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Koa Wiesn - doch aus diesem Grund drohen Lieferengpässe bei Lederhosen

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Von: Rudi Stallein

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Mann und Frau im Trachtengeschäft
Sind vorsichtig optimistisch: Gudrun und Stefan Fischer vom Wolfratshauser Trachtengeschäft Fischer-Pflügl. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Zwei Jahre keine Wiesn aufgrund der Corona-Pandemie: Das schmerzt nicht nur die Oktoberfest-Fans, sondern auch die Trachtengeschäfte. Zu ausbleibenden Kunden kommt nun ein weiteres Problem.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein weiteres Jahr ohne Oktoberfest, eine weitere Saison ohne all die anderen kleinen und großen Volksfeste, die nach und nach abgesagt wurden: Die Trachtenläden plagen sich auch heuer mit den Nachwehen von Corona. Aber das Ausbleiben der Kundschaft ist nicht die einzige Sorge, die die Branche umtreibt: Während sich im vorigen Jahr die Dirndl und Blusen, Westen und Lederhosen in den Regalen der Geschäfte stauten, trifft es nun die Lieferanten, die auf ihren neuen Kollektionen sitzen bleiben. Wer sein neues Gewand nicht gleich im Geschäft findet, muss demnächst wohl mit längeren Lieferzeiten rechnen.

„Viele Kunden haben die Nase voll von den ganzen Einschränkungen. Sie haben Lust auf Neues, Schönes, möchten sich was leisten.

Stefan Fischer, Inhaber von Fischer-Pflügl Trachtenmoden in Wolfratshausen

„Das macht sich natürlich im Umsatz bemerkbar. Wir haben längst nicht das Niveau wie vor Corona“, erklärt Stefan Fischer. „Das eine oder Fest findet schon statt, aber alles im kleineren Rahmen. Kommunion, Schulabschlussfeiern, das merkt man schon“, sagt der Inhaber von Fischer-Pflügl Trachtenmoden in Wolfratshausen. Aber er stellt auch fest: „Viele Kunden haben die Nase voll von den ganzen Einschränkungen. Sie haben Lust auf Neues, Schönes, möchten sich was leisten.“

Ähnliche Erfahrungen machen auch andere Läden. „Man merkt, dass es besser wird. Familienfeiern und kleinere Hochzeiten beispielsweise finden wieder statt“, sagt Peter Fröstl, Seniorchef des gleichnamigen Trachtenmodengeschäfts in Egling. So konnte Fröstl zwar die Stapel an Westen, Strickjacken und Hemden in den Regalen inzwischen deutlich abbauen. Bis zur früheren Auslastung ist es jedoch noch ein weiter Weg. Ein Drittel seiner Mitarbeiterinnen befinde sich derzeit noch in Kurzarbeit, erläutert der Eglinger.

Neue Kollektionen nur „sehr sparsam“ eingekauft

„Sehr viel weniger Bedarf“, stellt ebenfalls Pankraz Schaberl fest. Zwar würden viele auch für Hochzeiten, runde Geburtstage und die verschiedenen Familienfeiern in neue Dirndl und Lederhosen investieren. Aber das könne „die großen Sachen wie Wald- und Seefeste“ nicht wettmachten, meint der Geschäftsführer von Hut und Tracht an der Tölzer Marktstraße. Relativ entspannt scheint die Situation in den Fachgeschäften auch deshalb zu sein, weil ihre Inhaber die neuen Kollektionen „sehr sparsam“ einkauften. „Trachten sind nicht so schnelllebig. Sie sind auch farblich nicht so auf die Mode ausgerichtet. Das entschärft die Situation ein wenig“, berichtet Schaberl. Auf nur noch 50 Prozent gegenüber normalen Jahren beziffert Fröstl seine Einkäufe für dieses Jahr. Es gebe zwar zwei Kollektionszyklen im Jahr, analog zur Mode. „Aber Trachten unterliegen nicht so dem Zeitdruck“, erklärt Stefan Fischer. Zudem habe man „die Disposition sehr gut im Griff“.

Lieferanten haben große Probleme

Weil das wohl auf die meisten Fachgeschäfte zutrifft, tut sich ein Problem an anderer Stelle auf. Während im ersten Lockdown in erster Linie die Läden die Leidtragenden waren, trifft es nun die Zwischenhändler. „Die Lieferanten haben ganz große Probleme, weil wir reduziert einkaufen“, sagt Fischer. Zudem, da sind sich die drei Trachten-Fachmänner sicher, ist demnächst wohl mit spürbar längeren Lieferzeiten zu rechnen. „Für die Hersteller wird es schwieriger“, weiß Fröstl. Dafür gibt es mehrere Gründe, beispielsweise die Kurzarbeit in Webereien. Oder Engpässe etwa in der Stoffproduktion, bedingt durch fehlendes Material, wie es auch in anderen Branchen zunehmend problematisch wird. „Manche kleinere Artikel wie etwa speziell gefertigte Knöpfe kriegt man derzeit schwer her“, erläutert Schaberl. Wenn in der Produktionskette ein Rädchen hake, beispielsweise der Stricker die benötigte Wolle nicht bekommt, habe der Hersteller ein Problem. Denn die Produktion fange erst an, wenn alle Teile da sind. „Bei einigen wissen wir, dass die Produktion kleiner wird“, so Schaberl.

Kann der Kunde auf eine Rabattschlacht hoffen?

Dass es angesichts voller Lager bei den Lieferanten zu Rabattschlachten oder Lagerverkäufen komme, damit rechne er nicht, ergänzt der Geschäftsleiter. „Wir sollten nach dieser schweren Zeit nicht auch noch die Preise kaputtmachen.“ Sollte das dennoch passieren, wäre es „schon in gewisser Weise eine Bedrohung“, räumt Schaberl ein. Er hat aber dazu auch eine klare Meinung: „Hersteller, die versuchen, mit großzügigen Rabatten in Outlet-Manier selbst zu verkaufen, werden wir nicht mehr in dem Umfang führen.“

Dass sich die Situation schon bald wieder völlig normalisiere, daran mag Unternehmer Fischer noch nicht recht glauben. „Welches Niveau wir irgendwann wieder erreichen, weiß niemand“, sagt der Wolfratshauser Trachtenmodenverkäufer. Lächelnd fügt er hinzu: „Aber nächstes Jahr gibt es sicher wieder ein Starkbierfest und Maifeiern. Bis dahin halten wir durch.“ (rst)

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