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Axel Hacke sorgte bei seinem Publikum für Lachtränen. 

Lesung

Kolumnist Axel Hacke in Wolfratshausen: Damit brachte er sein Publikum zum Lachen

Gutes Training für die Bauchmuskulatur gab es in der Wolfratshauser Buchhandlung Rupprecht: Dort brachte Kolumnist Axel Hacke sein Publikum in einer Tour zum Lachen. 

Wolfratshausen –Wenn Axel Hacke aus seiner Kolumnen-Sammlung liest, muss er zwischendurch lange Pausen einlegen, damit seine Zuhörer während des Lachens nach Luft schnappen können. Trotz schwieriger Wetterverhältnisse kam der bekannte Autor am Donnerstagabend in die Wolfratshauser Buchhandlung Rupprecht. Und auch das Publikum scheute den Weg nicht. Die Stuhlreihen waren voll besetzt.

„Das kolumnistische Manifest“, das erste Buch des Abends, setzt sich aus Texten zusammen, die über Jahrzehnte im Magazin der Süddeutschen Zeitung erschienen sind. Viele der Texte drehen sich um Hackes Familienleben und greifen Phänomene wie das „Partnerschaftspassiv“ auf. „Etwas muss gemacht werden“, heißt es oft, wenn sich keiner für eine lästige Tätigkeit verantwortlich fühlt. Diese Form sei eigentlich keine schlechte Sache. Mit der direkten Konfrontation durch „Du musst“ oder „Mach mal“ werde oft Streit heraufbeschworen, erklärt der Münchner. Das entfalle beim „Partnerschaftspassiv“. Die einzige Nebenwirkung: Die Aufgaben werden selten zeitnah erfüllt.

Als nächstes greift der Journalist und Schriftsteller zu seinem aktuellen Werk mit dem Titel „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“. Hacke betont, dass es ihm nicht darum gehe, etwas zu predigen. „Es handelt sich eher um ein gedankliches Kreisen und die Bedeutung des Begriffs ,Anstand‘.“ Dazu hat sich der 62-Jährige auf die Suche nach einer möglichen Definition gemacht. „Sich auch dann an die Regeln zu halten, wenn gerade keiner guckt und beim Üblichen nicht mitzumachen, wenn man es nicht respektabel findet“ sind nur zwei Beispiele von vielen. Die Menschen hätten sich an unverschämte Äußerungen auf der Straße gewöhnt, meint Hacke. Dabei seien es die weichen Werte wie Anstand, die das Leben lebenswert machten. „Es ist das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt“, hatte es Gastgeberin Maria Rupprecht zu Beginn der Lesung treffend formuliert.

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Nach dem ernsten Mittelteil liest Hacke Auszüge aus seiner Sammlung von falsch übersetzten Speisekarten. Da finden sich Köstlichkeiten wie „Penne mit Befestigungklammermasse“. „Ich glaube nicht, das es so etwas gibt, und wenn doch, dann eher im Baumark als im Restaurant“, überlegt Hacke. Auch das Buch „Der weiße Neger Wumbaba“, das von falsch verstandenen Liedtexten handelt, trifft den Nerv des Publikums. Einige lachen Tränen, und folgende Überlegung liegt nahe: Anstelle von anstrengenden Trainingsplänen bietet es sich an, auf dem Sofa Platz zu nehmen und ein Buch von Axel Hacke in die Hand zu nehmen. Das Lachen ersetzt sämtliche Sit-ups und bringt die Bauchmuskeln zum Brennen.

Zweimal noch muss der Kolumnist für eine Zugabe aufs Podium steigen, und immer noch will der Applaus nicht enden. 

lm

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