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Vorbild für viele junge Menschen: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg – hier auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos.

Aktion fürs Weltklima

Klimastreik statt Schulbesuch: So reagieren die Schulleiter im Landkreis

Seit August 2018 bleibt die junge Schwedin Greta Thunberg jeden Freitag der Schule fern und demonstriert stattdessen im Parlament. Ihrem „Skolstrejk för Klimatet“ – zu Deutsch: Schulstreik für das Klima – schließen sich jetzt auch Schüler aus Geretsried und Icking an. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Unter dem Motto „Fridays for Future“ gehen in diesen Wochen Jugendliche auf allen Kontinenten auf die Straße. Nach dem Vorbild der schwedischen Schülerin Greta Thunberg boykottieren sie den Unterricht und möchten damit ein klares Zeichen setzen: Der Klimaschutz muss endlich in den Fokus gerückt werden. Die Schwedin schwänzt seit August jeden Freitag die Schule und ruft Kinder auf aller Welt dazu auf, es ihr gleichzutun.

Diesen Freitag, 25. Januar, werden in München auf zwei Demos insgesamt 850 Teilnehmer erwartet. Auf dem Marienplatz beginnt um 11 Uhr eine sich fortbewegende Versammlung unter dem Titel „Einhalten der Emissionsziele und eine effektivere Klimapolitik“. Um 14 Uhr schließt sich eine Demonstration mit dem Thema „Klimaschutz und Klimagerechtigkeit“ an.

Für Münchner Schüler sind die Proteste gut und einfach erreichbar, aber auch südlich der Landeshauptstadt haben sich junge Menschen gegen den Unterricht entschieden. In Icking nehmen einige Gymnasiasten den Weg in die Stadt auf sich, um für ihre Interessen einzustehen. Hauptsächlich Zehnt- und Elftklässler haben sich dafür abgesprochen, wie ein Schüler berichtet. Einige werden den Unterricht nach der ersten Pause verlassen, andere starten gleich von zu Hause. Dem Abschlussjahrgang ist das Schwänzen im Hinblick aufs Abitur zu brenzlig.

Natürlich zieht das unentschuldigte Fehlen Konsequenzen nach sich. „An unserer Schule wird gesellschaftliches Engagement grundsätzlich sehr begrüßt“, äußert sich die Direktorin des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums, Astrid Barbeau. Das Thema werde im Unterricht aufgegriffen, und die Schüler haben die Möglichkeit sich in der Arbeitsgruppe für CO2-freie Schulfahrten einzubringen. Dennoch sei eine aktive Beurlaubung für die Freitage nicht möglich. „Sollten Schüler unentschuldigt fehlen, müssen wir erst mal den Grund feststellen und bei den Eltern nachfragen“, erklärt Barbeau. Danach wird mit den betroffenen Schülern ein Gespräch gesucht.

„Wer hören möchte, dass ich reihenweise Verweise verteile, ist bei uns falsch“, sagt die Direktorin. Sollten sich die Vorfälle aber wiederholen, werde das Gymnasium die Schulpflicht einfordern. „Es geht aufs Abitur zu, und unsere Schüler hatten verlängerte Weihnachtsferien wegen des starken Schneefalls, da sind die geschwänzten Tage nicht harmlos.“

Auch am Geretsrieder Gymnasium haben einige Schüler angekündigt, den Unterricht zugunsten des Klimastreiks sausen zu lassen. Lehrer und Schulleiter sind deshalb hin- und hergerissen. „Natürlich hat die Schulpflicht Vorrang. Gleichzeitig sind die Gründe der Jugendlichen sehr nachvollziehbar“, sagt Christoph Strödecke, Leiter des Geretsrieder Gymnasiums. Es sei naheliegend, dass die Schüler Demokratie und das Versammlungsrecht nutzen wollen, über das sie in Fächern wie Sozialkunde lernen.

Aber Schwänzen ist Schwänzen. Auch Strödecke möchte die Teilnehmer des Streiks zu einem Gespräch bitten. „Am wichtigsten ist mir dabei Ehrlichkeit“, gibt der Schulleiter zu verstehen. „Wenn jemand ganz offen sagt, ,Ich war auf der Demo, ich sorge mich um meine Zukunft‘, dann kann ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, mit Verweisen oder Schlimmerem zu drohen.“ Allerdings werde er klarstellen, dass der Unterrichtsbesuch ebenfalls Voraussetzung für eine erfolgversprechende Zukunft ist.

Leonora Mitreuter

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