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Haben schon viel voneinander gelernt: Gastronom Ralf Musto (li.) und Koch Yaser Sharabati. 

Neue Heimat Wolfratshausen

Kochen mit Übersetzungshilfe

Die große Welle von Flüchtlingen riss vor einem Jahr ab. Seitdem bemühen sich viele Asylbewerber, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen. So auch Yaser Sharabati. Der Syrer hat hier seinen Traumjob gefunden.

Wolfratshausen – Als Yaser vor 16 Monaten in Deutschland ankam, stand für ihn fest: „Am liebsten möchte ich wieder als Koch arbeiten.“ Bereits in seiner Heimat, der syrischen Stadt Aleppo, arbeitete er im Familienunternehmen seiner Eltern in der Küche. Dort kochte er syrische Spezialitäten und Fast Food wie Nudelgerichte. „Das hat mir immer viel Spaß gemacht“, erinnert sich der 29-Jährige.

Als er sich mit seiner Frau Asma, die einige Monate nach Yaser in Wolfratshausen ankam, Gedanken über die gemeinsame Zukunft in Deutschland machte, schloss er zwar nicht aus, auch etwas anderes zu machen. „Aber ich habe mir schon gewünscht, wieder in der Küche zu sein.“

Dieser Wunsch wurde dem Syrer erfüllt. Die örtliche Helferkreis-Koordinatorin Ines Lobenstein knüpfte für Yaser den Kontakt zu Ralf Musto – Pächter des Restaurants im Sportheim von BCF und TSV an der Kräuterstraße. „Yaser hat sich die Arbeit bei uns einmal angeschaut“, berichtet der Gastronom. Für ihn stand sofort fest: „Er liebt diesen Job und ist für uns genau der richtige Mann.“ Natürlich lief nicht alles von Anfang an glatt. „Die Sprache war ein Problem, und das ist sie auch heute noch manchmal“, sagt Musto. „Aber es kann niemand erwarten, dass ein Syrer, der ein Jahr in Deutschland ist, jedes Gericht unserer Karte mit Namen kennt.“

Voneinander lernen – sprachlich und kulinarisch

Durch die Arbeit macht Yaser große Fortschritte beim Lernen der deutschen Sprache. „Ich kenne jetzt die Karte, nur bei Sonderwünschen gibt es manchmal Probleme“, sagt er in seiner Landessprache. „Auch wenn ich am Grill stehe, verstehe ich alle Bestellungen.“ Ein befreundeter Syrer übersetzt für den 29-Jährigen. Um sein Deutsch weiter zu verbessern, besucht Yaser täglich Unterrichtsstunden. Am Abend steht er dann in der Küche von „Musto ’s Restaurant“.

Nicht nur sprachlich lernt Yaser im neuen Beruf eine Menge. „Wir lernen auch kulinarisch viel voneinander“, sagt Musto. Für den Syrer war der Großteil der Speisen Neuland – „nur Italienisch nicht, das konnte ich schon“. Auch der Gastronom bekommt neue Einblicke: Yaser kocht gelegentlich arabische Spezialitäten für Musto und seine Frau. Der wiederum hat dadurch einige neue Ideen für seine Speisekarte bekommen.

Von Dominik Stallein

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