die Ideen nicht erfinden – „es sind Lösungen, die in anderen Städten schon umgesetzt wurden“, erklärte Maren Reiners. Auf Flugblättern skizzierten die Teilnehmer ihre Vorstellung. Die Stadt soll demnach nicht nur klimaneutral werden – sondern sicherer, schöner, nachhaltiger, zukunftsfähiger.
Sicher, schön, nachhaltig - und klimaneutral: Aktivisten stellen Visionen vor
Kinder sollen „sicher zur Schule kommen“ – auf dem Rad, versteht sich. „Gerade bei uns in Wolfratshausen ist Radeln eine gefährliche Angelegenheit“, meinte Reiners, selbst Mutter. Die Stadt solle mehr Grünflächen erhalten – die eine bessere Luftqualität und Erholung für die Wolfratshauser böten. Auch an Hausfassaden, in Insellösungen oder als „Mikrowälder“ wünschen sich die Aktivisten mehr Grün. Finanziell würde sich laut Jan Reiners konsequenter Klimaschutz ebenfalls lohnen. „Aktuell bezahlen wir in Wolfratshausen gut 26 Millionen Euro für Strom und 13 Millionen Euro für Wärme.“ Ein Großteil dieser Gelder würde an Konzerne im Ausland fließen – statt an lokale Unternehmen, die vor Ort grüne Energie gewinnen könnten.
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Von ihrer Vision sind die Klimaschützer überzeugt. Sie möchten daran arbeiten, dass auch der Rest der Gesellschaft das künftig ist. „Wir müssen das Umdenken der Gesellschaft fördern, viel diskutieren und andere Menschen von unserer Meinung überzeugen“, so Zaepernik. Es funktioniere nur gemeinsam: „Wenn jeder ein kleines Stückchen Nachhaltigkeit beiträgt, erreichen wir zusammen einen großen Fortschritt.“ So antwortet die 18-Jährige auch, wenn sie die üblichen Äußerungen zu ihrem Engagement zu hören kriegt.



