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Fühlt sich in der Luft genauso wohl wie am Boden: Karl Ponradl (66) aus Waldram, hier als Schlepp-Pilot bei einem Wettbewerb in Königsdorf.

Besonderes Jubiläum für einen Segelflieger

Karl Ponradl, ein großer Luftikus

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Das nennt man eine große Leidenschaft: Seit 50 Jahren zieht Karl Ponradl seine Kreise im Luftraum über dem Oberland. Er liebt es einfach, wie ein Vogel zu fliegen. Das Segelflugzentrum Könisdorf verdankt ihm viel.

Waldram – Karl Ponradl kann sich an den 27. Mai 1967 sehr genau erinnern. An diesem Tag absolvierte er seinen ersten Schulungsflug. Er selbst saß im Cockpit eines Bergfalken mit dem Kennzeichen II D-1477, ein Lehrer hinter ihm – ganz wie bei einer Führerscheinprüfung. So drehte der junge Mann im Alter von 16 Jahren eine Runde über dem US-Fluggelände in Bad Tölz, über ihm der Himmel, unter ihm die Landschaft, die der gebürtige Lenggrieser so liebt. Es war für ihn der Anfang einer großen Leidenschaft.

Seitdem sind 50 Jahre vergangen. Die Luft ist immer noch Karl Ponradls bevorzugtes Element. „Diese Landschaft, diese Gotteswelt, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, sagt er. Die Jahreszeit, die er als Flieger besonders mag, ist der Winter, wegen der klaren Luft und wegen des Blicks hinab auf die Schneedecke. Die Witterung, die er bevorzugt, ist der Föhn. Er genießt es, wenn ihn die Thermik allmählich wie einen Vogel nach oben trägt – seine Höchstmarke liegt bei 5400 Metern. Dann ist Karl Ponradls Glück perfekt.

Die Anfänge des 66-jährigen Luftikus liegen in Bad Tölz. Dank seines Vaters, der zeitweise Segelflieger war, verbrachte der junge Karl viel Freizeit auf dem US-Fluggelände in Bad Tölz. Zeitweise nahm er seine Hausaufgaben mit und schaute nebenbei gebannt dem Treiben in der Luft zu. Im Alter von 14 Jahren war er zum ersten Mal Gast in einem Segelflugzeug. Nach der Landung war es um ihn geschehen, ein Leben ohne Fliegerei konnte und wollte er sich nicht mehr vorstellen. Es folgten 42 Schulstarts und der erste Alleinflug am 2. Juni 1968.

Auch der Luftrettungsstaffel gehört der Jubilar an

Die Zeit in Bad Tölz neigte sich langsam dem Ende zu. Nicht jeder amerikanische General war begeistert darüber, dass die Deutschen von hier aus so rege starteten. Also verlegte der Flugsportverein Bad Tölz, dem Ponradl bis heute angehört, seinen Sitz nach Königsdorf. 1982 weihte der Verein dort seine Halle ein. Seither ist der FSV Bad Tölz einer von sechs Vereinen, die am Segelflugzentrum ihre Heimat haben.

In Königsdorf pflegte Ponradl, der mit seiner Frau in Geretsried ein Massage-Studio betrieb, sein Hobby jahrzehntelang sehr intensiv. Mittlerweile stehen in seinem Flugbuch 3273 Flugstunden und mehr als 30 verschiedene Flugzeugtypen. Die Thermik reichte nur neun Mal nicht aus, um wieder nach Königsdorf zurückzukehren, sodass er auf einem freien Feld landen musste. Doch damit nicht genug. 2003 machte der Waldramer den Flugschein für Motorsegler, auch mit Schleppberechtigung für Segeflugzeuge. „Das macht mir großen Spaß“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Außerdem nimmt Ponradl seit Jahren bei den Königsdorfer Fliegerfesten Gäste mit in die Luft und lässt sie an der majestätischen Ruhe und Schönheit seines Sports teilhaben. Und: Seit 2008 gehört Ponradl der Luftrettungsstaffel Bayern an und fliegt mehrmals im Jahr in Trockenzeiten über das Oberland, um Glutnester frühzeitig zu erkennen.

Wenn man Ponradls Sohn Christian (37) anschaut, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Liebe zur Fliegerei erblich ist. Auch der Junior ist inzwischen eine Instanz in Königsdorf. Hin und wieder fliegen Vater und Sohn gemeinsam, sie vertrauen sich blind. Dankbar ist Ponradl seiner Frau Anna, mit der er seit 30 Jahren zusammen ist. „Sie hat immer viel Verständnis gezeigt.“

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