“Alles war kaputt“

Nächtlicher Exzess: Junger Mann (20) verwüstet Lokal - die Antwort des Kochs hat es in sich

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Ein junger Mann (20) verwüstet nachts ein Lokal in Wolfratshausen. Als er sich am nächsten Tag dafür entschuldigen will, soll der Koch ihn geohrfeigt haben. 

Wolfratshausen – Der Angeklagte bestritt den Vorwurf. Er habe dem jungen Burschen nur zwei Fragen gestellt: „Wie bist Du hereingekommen? Warum hast Du das gemacht?“ Die Antwort sei jedes Mal die gleiche gewesen: „Weiß ich nicht.“ Dann habe er sich umgedreht und weiter die Schäden der Nacht beseitigt. „Warum sollte ich ihn schlagen? Es gab so viel zu tun“, beteuerte der Koch in der Verhandlung.

Mit der letzten Bemerkung hatte er zweifellos Recht. Die Fotos aus der Tatnacht vom 9. auf den 10. September vorigen Jahres dokumentierten ein Bild der Verwüstung: Bier- und Weinflaschen waren zertrümmert worden, 17 Kilogramm Teig und 40 Kilogramm Bolognese-Sauce hatte der Heranwachsende im Lokal verteilt. „Er hat es ordentlich durcheinander gebracht“, sagte der Richter beim Betrachten der Fotos. „Alles war kaputt“, bestätigte die Inhaberin.

Polizisten erteilten Platzverweis

Die Gastronomin war in jener Nacht von Geräuschen im Lokal geweckt worden. Sie, ihr Ehemann und ein Mitarbeiter hatten den Eindringling, der in der Küche randalierte, gestellt und solange festgehalten, bis die Polizei eintraf. Die Beamten hatten den jungen Mann, der in Dresden Elektrotechnik studiert und voriges Jahr in Wolfratshausen wohnte, wenige Stunden zuvor schon einmal aufgegriffen. Gegen 23 Uhr hatte er versucht, die Glastür eines Restaurants in Farchet einzuwerfen. Der Alkomat warf einen Wert von umgerechnet zwei Promille Alkohol im Blut des 20-Jährigen aus. Die Polizeibeamten erteilten ihm einen Platzverweis, drohten ihm Gewahrsam an und ließen ihn laufen.

Drei Stunden später erreichte die „Randale-Nacht“ ihren Höhepunkt. Eine Erklärung für seine wüste Aktion konnte der Student, gegen den wegen der Sachbeschädigungen ebenfalls ein Verfahren läuft, dem Gericht nicht geben. Er bestätigte aber, dass er am nächsten Tag zum Restaurant zurückgekehrt sei. „Ich habe angeboten, sauber zu machen“, sagte der Zeuge. „Aber der Koch war sehr aufgebracht und gab mir eine Ohrfeige.“ Strafantrag hatte der junge Mann nicht gestellt. „Er hat gesagt: Die Ohrfeige habe ich verdient“, erklärte eine Polizistin, die den 20-Jährigen seinerzeit vernommen hatte.

Richter Helmut Berger sah „keine Gründe, an der Aussage des Zeugen zu zweifeln“. Er verurteilte den mehrfach vorbestraften Koch zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro. „Er war verständlicherweise aufgebracht. Dann kommt der Täter zurück – und ihm rutscht die Hand aus“, so die Begründung des Richters. Der Beschuldigte beteuerte: „Ich habe nichts gemacht.“ Sein Verteidiger, der einen Freispruch gefordert hatte, kündigte an, Berufung am Landgericht einzulegen.

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Rubriklistenbild: © dpa / Paul Zinken (Symbolbild)

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