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Blaues Sakko, den Wolf am Revers: Klaus Heilinglechner (52) bewirbt sich um eine zweite Amtszeit im Rathaus. 

Rathauschef mit Gore-Tex-Haut

Kommunalwahl 2020: Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Porträt

Nach sechs Jahren als Rathauschef will es Klaus Heilinglechner noch einmal wissen: Er kandidiert erneut als Bürgermeister für Wolfratshausen. 

++ Update, 26. März: Klaus Heilinglechner steht in der Stichwahl gegen Günther Eibl. Das Ergebnis gibt‘s am Sonntag in unserem Live-Ticker ++

Wolfratshausen – Vor sechs Jahren stand Klaus Heilinglechner schon einmal mitten im Wahlkampf. In Arbeitskleidung und mit Werkzeug in seiner Allzweckhose empfing der Bio-Landwirt damals unsere Zeitung. Kurz darauf wurde der Weidacher Bürgermeister – und hat seither nicht nur sein Erscheinungsbild verändert.  Heute erscheint der 52-Jährige im dunkelblauen Sakko, am Revers das Stadtwappen. Heilinglechner trägt es aus Überzeugung.  „Ich liebe Wolfratshausen“, betonte er, als er von der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) erneut Bürgermeisterkandidat nominiert wurde.

Klaus Heilinglechner: „Ich liebe Wolfratshausen“

Heilinglechner sitzt am Esstisch seines 1840 erbauten Wohnhauses in Weidach und wirkt entspannt, als er über seine bisherige Amtszeit spricht. Gelegentlich huscht ein spitzbübisches Lächeln über sein Gesicht. Man könnte fast meinen, die vergangenen sechs Jahre seien weitestgehend stressfrei gewesen.

Doch ganz so war das nicht: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit lehnten die Wolfratshauser einen Archivneubau am Loisachufer ab. Kurz darauf fiel sein Herzensprojekt, ein Bürgerladen im städtischen Gebäude am Untermarkt 10, bei einem Bürgerentscheid durch. Seine einstige Chefsekretärin wurde wegen Veruntreuung verurteilt. Das private Bauvorhaben am ehemaligen Isar-Kaufhaus in der Altstadt steht wegen eines schwebenden Gerichtsverfahrens still.

Kommunalwahl 2020: Heilinglechner will kein Parteipolitiker sein 

Und immer wieder geriert der Bürgermeister ins Kreuzfeuer. „Man macht manchmal Erfahrungen, die man nicht machen möchte“, sagt Heilinglechner. An einigen hatte er so zu knabbern, dass er nachts aufgewacht sei und an seiner Meinung gezweifelt habe. Meist kam er zu dem Schluss, seiner Linie treu bleiben zu wollen. Manch ein politischer Widersacher legte ihm das als Sturheit aus. Er selbst sieht das anders: „Wenn ich von etwas überzeugt bin, aber trotzdem für Änderungen offen bleibe, ist das keine Sturheit.“

Eine andere Eigenschaft hat Heilinglechner aber als vermeintliche Schwäche erkannt. „Ich bin kein parteipolitischer Mensch“, betont er. Eigentlich sieht er das als etwas Gutes. Trotzdem stolperte der Rathauschef über Vorgänge, die er als Parteipolitik einordnet. Zum Beispiel, dass sich „andere Fraktionen ganz bewusst gegen die Bürgervereinigung gestellt haben“, und er somit keine Mehrheit fand, weil die BVW nur neun von 25 Stimmen hat. Die Moderation zwischen den Fraktionen gehört zu seinem Job wie das Vorbereiten von Sitzungen. Der Gegenwind kam aber nicht nur von Außen: Auch Heilinglechners politischer Ziehvater, Amtsvorgänger und BVW-Mitgründer Helmut Forster, hat ihm nach internen Streitigkeiten den Rücken gekehrt.

Kühe als Ausgleich zum Bürojob und Aktenstudium

„Hart“ seien einige Rückschläge gewesen, „aber man lernt, damit umzugehen.“ Kritik versucht der 52-Jährige inzwischen wegzulächeln, was ihm meist gelingt. „Eine gewisse Erdung“ und „eine Haut aus Gore-Tex“ brauche man dafür. Wenn die mal einen Kratzer bekommt, schwingt sich der Vater von drei erwachsenen Kindern auf sein Rad und strampelt drauflos. Oder er geht wie jeden Morgen in den Stall zu seinen verbliebenen Kühen. In dritter Generation führt er den Hof. Seit seinem Amtsantritt hat er zwar einen Großteil des Viehs verkauft, „ein paar behalte ich aber“, sagt der 52-Jährige. Die Kühe seien ein Ausgleich zum Bürojob und zum Aktenstudium.

Letztere beiden Aspekte zählen wohl nicht zu den bevorzugten Beschäftigungen des Rathauschefs. Er ist viel lieber unter Menschen. Wenn er das Wirtefest und die „Eiszeit“ an der alten Floßlände als emotionale Höhepunkte seiner Amtszeit anführt, zeigt sich, dass Heilinglechner gerade die soziale Komponente seines Berufs schätzt. „Man darf als Bürgermeister nicht die Einsamkeit suchen.“ Das sei ohnehin nicht sein Naturell. Ihm mache das Amt Spaß. „Ich klebe aber nicht daran.“ Vielmehr hat er das Gefühl, noch nicht fertig zu sein. „Ich möchte unsere Projekte für die Stadt und für die Bürger weiterführen.“ Er sei eingearbeitet, ein neuer Bürgermeister „würde dafür Monate brauchen“.

„Man darf als Bürgermeister nicht die Einsamkeit suchen“

Der soziale Wohnungsbau, die Umgestaltung der Altstadt, gemeinsame Planungen mit der Nachbarstadt Geretsried – alles Vorhaben, die den Stadtrat noch länger begleiten werden. „Viele positive Entscheidungen“ seien in den vergangenen sechs Jahren getroffen worden. Positive Weichenstellungen, die häufig nicht als solche wahrgenommen würden, „weil manche die Nadel im Heuhaufen suchen“. Heilinglechner ist kein Miesmacher. Auch wenn sich der langjährige Bio-Milchbauer bestens mit Heuhaufen auskennt.

Doch Klaus Heilinglechner hat Konkurrenz: Annette Heinloth von den Grünen, Sozialdemokrat Manfred Menke, Günther Eibl (CSU) und Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) möchten in der Loisachstadt ebenfalls Bürgermeister/in werden. 

dst

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