Eine Frau mit Mikrofon
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„Noch teurer als Klimaschutz ist nur kein Klimaschutz“: Jamila Schäfer, Vize-Bundesvorsitzende der Grünen, warb in der Loisachhalle in Wolfratshausen um Stimmen.

Vize-Bundesvorsitzende in Wolfratshausen

Klimaschutz: Grünen-Sprecher will mehr staatliche „Regeln“ für die Bürger

Die Vize-Bundesvorsitzende der Grünen, Jamila Schäfer, warb in Wolfratshausen um Stimmen für ihre Partei. Ein Thema: der Klimaschutz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Town Hall Meetings“, also politische Treffen in Rathäusern, Stadthallen und anderen öffentlichen Räumen, kommen eigentlich aus den USA. Die Grünen haben das Format für ihren Wahlkampf übernommen. Im Mittelpunkt der eher kurzen Zusammenkünfte soll der Austausch mit den Bürgern stehen. Zum Wahlkampf-Endspurt sprach Jamila Schäfer am Samstagabend auf Einladung des Grünen-Kreisverbands in der Loisachhalle.

In der Rangfolge „gleich nach Annalena und Robert“

Obwohl die 28-jährige Münchnerin stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei ist, „also gleich nach Annalena und Robert kommt“, wie Kreissprecherin Jovana von Beckerath sie ankündigte, nahmen nur etwa 20 Besucher das Angebot wahr, Auge in Auge mit Schäfer zu diskutieren. Antworten auf Fragen zur Politik vor Ort gaben Wolfratshausens Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth und Dritter Landrat Klaus Koch.

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„Ihr habt eine Richtungswahl vor euch – und diesmal stimmt’s wirklich“, sagte Jamila Schäfer. Um den Klimawandel noch aufzuhalten, sei es fünf vor zwölf. Das hätten die Ergebnisse des Weltklimarats verdeutlicht, denen zu Folge die Erderwärmung schneller voranschreitet als erwartet. Deshalb müsse man den im Pariser Abkommen beschlossenen, maximalen Temperaturanstieg um 1,5 Grad Celsius schaffen. Die Grünen wollen das durch einen vorzeitigen Kohleausstieg in 2030 statt 2038, durch einen höheren CO2-Preis und damit eine massive CO2-Einsparung, durch eine Verkehrswende mit dem Ausstieg aus dem fossilen Verbrennungsmotor bis 2030 und gleichzeitigem Ausbau von öffentlichem Verkehr und Radverkehr erreichen. „Noch teurer als Klimaschutz ist nur kein Klimaschutz“, meinte Schäfer zur Finanzierung. Die Grünen stünden für eine sozialgerechte Energiewende. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis sollten als Energiegeld an die Menschen zurückgezahlt werden.

Staat müsse Regeln aufstellen, um das Verhalten der Menschen zu ändern

Auch die Zuhörer trieb das Thema um. Grünen-Stadtrat und Ortsverbandssprecher Dr. Hans Schmidt und seine Frau Lucia forderten, dass der Staat Regeln aufstellen müsse, um das Verhalten der Menschen zu ändern. Die Gesellschaft selbst sei teilweise noch Werten von vor 50 Jahren verhaftet, sagte Lucia Schmidt.

Der Wolfratshauser Heinz Wensauer warnte vor zu starkem, zu schnellen Wachstum. Er befürchtet, dass durch die S7-Verlängerung noch mehr Siedlungsdruck auf Geretsried und Wolfratshausen entsteht.

Jeder muss nochmal zehn Leute hinterm Ofen hervorholen, die am Sonntag Grün wählen.

Klaus Koch

Grünen-Stadträtin Annette Heinloth verteidigte die S-Bahn-Pläne. Die Ausführung sei „diskussionswürdig“, an der Notwendigkeit des ÖPNV-Ausbaus bestehe jedoch kein Zweifel. Dem Siedlungsdruck will sie durch Bauen in die Höhe begegnen. Leider genehmige das Landratsamt immer noch Baumaßnahmen, „bei denen jeder Millimeter versiegelt wird“, so Heinloth.

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Dritter Landrat Klaus Koch sagte, Wohnen müsse in Zukunft vor allem bezahlbar sein. Sonst verliere man dringend benötigte Arbeitskräfte. Das Geretsrieder Lorenz-Areal sowie Genossenschafts-Modelle seien Vorbilder. Den Klimaschutz sieht auch er als vordringliches Ziel. Im Gegensatz zum Ehepaar Schmidt glaubt er, die Gesellschaft, insbesondere die jüngere Generation, der ja auch Jamila Schäfer angehöre, wolle den Umbruch. Das beweise die Fridays-for-Future-Bewegung. „Jeder muss nochmal zehn Leute hinterm Ofen hervorholen, die am Sonntag Grün wählen“, ermunterte Koch die Anwesenden mit Blick auf die Bundestagswahl. (tal)

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