Eine Baustelle.
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Es rührt sich wieder was: Der Abbruch des ehemaligen Isar-Kaufhauses in Wolfratshausen geht in kleinen Schritten weiter. Doch das angrenzende Gebäude inklusive eines Balkons (roter Pfeil) am Untermarkt 5 muss aufwendig gesichert werden.

Projektgesellschaft setzt Abrissarbeiten fort

Kaufhaus-Ruine in Wolfratshausen: Projektleiter äußert sich zum Stand der Dinge

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Mehr als ein Jahr rührte sich auf der prominentesten Baustelle in der Stadt Wolfratshausen nichts. Doch nun kommt wieder Bewegung in das Projekt der Untermarkt 7-11 GmbH.

  • Seit gut einem Jahr verschandelt eine Kaufhaus-Ruine das Wolfratshauser Stadtbild.
  • Jetzt setzt die Untermarkt 7-11 GmbH die Abbrucharbeiten fort.
  • Geplant ist der Neubau eines Geschäfts- und Wohnhauses in der Altstadt.

Wolfratshausen – „Gut“, antwortet Frank Maiberger spontan auf die Frage, wie’s ihm persönlich derzeit geht. Etwas zögerlicher reagiert der Projektleiter der Untermarkt 7-11 GmbH mit Blick auf die Kaufhaus-Ruine in der Wolfratshauser Altstadt. „Läuft“, stellt er schließlich fest. Aber Maiberger räumt ein: In den wenigen verbleibenden Tagen des Jahres 2020 werde auf der prominenten Großbaustelle nicht mehr sehr viel passieren.

Gütliche Einigung mit den Nachbarn

Vor mehr als einem Jahr, im Juni 2019, musste die in Grünwald beheimatete Projektgesellschaft den begonnenen Abbruch des Ende 2012 geschlossenen Isar-Kaufhauses einstellen. Der Grund: Der Eigentümer der Immobilie am Untermarkt 5 sorgte sich um die Standsicherheit seines Hauses – beide Gebäude verbindet eine gemeinsame Wand. Zu gern wäre ein vom Investor beauftragter Statiker der Sache in den zurückliegenden Monaten auf den Grund gegangen, doch besagter Eigentümer verweigerte dem Experten den Zutritt zu seinem Haus.

Viel Wasser floss die Loisach hinab, bis die beiden Parteien sich gütlich einigten. Dazu zählte eine Übereinkunft mit den Anwohnern, die gegen das von der GmbH geplante neue Geschäfts- und Wohnhaus wegen aus ihrer Sicht zu geringer Abstandsflächen geklagt hatten. In diesem Kontext stimmte der Bauausschuss des Stadtrats vor einigen Wochen einer Tektur des Neubauprojekts zu: Auf der am Bergwald gelegenen Seite hätte der Investor laut Beschluss des Ausschusses zwei Pkw-Stellflächen anlegen können, die exklusiv von den Nachbarn hätten genutzt werden dürfen. Hätte, hätte: „Die zwei Stellplätze wird’s nicht geben“, sagt Maiberger. Da die GmbH kein Fahrtrecht zum benötigten Areal habe, habe das Landratsamt dem Tekturplan die Zustimmung versagt.

Trotzdem rührt sich nun wieder etwas rund um die Ruine: Der zunächst zurückgesetzte Bauzaun ist wieder an die B11 herangerückt, dann wurde die Baustelle „aufgeräumt“, berichtet Projektleiter Maiberger, in Personalunion Prokurist bei der GmbH. Viel wichtiger: Von außen sind Stützanker in die Decken des Nachbarhauses am Untermarkt 5 getrieben worden. Mit „Zugversuchen“ sei anschließend gemessen worden, „was die Anker halten können“, damit das Nachbarhaus beim Fortgang der Abbrucharbeiten keinen Schaden nimmt. Mit den Ergebnissen der Zugversuche sei man „zufrieden“, auf Wunsch des Nachbarn habe ein Prüfstatiker noch einmal Nachmessungen angestellt. „Erfolgreich“, so Maiberger.

Eigentlich hätte jetzt Richtfest gefeiert werden sollen

In den kommenden Tagen werden im hinteren Bereich Teile der Kaufhaus-Überreste abgebrochen. Man schaffe Platz für ein Stützgerüst, mit dem ein Balkon am Nachbarhaus aufwendig gesichert werden müsse, erklärt der Projektleiter. „Recht viel mehr“, so Maiberger, geschehe heuer wohl nicht. Vielleicht gelinge es bis zu den Weihnachtsfeiertagen noch, das Dach des Nachbargebäudes zu sichern, das wär’s dann zunächst gewesen.

„Wir arbeiten uns in vielen kleinen Schritten ans große Ziel“, sagt Maiberger. Von „halben Sachen“ halte die Untermarkt 7-11 GmbH nichts, das Vorhaben werde im neuen Jahr fortgesetzt. Nicht zuletzt haben Wind und Wetter Einfluss auf den Zeitplan. Unter Vorbehalt kündigt Maiberger das Anlegen des künftigen Kundenparkplatzes unterhalb des Bergwalds für Ende Februar an.

Die GmbH hat bewiesen, dass sie einen langen Atem hat.“

Dr. Harald Mosler, Geschäftsführer der Untermarkt 7-11 GmbH

„Eigentlich hätten wir in diesen Tagen Richtfest feiern wollen“, stellt der Projektleiter rückblickend fest. Vor rund drei Jahren übernahm die Grünwalder GmbH den Komplex – nicht ahnend, welch steiniger Weg ihr bevorsteht. Dr. Harald Mosler, neben Rainer Scherbaum einer der zwei GmbH-Geschäftsführer, blieb jedoch bis auf den Tag zuversichtlich: „Die GmbH hat bewiesen, dass sie einen langen Atem hat“, konstatierte Mosler Ende September in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Den langen Atem wird der Investor noch brauchen. Denn der Komplettabbruch der Kaufhaus-Ruine ist nur Teil eins des Vorhabens. Auf dem Areal soll ein neues Geschäfts- und Wohnhaus entstehen. Rund 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche sind in Summe im Erdgeschoss sowie im ersten Obergeschoss vorgesehen. Mit der Drogeriemarktkette Müller ist 2019 ein zunächst zehn Jahre laufender Mietvertrag abgeschlossen worden. (cce)

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