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Katholische Stadtkirche und Vereine feiern Sebastiani-Pestverlöbnis

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Von: Peter Herrmann

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Rund 150 Gläubige beteiligten sich am Sonntagabend an der Sebastiani-Pestverlöbnis-Prozession auf der Markstraße.
Rund 150 Gläubige beteiligten sich am Sonntagabend an der Sebastiani-Pestverlöbnis-Prozession auf der Markstraße. © Hans Lippert

Die Angst vor dem „Schwarzen Tod“ führte vor 389 Jahren zu einem Brauch in Wolfratshausen, der bis heute besteht: das Sebastiani-Pestverlöbnis.

Wolfratshausen – Am Sonntagabend versammelten sich rund 150 Gläubige zunächst in der Kirche St. Andreas und brachen nach einem Gottesdienst dort zu einer Prozession über die Marktstraße auf. Mit dem Pestverlöbnis huldigten sie dem Heiligen Sebastian.

Dekan Gerhard Beham erinnerte in seiner Predigt zunächst an das Leben des christlichen römischen Soldaten, den Kaiser Diokletian wahrscheinlich im Jahr 288 zum Tode verurteilt hatte. Obwohl er von vielen Giftpfeilen getroffen worden war, überlebte Sebastian wie durch ein Wunder zunächst die Hinrichtung. Weil er sich nach seiner Genesung dennoch weiter zum Christentum bekannte, ließ ihn der Herrscher später erschlagen. Seit dem 4. Jahrhundert verehrt die katholische Kirche Sebastian als Märtyrer.

Als 1634 in Wolfratshausen rund ein Drittel der damals 350 Einwohner an der Pest starben, gründeten Schützen die Sebastiani-Bruderschaft und beteten für ein Ende der Seuche. Mit Erfolg: Die Pest breitete sich danach nicht weiter aus. „Heute ist diese Krankheit gebannt“, räumte Beham ein. Die Corona-Pandemie habe aber gezeigt, dass sich Menschen erneut zurückziehen und ausgegrenzt werden. Die Giftpfeile, die den heiligen Sebastian trafen, symbolisieren für ihn das Leiden aber auch persönliche verbale Angriffe. Denn oft können Menschen mit scharfzüngigen Bemerkungen und Beleidigungen ungeahnte Verletzungen bei ihrem Gegenüber auslösen. „Wir gewinnen, wenn wir die tödliche Spitze der Giftpfeile brechen und zur Vergebung bereit sind“, erklärte Beham. Dem Schutzheiligen sei dies durch sein Gottvertrauen gelungen.

Dekan Gerhard Beham sprach an einem auf der Straße aufgebauten Altar Fürbitten.
Dekan Gerhard Beham sprach an einem auf der Straße aufgebauten Altar Fürbitten. © Hans Lippert

Begleitet von Fahnenabordnungen der Vereine, den Fackelträgern der Gebirgsschützenkompanie, Ministranten, Musikanten der Stadtkapelle und Vertretern des Stadtrats setzte sich die Prozession nach der Messe in Bewegung. Erste Station war ein kurz vor dem Schwankl-Eck aufgestellter Altar am Obermarkt 31. Beham kniete dort nieder und rief später zu Fürbitten, Gebeten und Liedern auf. Bei eisigen Temperaturen erreichte der Prozessionszug schließlich den zweiten Altar an der Musikschule am Untermarkt. Wichtigste Fürbitte: „Bewahre auf die Fürsprache des heiligen Sebastian unsere Stadt und ihre Bewohner vor Not und allem Unglück!“. Mit laut ausgesprochenen Litaneien endet das Pestverlöbnis schließlich in der Pfarrkirche St. Andreas. Dort stimmten die Teilnehmer nach dem sakramentalen Segen das Abschlusslied „Großer Gott, wir loben dich“ an.

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Die Mitglieder der Gebirgsschützenkompanie, die an diesem Sebastiani-Sonntag ihren Jahrtag begingen und schon am Vormittag einen Gottesdienst feierten sowie einen Kranz am Kriegerdenkmal vor dem Marienbrunnen niedergelegt hatten, trafen sich danach im Gebirgsschützenheim St. Sebastiani am Obermarkt. Bei warmem Leberkäs’, Brezen und Bier ließ es sich vortrefflich auf das Wohl des Schutzheiligen anstoßen.

ph

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