Hochbehälter Bergkramerhof
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Reinigung in mehreren Schritten: Mitarbeiter einer Spezialfirma säubern und desinfizieren den Edelstahl-Hochbehälter oberhalb des Bergwalds, bis er im neuen Glanz erstrahlt.

Aufgabe fällt alle zwei Jahre an

Klare Behältnisse: Stadtwerke lassen Trinkwasser-Hochbehälter reinigen

  • VonPeter Borchers
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Alle zwei Jahre lassen die Stadtwerke die beiden Hochbehälter oberhalb des Bergwalds vom Kalk befreien. Jetzt war es wieder einmal soweit.

Wolfratshausen – Trinkwasser ist ein überaus kostbares Gut. Das machen die zunehmenden Trockenperioden im Zuge der Klimaerwärmung immer deutlicher. Und wie es für wertvolles Gold einen Safe braucht, um es sicher lagern zu können, benötigt auch unser Wasser Behältnisse, in denen es sauber gespeichert werden kann, bevor es durch die Leitungen zum Verbraucher fließt.

In Wolfratshausen erledigen das zwei Hochbehälter, einer aus Edelstahl, der andere – etwas älter – aus Beton gebaut. Sie thronen oberhalb des Bergwalds im Bereich des Bergkramerhofs und versorgen rund 20 000 Menschen mit dem lebenspendenden Elixier. Den Edelstahltank ließen die Stadtwerke nun aufwendig reinigen, eine Aufgabe, die etwa alle zwei Jahre anfällt, wie uns Wassermeister Tobias Deißer auf Nachfrage erklärte.

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Besagter Tank fasst zwei Millionen Liter oder 2000 Kubikmeter Wasser. Das entspricht einer Menge von etwa 10 000 Badewannen-Vollbädern à 200 Liter. Und obwohl bei allem, was mit Trinkwasser in Berührung kommt, peinlich genau auf Sauberkeit geachtet wird, lässt sich, wie Deißer erläutert, eins nicht verhindern: „Kommt das Wasser von den Brunnen im Hochbehälter an, wird ein Wirbel erzeugt, das ist technisch nicht anders möglich. Dabei vermischt sich Wasser mit Sauerstoff. Sobald das passiert, fällt Kalk aus.“ Der Kalk lagere sich in einem Hochbehälter im Gegensatz beispielsweise zu einem Warmwasserboiler oder Wasserkessel nicht als harte Schicht an, sondern setze sich „quasi wie Sand“ am Boden ab. „Diese Schicht müssen wir etwa alle zwei Jahre entfernen, um immer sauberes Trinkwasser gewährleisten zu können.“

Für diese Arbeit – Kostenpunkt rund 2000 Euro – benötigt eine Spezialfirma etwa einen Tag. Sie reinigt und desinfiziert den Behälter. Im Anschluss wird er sorgfältig beprobt. Sofern alles steril ist und das Labor grünes Licht gegeben hat, geht der Hochbehälter wieder ans Netz.

In der Zwischenzeit übernahm der Betonbehälter die Wolfratshauser Wasserversorgung. „Wir haben im Regelbetrieb zwei Standbeine“, sagt Deißer. Sollte ein Behälter ausfallen, springt der andere problemlos ein. Das war beispielsweise im Jahr 2008 rund ein dreiviertel Jahr lang der Fall, als es eine Leitung vom Hochbehälter hinunter in die Stadt zerrissen hatte.

Ist der Edelstahlbehälter wieder sauber und desinfiziert, wird er frisch mit Wasser befüllt.

Die Versorgung über lediglich einen Tank ist auch dann kein Problem, wenn zum Beispiel bei einem sportlichen Großereignis extreme Verbrauchsspitzen anfallen. Deißer erinnert sich an Fußball-WM 2014, insbesondere an die Partien des deutschen Teams: „Das war hochinteressant. An unserem Verbrauchsdiagramm konnten wir genauestens ablesen, wann Halbzeit, wann Schlusspfiff, Elfmeterschießen oder wann die Pause der Verlängerung war.“ Hängt nur ein Hochbehälter am Netz, wird das Wasser übrigens virtuell teurer. Virtuell deshalb, weil der Verbraucher davon erst einmal nichts im Geldbeutel merkt. „Um unser Wasser relativ günstig an den Bürger weitergeben zu können, fördern wir es mit preiswertem Nachtstrom und puffern den Verbrauch tagsüber über die Hochbehälter ab“, erklärt der Wassermeister. Falle nun einer aus, „müssen wir tagsüber nachfördern“ – mit teurerem Strom. Umgelegt auf den Bürger in Form einer Erhöhung des Wasserpreises werde dies allerdings erst, „wenn wir ein, zwei schlechte Jahre einfahren würden“, so Deißer. „Aber so etwas wollen wir natürlich verhindern.“

Die Reinigungsarbeiten an den Hochbehältern terminieren die Stadtwerke übrigens immer auf das Frühjahr oder den Herbst. Deißer: „Im Sommer, wenn wir 30, 35 Grad haben, und alle pritscheln im Garten umeinander, macht das wenig Sinn.“

peb

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