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Sie sind der (halb)nackte Jodelwahnsinn: (v. li.) Josef Brustmann, Petra Amasreiter und Otto Göttler.

Digitale Moderne trifft bayerische Gemütlichkeit

Kabarett-Frühschoppen: Der Jodelwahnsinn dreht auf

Wolfratshausen – Der erste kabarettistische Frühschoppen der Stadt in der Loisachhalle kommt gut an. Der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ traf den Nerv des Publikums.

Das moderne Leben, nein, das ist nichts für die drei Musiker auf der Bühne. Ob Facebook, Fastfood, Germany’s Next Top Model oder SUV – das Trio lässt kein gutes Haar an den Erscheinungen des 21. Jahrhunderts. Mit ihrem Programm „Die Zeit ist reif“ treffen Josef Brustmann, Petra Amasreiter und Otto Göttler alias der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ den Nerv des überwiegend älteren Publikums.

Pünktlich um kurz vor zehn kommen die meisten von ihnen, um vor dem ersten „Kabarettistischen Frühschoppen“ der Stadt Wolfratshausen am Sonntag in der Loisachhalle gemütlich ein Paar Weißwürste oder eine Portion Obazda aus der Flößerei-Küche zu essen. Zwei Damen, die versuchen, sich eine Dreiviertelstunde nach Programmbeginn in den Saal zu schleichen, begrüßt Josef Brustmann laut: „Gell, Ihr habt’s gmoant, es ist scho Sommerzeit“.

Vom Sommer auf der Alm erzählt Jodelwahnsinn-Gründer Otto Göttler. Die Sennerin hat bei Aldi palettenweise billige H-Milch eingekauft. Abgefüllt in schöne Becher dreht sie diese den Preißn auf ihrer Hütte für das Zehnfache als frisch gemolkene Alpenmilch an. Dazu passend spielt Petra Amasreiter auf der Geige einen „Hyper Jodler“. In einem Lied heißt es: „I brauch nimmer fensterln, i bin ja auf Facebook, da hab i Kontakte scho g’nug“.

Humor und Poesie

Mit viel Humor und Zug, zwischendurch aber auch mal mit leiser Poesie, beleuchtet die Truppe das Zusammenprallen der modernen digitalen Welt mit bayerischer Tradition und Gemütlichkeit. Wunderbar bildlich kann sich der Zuschauer vorstellen, wie Josef Brustmann als Bua mit der Blechkanne zum Milchholen gelaufen ist. Um das Fuffzgerl zum Bezahlen nicht zu verlieren, legt er es in das Gefäß. Erst als die Bäuerin die Milch eingefüllt hat, fällt ihm das Geld wieder ein. „Macht doch nix“, sagt die gute Frau und fischt mit ihrer Stallarbeit-Hand nach der Münze. Unvorstellbar heute, wo alles hochpasteurisiert und am besten noch laktosefrei sein muss.

Einer von vielen begeisterten Zuschauern: Bürgermeister Klaus Heilinglechner spendiert stehende Ovationen.

Wie immer umfasst das Instrumentarium der drei Musiker so ziemlich alles, von der Ziehharmonika, die schon im Namen anklingt, über Zither und Kontrabass bis hin zur Ukulele. Aus dem Hause Brustmann stammen auch die drei Waldramer Sänger Tobias, Benedikt und Sebastian sowie Dominic Feichtner, die während der Pausen mit traditionell bairischer Volksmusik und humorvoll-hintersinngen Texten wie diesen unterhalten: „Oa moi is koa moi, (…), drei moi is a net zvui, wann’s Deandl wui“.
 
Kabarettistisch geht’s weiter mit Thomas „Rix“ Rottenbiller. Der 50-jährige Hochzeitslader und DJ aus Forstern ist Träger des Paulaner-Solo-Nachwuchspreises. Seine Tätigkeit als Alleinunterhalter bei Festen wie dem Jubiläum des Erdinger Hasenzüchtervereins oder der Promi-Hochzeit am Starnberger See bietet jede Menge dankbaren Stoff. Wunderbar äfft der Bayer den fränkischen und sächsischen Dialekt nach, etwa wenn die Tante der Braut aus dem Osten den „Thömas“ bittet, eine „Tömbola“ anzukündigen.

Neuauflage im nächsten Jahr

Doch auch mit ganz normalen Alltagssituationen bringt Rottenbiller die Zuschauer zum Lachen. Der selbst erklärte „Technik-Depp“ bittet die nette Dame vom Call-Center, ihm zu helfen, das Signal seines Sky-Receivers von „anal auf digital“ umzustellen. Nicht gerade respektvoll macht er sich über „d’Mama“ lustig, die „nach drei leichten Schlagerln“ halt manches vergisst. Besser kommt seine Nummer mit der Japanerin am Hauptbahnhof an, die ihn in ihrem lustigen Asiaten-Englisch nach dem Weg fragt, woraufhin er in nicht minder lustigem bayerischen Englisch verzweifelt zu antworten versucht. Den Frühschoppen-Besuchern in der fast vollen Loisachhalle hat der Vormittag gefallen – eine gute Voraussetzung für eine Fortsetzung des neuen Veranstaltungsformats. Die Stadt plant eine Wiederholung im nächsten Jahr.

von Tanja Lühr

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