Trump im Blick

Kommen die Strafzölle oder nicht? Unternehmen im Landkreis bleiben wachsam

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Kurz vor knapp hat US-Präsident Donald Trump Europa von Strafzöllen für Aluminium und Stahl ausgenommen. Doch die hiesigen Unternehmen bleiben wachsam. Denn was die USA tut, wirkt sich auf den Landkreis aus. 

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Die Unternehmen im Landkreis werden das Verhalten der USA in Sachen Strafzöllen weiterhin aufmerksam beobachten. Vor allem, wenn es irgendwann doch die von Trump in Erwägung gezogenen Strafzölle auf deutsche Auto geben sollte, wäre der Wirtschaftsraum zwischen Isar und Loisach betroffen. Insofern ist in den Unternehmen Abwarten angesagt.

Andreas Ross: Wirtschaftsförderer des Landkreises.

Der Wirtschaftsförderer des Landkreises, Andreas Ross, verweist darauf, dass die Firmen im Freistaat grundsätzlich auf den Export angewiesen sind. „Die bayerische Wirtschaft hat im Jahr 2017 im siebten Jahr in Folge einen neuen Außenhandelsrekord aufgestellt, und die USA sind seit Jahren einer der wichtigsten Handelspartner bayerischer Unternehmen“, sagt er. Für Ross besteht kein Zweifel daran, dass protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle den Warenverkehr beeinträchtigen. Aluminium und Stahl spielen im Landkreis kaum eine Rolle. „Schwerwiegender wären die Folgen von Strafzöllen auf die Einfuhr von Fahrzeugen, da auch bei uns viele Betriebe dem Bereich der Automobilzulieferindustrie zuzurechnen sind.“

Was die Haltung des amerikanischen Präsidenten angeht, hat Christian von Stülpnagel, Chef der Unternehmervereinigung Wolfratshausen mit etwa 130 Mitgliedern, eine klare Meinung. „Wir befinden uns im Welthandel, da muss man sich auch mit der Welt abstimmen“, erklärt er. Er würde amerikanischen Unternehmen raten, an der Qualität zu arbeiten und sich der Konkurrenz zu stellen. Man solle sich jenseits des Atlantiks einfach fragen, woran es denn liegt, dass US-Autos weniger gekauft werden als deutsche.

„Wir betrachten unsere Entwicklung mit Sorge“

Eines der Unternehmen, die der Automobilindustrie zuliefern, ist Weber Schraubautomaten vom Hans-Urmiller-Ring im Wolfratshauser Gewerbegebiet. Die teils robotergestützten Schraubsysteme sind in der deutschen Automobilindustrie weit verbreitet. „Ein Strafzoll auf Autos könnte indirekt Folgen für uns haben. Wir betrachten die Entwicklung mit Sorge“, erklärt Pressesprecher Michael Steidl.

Einen Sonderfall stellt Eagle-Burgmann dar, einer der weltgrößten Hersteller von Dichtungsringen mit dem Doppelstandort Wolfratshausen und Eurasburg und Mitglied der Freudenberg Gruppe. „Grundsätzlich verfolgen wir die Strategie, dort zu produzieren und die Leistung zu erbringen, wo der Kunde die Produkte braucht“, erklärt Kommuniaktionsdirektor Bernd Fischer. Das heißt: Eagle-Burgmann produziert auch in den USA. Einer von mehreren Gründen ist die Minimierung von Währungs- und Zollrisiken, wie sie aktuell diskutiert werden. „Sollte eine Entscheidung diesbezüglich getroffen werden, setzen wir uns damit auseinander“, so Fischer.

Dr. Wolfgang Schumann: Chef der Firma Rudolf Chemie in Geretsried.

Kaum Auswirkungen hätte ein Strafzoll auf den Wirtschaftsstandort Geretsried. „Wir haben in unseren Reihen niemanden, der Aluminium und Stahl exportiert, und auch Autozulieferer gibt es kaum“, erklärt Dr. Wolfgang Schumann von Rudolf Chemie, Chef der Industriegemeinschaft Geretsried (IGG) mit über 50 Mitgliedsbetrieben. Das ändert aber nichts daran, dass man in Geretsried die Problematik weiterhin auf dem Schirm hat. „Das Thema ist zwar noch amorph, aber wir registrieren natürlich, dass plötzlich Zölle erhoben werden“, so Schumann.

Rubriklistenbild: © dpa / Jochen Lübke

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