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Klimaschutz in Wolfratshausen stockt: Braucht es mehr Bürger-Engagement?

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Von: Dominik Stallein

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Klimaproteste vor der Loisachhalle: Vor jeder Stadtratssitzung protestieren alle Generationen der „Wor for Future“-Bewegung. Sie fordern von den Bürgervertretern konkrete Klimaschutzmaßnahmen.
Klimaproteste vor der Loisachhalle: Vor jeder Stadtratssitzung protestieren alle Generationen der „Wor for Future“-Bewegung. Sie fordern von den Bürgervertretern konkrete Klimaschutzmaßnahmen. © Hans Lippert

Wolfratshauser Klimaaktivisten und die Grünen sind unzufrieden: Der Klimaschutz geht ihnen nicht weit genug. Jetzt gibt es eine neue Idee.

Wolfratshausen – Sie sind nicht zu übersehen beziehungsweise zu überhören: Vor jeder Stadtratssitzung demonstrieren seit Monaten die Klimaaktivisten von „Wor for Future“ vor der Loisachhalle. Sie wollen den Bürgervertretern in Erinnerung rufen, wozu sich das Gremium selbst verpflichtet hat: Nach der Ausrufung des Klimanotstands die daraus resultierenden Konsequenzen ziehen, das heißt, CO2 einsparen und die Energiewende vorantreiben.

Klimaschutz in Wolfratshausen stockt: Friday for Future will Klima-Beirat

. Den Aktivisten und den Wolfratshauser Grünen gehen die Maßnahmen der Stadt nicht weit genug. bei einer Online-Veranstaltung der Grünen machten die Umweltschützer ihrem Ärger Luft – und präsentierten eine neue Idee.

„Der Klimaschutz ist ein Thema, das wir in jeder Sitzung auf dem Schirm haben“, betonte der Umweltreferent des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt (Grüne). Er kritisierte, dass trotz des vor zwei Jahren ausgerufenen Klimanotstands und des ambitionierten Energienutzungsplans, der 2016 beschlossen wurde, viel zu wenig Bewegung in der Sache sei. Schmidts Fraktionskollege Rudi Seibt machte den Grund dafür im Rathaus aus: „Die Verwaltung ist noch weniger entschlossen zu handeln als die Politik.“ Als Beispiel nannte er die in seinen Augen ungenügende Werbung für Angebote wie das Solarkataster oder fehlende Informationen zu den Klimaauswirkungen von städtischen Projekten. „Wir haben nicht die Verwaltung, die wir uns wünschen würden.“ Auch die anderen Fraktionen kamen bei Seibts Pauschalkritik nicht gut weg. An die Klimaschützer von „Wor for Future“ gerichtet meinte er beispielsweise: „Wenn ihr etwas verändern wollt, müsst ihr nicht mit uns, sondern mit den anderen sprechen.“ Er fügte an: „Die anderen sind das Problem.“

Grüne kritisiert Klimaschutz-Bemühungen - und fordert Maßnahmen

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) relativierte die Kritik und nahm die Verwaltung („Das sind Menschen, die ich als sehr offen erlebe“) und politische Wettbewerber („Ich würde sie nicht als Problem bezeichnen“) in Schutz. Einig waren sich aber alle Beteiligten, dass die Anstrengungen in puncto Klimaschutz nicht ausreichend seien.

Das möchte Sigrid Bender, Vorsitzende des Bund Naturschutz und „Wor for Future“-Mitglied, ändern. Sie brachte ein neues Gremium ins Spiel: Ein Klimabeirat, in dem sich Bürger engagieren können. Diese Gruppe könnte Vorschläge für den Stadtrat ausarbeiten und Klimaschutzmaßnahmen forcieren. Auch ein Bündnis für Bürgerenergie schlug Bender vor. Das Engagement der Bürger könne viel bewirken und den Stadtrat entlasten. Bei den Grünen stießen diese Ideen auf Gegenliebe. Seibt gab aber zu bedenken, dass „viel mehr Bürger aktiv werden müssen“, um einen echten Wandel möglich zu machen. Jan Reiners, einer der Köpfe der „Future“-Bewegung in Wolfratshausen räumte ein: „So ein Bündnis nur aus unseren Mitgliedern? Das wäre sehr ambitioniert für unsere kleine Gruppe.“

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Klimabeirat für Wolfratshausen: Idee kommt bei den Grünen an

Heinloth hielt ein solches Gremium trotzdem für sinnvoll. Sie erinnerte daran, dass einige Vorschläge der Grünen für mehr Klimaschutz – eine Baumschutzverordnung oder eine Freiflächengestaltungssatzung – im Stadtrat keine Mehrheit fanden. „Dafür asphaltieren wir den Loisachradweg und legen am Johannisplatz einen Schottergarten an“, monierte sie. Gerade die erste Entscheidung bezeichnete sie als „völlig daneben“. Schmidt: „Es scheitert an den Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat.“

Wolfratshausen: Fridays for Future-Aktivisten wollen mit Stadträten sprechen

David von Westphalen, Sprecher der Klimaaktivisten in der Loisachstadt, kündigte an, das Gespräch mit einigen Stadträten suchen zu wollen. Dritte Bürgermeisterin Heinloth äußerte sich in diesem Zusammenhang optimistisch: „Von den 24 Stadträten fällt mir niemand ein, der das Thema Klimaschutz nicht wichtig findet. Oft fehlen vor Entscheidungen aber Infos zu den Auswirkungen auf das Klima.“

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