Demonstranten
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Protest: Vor der jüngsten Stadtratssitzung in der Loisachhalle mahnten die Aktivisten von „WOR for Future“ die Bürgervertreter, mehr für den Klimaschutz zu tun. 2019 hat die Stadt Wolfratshausen den Klimanotstand ausgerufen.

„WOR for Future“ protestiert

Klimaschutz: Darum wird‘s in Wolfratshausen im September finster

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Der Wolfratshauser Stadtrat unternimmt nichts in Sachen Klimaschutz, kritisiert die Gruppe „Wor for Future“ . Jetzt protestierten die Aktivisten vor der Loisachhalle.

Wolfratshausen – Im Herbst 2019 rief der Stadtrat nach einem 13:8-Votum den Klimanotstand aus. Als erste Kommune im Landkreis verpflichtete sich Wolfratshausen, ab sofort „alle künftigen Stadtratsbeschlüsse und alles Verwaltungshandeln“ mit Blick auf den Klimaschutz auszurichten. Für die Aktivisten der Gruppe „WOR for Future“ sind das nur Lippenbekenntnisse. Doch nicht zuletzt aufgrund der verheerenden Unwetter in den vergangenen Tagen ist Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) bewusst, dass Handlungsbedarf besteht.

Vor der jüngsten Stadtratssitzung protestierten knapp zwei Dutzend „WOR for Future“-Mitglieder, weil in ihren Augen in der Loisachstadt dem Klimaschutz zu wenig Bedeutung zugemessen wird. Die Stadt hätte viele Möglichkeiten, einen Beitrag zum „gesellschaftlichen Wandel“ beizutragen, sagt David von Westphalen von „Parents for Future“, einer von drei Gruppierungen, die sich unter dem Namen „WOR for Future“ zusammengeschlossen haben. Doch trotz des proklamierten Klimanotstands „tut der Stadtrat nichts“.

Die Situation, wie sie jetzt ist, ist untragbar, wir brauchen jetzt Lösungen in großem Stil.“ 

Fritz Schnaller (SPD) mit Blick auf die jüngsten Überflutungen in der Innenstadt

Zu dem Vorwurf der Aktivisten sagten Bürgermeister und Räte in der Sitzung in der Loisachhalle nichts, am Thema, konkret den Symptomen des Klimawandels, kamen sie aber nicht vorbei. Denn im Zuge der Aufwertung der Altstadt müsse das Entwässerungssystem optimiert werden, kündigte der Rathauschef an. Heilinglechner: „Wir haben ein Problem mit der Entwässerung, wir müssen in dem Bereich tätig werden.“

Ex-Rathauschef Helmut Forster (Liste Wor), sein Fraktionskollege Dr. Manfred Fleischer sowie Fritz Schnaller (SPD) erinnerten an die fatalen Folgen der jüngsten Starkregenereignisse. Teilbereiche der Innenstadt, vor allem die Johannisgasse wurden überflutet, das Entwässerungssystem war offenbar völlig überfordert. „Die Situation, wie sie jetzt ist, ist untragbar, wir brauchen jetzt Lösungen in großem Stil“, sagte Schnaller. Fleischer verwies auf die „unglaubliche Wassermenge“, die aus dem Bergwald schoss und zum wiederholten Mal die Anlieger am Burgholz zu Unwetter-Opfern machte. Ähnlich, so Fleischer, sei die missliche Situation unterhalb des Rauschergrabens gewesen.

Konkret wurde Bürgermeister Heilinglechner in Sachen Entwässerung in der Sitzung nicht. Er ließ aber durchblicken, dass das Stichwort bei den weiteren Planungen zur Altstadt-Aufwertung fallen werde.

In der Nacht auf den 8. September wird‘s dunkel

Fest steht dagegen bereits: Wolfratshausen wird sich an der „Earth Night“ am 7. September beteiligen. Im Gegensatz zur „Earth Hour“-Aktion der Umweltorganisation WWF, bei der das Licht in vielen Städten weltweit für eine Stunde abgeschaltet wird, um symbolisch auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen, soll in der „Earth Night“ ab 22 Uhr das Licht bis zum Sonnenaufgang ausgeschaltet bleiben. „Die Aktion will auf die exzessive Nutzung von nächtlichem Kunstlicht und seinen Folgen für Mensch, Umwelt und Natur aufmerksam machen“, erläuterte der Rathauschef. Aber: In Wolfratshausen wird nur die Fassade der Stadtpfarrkirche – im Amtsdeutsch „bauliche Anlage der öffentlichen Hand“ genannt – in den Abendstunden jeweils bis 22 Uhr angestrahlt. „Alle übrigen städtischen Gebäude werden nicht beleuchtet“, so Heilinglechner.

Nach seinen Worten wird der von Umweltverbänden empfohlenen Reduzierung der Straßenbeleuchtung in der Flößerstadt insofern Rechnung getragen, dass die bereits auf LED-Technik umgerüsteten 801 Brennstellen mit einer automatischen Dimmung versehen sind. Das heißt: Die Straßenbeleuchtung wird ab 22 Uhr an 741 Brennstellen über sieben Stunden, an 46 Stellen über vier sowie an 14 Brennstellen „ganznächtig“ um die Hälfte der Leistung reduziert. Eine Komplettabschaltung verbietet sich laut Rathauschef „aus Verkehrssicherungs- und aus Haftungsgründen“.

Appell an Einzelhändler und Unternehmen

Die „Earth Night“, die Licht-aus-Nacht am 7. September, die von einem Bündnis Ehrenamtlicher in Deutschland, Österreich und der Schweiz getragen wird, unterstützt die Kommune „mit deutlichen Hinweisen“ auf der Homepage der Stadt sowie in sozialen Netzwerken wie Facebook. An Unternehmen und Einzelhändler ergeht der Appell, „beleuchtete Werbeschilder und Fassaden für eine Nacht abzuschalten und sich an der Aktion für den Umwelt- und Artenschutz zu beteiligen“.

Die Aktivisten „WOR for Future“ legen bis zum 7. September die Hände auf jeden Fall nicht in den Schoß: Jeden Freitag treffen sich die Mitglieder und Sympathisanten um 15 Uhr am Schwankl-Eck zum lautstarken „Weckruf Klimanotstand“. (cce)

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