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Stark mit der Loisachstadt verwurzelt: Richard Kugler kandidiert für die neu gegründete Wolfratshauser Liste als Bürgermeister. Es ist sein zweiter Anlauf nach 2008. Damals trat der Parteifreie für die CSU an. 

„Heimat bedeutet für mich Wolfratshausen“

Kommunalwahl 2020: Bürgermeisterkandidat Richard Kugler im Porträt

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Richard Kugler will Bürgermeister von Wolfratshausen werden. Er tritt für die Wolfratshauser Liste an. Wir sind mit ihm durch den Bergwald spaziert.

Wolfratshausen – Mit Schwung steigt Richard Kugler von seinem Fahrrad und stellt es in der Rathauspassage ab. Er ist lässig gekleidet, trägt Jeans und ein rot-schwarz kariertes Holzfällerhemd. Im Alltag ist der Bürgermeisterkandidat der Wolfratshauser Liste viel mit dem Drahtesel unterwegs. „Das hält fit.“

Über viele steile Treppen geht es hoch zum Bergwald – Kuglers Lieblingsort in der Loisachstadt. Der 56-Jährige läuft im gemächlichen Schritt über den an diesem Tag vom Regen aufgeweichten Waldboden. Er macht einen offenen und sympathischen Eindruck. Unüberhörbar ist sein bairischer Dialekt. „Ich bin waschechter Untermarktler“, betont er nicht ohne Stolz. Sein Leben lang wohnt er schon in der Flößerstadt. Nach der Schule stieg der heute selbstständige Handwerksmeister in der Sanitär-Heizungs-Spenglerei seines Vaters als Lehrling ein. 1991 übernahm er den elterlichen Betrieb. Seine Lebensgefährtin Uli Marx arbeitet als Büroteilzeitkraft in dem Drei-Mann-Betrieb.

Der Gedanke, einmal aus der Loisachstadt wegzuziehen, kam ihm nach eigenen Worten nie. „Heimat: Das bedeutet für mich kurzum Bayern, Wolfratshausen“, erklärt Kugler. Trotzdem erkundet der 56-Jährige gerne die Welt. Ob Spanien, Irland, Frankreich oder eine Tour durch den Balkan – alles auf seinem Motorrad.

2019 fuhr er zum dritten Mal mit Spezeln nach Tunesien. Kugler: „Einmal begleitete uns zum Schutz ein Militärkonvoi an der libyschen Grenze entlang. Das war schon abenteuerlich.“ Ein anderes Mal geriet er in der Sahara in einen Sandsturm, musste drei Meter hohe Dünen bezwingen. Auf seinem Zweirad kann Kugler vom Alltag abschalten und entspannen: „Hier muss ich mich komplett darauf konzentrieren, wo ich gerade bin und was ich mache. Das ist ähnlich wie bei einer Meditation.“

Im Bergwald schwenkt Kuglers Blick ruckartig nach rechts. Er zeigt auf ein Dach mit Spitzgiebeln und weißem Sims. „Das ist mein Elternhaus. Hinter dem Fenster da oben war früher mein Kinderzimmer.“ Ein verträumtes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Damals, schon in jungen Jahren, begann der Wolfratshauser Gitarre zu spielen. Seine zweite große Leidenschaft. Auch Mandoline, Banjo und Mundharmonika beherrscht er. Als Gitarrist und Sänger ist Kugler seit vielen Jahren in der vierköpfigen Band mit dem Namen „G-mahde Wies’n“ aktiv. Mit ihren bayerischen Liedern traten die Musiker bereits auf Kneipenfestivals in ganz Südbayern auf.

Langsam macht sich Kugler auf den Rückweg. Noch einmal erwachen alte Erinnerungen: Mit seinem Zeigefinger deutet er auf einem Hang. „Da sind wir Schlitten gefahren, an den Treppen runter und rein in die Gassn.“ Auch heute noch geht er hier gerne spazieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Kugler die Politik. „Ich war schon immer ein politischer Mensch, habe mich stets für die Stadtpolitik interessiert“, betont er. Dieses Engagement liegt ihm quasi im Blut. Sein Vater agierte 18 Jahre für die Bayernpartei im Stadtrat, sechs Jahre als Dritter Bürgermeister. Als der CSU 2008 ein Bürgermeisterkandidat fehlte, sprang der bis auf den Tag parteifreie Kugler spontan ein. Doch er scheiterte in der Stichwahl gegen Helmut Forster (Bürgervereinigung). Heuer will es Kugler noch einmal wissen – diesmal auf der von Forster mitgegründeten Wolfratshauser Liste.

Seine Prioritäten als möglicher künftiger Rathauschef stehen für Kugler fest: Den Charme Wolfratshausens als „kleine Stadt“ bewahren. „Allen gefällt es bei uns. Wir wohnen in einer super Lage, jeder will hierher“, so Kuger. Aber: „Trotzdem müssen wir aufpassen, dass Bürger die Stadt noch nutzen können.“ Nicht alles dürfe zugebaut und zugeparkt werden.

Der 56-Jährige ist der Meinung, dass die Stadt stärker proaktiv tätig werden, die Bürger früher in Prozesse einbinden muss. Als Beispiel nennt er die in Weidach geplante Surfwelle. „Das ist ein Riesenthema, mit Streiterei ohne Ende.“ Allein die gut 500 Unterschriften, die das Aktionsbündnis gegen die Weidacher Welle, dem Kugler angehört, gesammelt hat, würden zeigen, dass beileibe nicht jeder mit dem Vorhaben einverstanden sei. „Nichts gegen Surfen. Aber dafür ist hier kein Platz.“ Kugler hätte sich gewünscht, wenn man die Meinung der Weidacher früher eingeholt hätte.

Auch die Kostenexplosion bei der beschlossenen Sanierung und Erweiterung der Schule am Hammerschmiedweg kann er nicht nachvollziehen: „Hier gilt es, andere Wege zu finden – und zwar im Vorfeld.“ Kugler ist sich sicher: „Wenn wir so weitermachen wie jetzt, fahren wir’s an die Wand.“

Wieder in der Rathauspassage angekommen, steigt Kugler auf sein Rad und fährt nach Hause. Jetzt ruft der Feierabend.

kof

Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Wolfratshausen? 

Der Wolfratshauser Bergwald. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Country/Western/Folk und Volksmusik. 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht? 

Ich bin öfters in Tracht unterwegs, dazu braucht es keinen besonderen Anlass. 

Mögen Sie Haustiere? 

Ja, wir hatten 16 Jahre lang eine Katze, sie ist leider letzten Herbst gestorben. 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Mir ist Ordnung wichtig, so behält man besser den Überblick. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Ein Weißbier mit Freunden ist eine gute Wahl. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Weder noch, auf dem Land gefällt es mir besser. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Wenn es wichtig ist, muss man sich aussprechen und verzeihen. 

Drei Dinge für die Insel? 

Inselfrage, war ja klar. Ein Surfbrett, eine Gitarre und ein Offroad-Moped. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Beides – alles zu seiner Zeit. 

Als Chef oder Vater streng oder gutmütig? 

Wenn die Leistung passt, kann man gutmütig sein. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Als Kind die Eltern, doch später bremsen Vorbilder nur, und jeder Mensch soll seinen eigenen Weg gehen. 

Ihr Motto? 

Der Weg ist das Ziel – und das Ziel ist der Weg.

Neben Kugler treten in Wolfratshausen an: Klaus Heilinglechner (BVW) , Günther Eibl (CSU), Manfred Menke (SPD) und Annette Heinloth (Grüne).

Alle Infos rund um die Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen finden Sie auf unserer

Themenseite

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