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Es gibt immer mehr Menschen, die am Sonntag arbeiten müssen. Bäcker gehören oft dazu.

Verkaufsoffener Sonntag am Wochenende

Kein Ruhetag: Immer mehr Menschen müssen auch am Sonntag arbeiten 

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In Wolfratshausen ist am Wochenende verkaufsoffener Sonntag. Statt die Füße hochzulegen stehen die Verkäufer im Laden. Arbeiten am Sonntag ist längst keine Ausnahme mehr. Immer mehr Menschen müssen ran.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn es um die Ladenöffnungszeiten geht, steht der freie Sonntag immer wieder zur Diskussion. Zuletzt war der Aufschrei groß, als Heiligabend auf einen Sonntag fiel. Die einen wollten einkaufen gehen, den anderen ist der Sonntag nach wie vor heilig. Den Status verdankt dieser Tag der Bibel. „Am siebten Tag sollst du ruhen“, heißt es in der Heiligen Schrift.

Es gab Zeiten, da wurde dieser Grundsatz hochgehalten. Die Menschen gingen in die Kirche, verbrachten einen Familientag – an Haushalt und Arbeit war nicht zu denken. Heute ist das anders. Zwar haben die Geschäfte in der Region geschlossen, manche Branchen können aber auch sonntags nicht ruhen. Zum Beispiel, weil für viele frische Semmeln zum Sonntagsfrühstück gehören.

Bäcker Stelmaszek: „Wir hätten gerne am Ruhetag festgehalten“

„Wir hätten gerne am Ruhetag für unseren Betrieb festgehalten, aber es gab ein paar Ausreißer, und die Kunden haben Druck gemacht“, erinnert sich Konrad Stelmaszek, Chef der Königsdorfer Backstube. Aus diesem Grund steht der Bäckermeister seit über zehn Jahren jeden Sonntag am Ofen. Am Wochenende macht er inzwischen sein Hauptgeschäft, sagt er. „Da haben die Leute eben Zeit.“

Im Schichtdienst, wie er in der Pflege, bei der Polizei und in vielen anderen Berufen üblich ist, ist der Sonntag ebenfalls ein Arbeitstag wie jeder andere. Und auch Tiere wollen an sieben Tagen die Woche versorgt werden. „Füttern, Melken und Stallarbeit fallen immer an“, sagt Susanne Merk, Landwirtin, Kreisrätin und Mutter einer Großfamilie aus Gaißach. Der Sonntag bedeutet ihr aber trotzdem sehr viel. „Es ist der einzige Tag in der Woche, an dem ich es bis auf die Landwirtschaft etwas gelassener angehen kann – eine Ruheoase.“ Da reihe sich nicht Termin an Termin. „Den Sonntag halte ich soweit es geht für die Familie frei“, so Merk.

Auch Stelmaszek erledigt die Arbeit am Ende der Woche besonders zügig, um in der Kirche zu gehen, Freunde zu besuchen oder mit der Familie gemeinsam zu essen. „Am Sonntag möchte ich schnellstmöglich aus den Arbeitsklamotten raus, um die restliche Zeit noch nutzen zu können.“ Für ihn als Katholiken sei der Tag eben trotz beruflicher Pflichten etwas besonderes.

Der Sonntag als Putztag? 

Apropos Kirche: Es versteht sich von selbst, dass der Sonntagsdienst zur Dienstbeschreibung eines Pfarrers gehört. Dennoch „ist es für mich nicht in dem Sinn Arbeit“, erklärt Dekan Martin Steinbach. Er halte seinen vorbereiteten Gottesdienst und habe am Nachmittag frei. „Es ist gut, dass wir einen vereinbarten Tag haben, an dem prinzipiell alle Zeit haben, um zusammenzukommen“, sagt der Dekan. Nach dem Gottesdienst verbringe er den Tag wie die meisten anderen auch: entspannt vor dem Fernseher, bei einem Spaziergang, auf dem Fahrrad oder abends bei einem Bier mit Freunden. „Theologisch ist es gut, den Feiertag zu heiligen. Das ist aber auch ein Geschenk für den Menschen“, sagt Steinbach.

Anders als für den Dekan macht es für Martina Scheibler vom AWO Seniorenzentrum keinen großen Unterschied, ob sie sonntags oder unter der Woche frei hat. Sie hat sogar freiwillig am Wochenende gearbeitet, bis sie im September Pflegedienstleitung wurde. „Mein Mann ist aber auch schon in der Rente, also können wir immer etwas unternehmen.“ Ihre Oma habe früher immer ein Sonntagsmenü gekocht und auch ein Kuchen musste immer sein. „Heutzutage ist das aber einfach nicht mehr so.“ Sonntag sei inzwischen ihr Putztag, sagt die Pflegedienstleitung. „Unter der Woche habe ich einfach keine Zeit dafür.“

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