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Klare Kante: Bürgermeisterkandidat Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) stellte sich und sein Programm im Gasthaus Grüner Baum in Weidach vor.

Kommunalwahl 2020 

Wolfratshauser Liste: „Bei uns wird nicht mehr gebaut“

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Die Wolfratshauser Liste stemmt sich gegen den Siedlungsdruck – und attestiert Pädagogen Ahnungslosigkeit.

Wolfratshausen Wahlkämpfer werfen den Blick gerne in die Zukunft. Sie werben für ihre Konzepte, skizzieren Masterpläne und lassen ihren Visionen freien Lauf. Die Mitglieder der Wolfratshauser Liste und ihr Bürgermeisterkandidat Richard Kugler, Noch-Mitglied der CSU-Fraktion, haben eine andere Strategie. Sie betonen primär, was in den vergangenen Jahren in der Flößerstadt alles schief gelaufen ist. Ihre konkreten Pläne, die sie für die Fortentwicklung der Kommune geschmiedet haben, sind derzeit noch vage.

Wahlkampfveranstaltung der Wolfratshauser Liste 

In der Wahlkampfveranstaltung der Liste WOR im Gasthaus Grüner Baum in Weidach wurde die Präposition „gegen“ häufig in den Mund genommen. Die Gruppierung ist gegen die Surfwelle, will sich gegen den Siedlungsdruck stemmen, gegen eine Baumschutzverordnung, gegen die Einstellung eines Mobilitätsmanagers im Rathaus, gegen die Verschwenkung der Marktstraße im Zuge der Innenstadtaufwertung und gegen die Verlegung des Marienbrunnens.

Auf eine reine Kontra-Gruppe wollen die Stadträte Kugler, Helmut Forster (Noch-BVW) und Dr. Manfred Fleischer (CSU) ihre neue politische Heimat allerdings nicht reduziert wissen. „Wir sind nur dagegen, wenn man etwas besser machen könnte, aber es nicht tut“, betonte Kugler. Ein Beispiel: Die Stadt lasse sich in Verhandlungen mit Investoren (Stichwort Kraft-Areal) oder Erbpachtnehmern (Stichwort Maro-Genossenschaft) über den Tisch ziehen. Stattdessen müsse die Kommune die Spielregeln festlegen – an die sich das Gegenüber zu halten habe. Vor diesem Hintergrund macht es für Kugler mehr Sinn, dass im Rathaus ein Rechtsanwalt eingestellt wird, statt einen Stadtmanager zu beschäftigen, „der eine Dachmarke für die Stadt sucht, die wir schon haben“.

Wolfratshausen: Stadt dürfe auf keinen Fall Siedlungsdruck nachgeben

Auf keinen Fall dürfe die Stadt dem Siedlungsdruck nachgeben. Nach dem Zwischenruf „Bei uns wird nicht mehr gebaut!“, erklärte Kugler: „Sie haben mir aus der Seele gesprochen.“ Wolfratshausen könne die Welt nicht vom Wohnungsmangel heilen. Im Gegenteil: Kugler plädierte für eine Erhöhung des Stellplatzschlüssels in der Loisachstadt, der das Verhältnis zwischen Wohnungen und Anzahl der Parkplätze definiert. Wird der Stellplatzschlüssel erhöht, würden Bauträger zwangsläufig weniger Wohnraum schaffen können – eben weil sie mehr Pkw-Stellflächen auf dem Grundstück nachweisen müssten.

„Lieber eins nach dem anderen“

Grundsätzlich steht Kugler auf dem Standpunkt, dass die Stadt „nicht zehn Projekte gleichzeitig anschieben sollte“ – mit dem Ergebnis, sich zu verzetteln. „Lieber eins nach dem anderen“, so der Bürgermeisterkandidat. Und: Es müsse ein deutlich wacheres Auge auf den Stadtsäckel geworfen werden als bisher. Beispiel Hammerschmiedschule: Für die Sanierung und Erweiterung werden laut aktueller Kostenberechnung mindestens 60 Millionen Euro benötigt. „Hier müssen wir den Reset-Knopf drücken“, sagte Fleischer. Die Planung zeige einmal mehr, „dass Pädagogen von der Realität wenig Ahnung haben“, urteilte Kugler. Zudem: „Vom Rathaus, ich nenne keine Namen, hat nie einer draufgeschaut.“ Schulreferent Fritz Meixner (SPD) und der Planer seien mit der Mammutaufgabe „allein gelassen“ worden.

„Pädagogen haben von der Realität wenig Ahnung“

Weiterhin einfach ins Blaue planen? Da sei er „dagegen“, so Kugler. Stattdessen: „Eine Budgetvorgabe machen – und erst dann geht’s los.“

Auch zur Surfwelle hat Bürgermeisterkandidat Richard Kugler, eine klare Meinung. Dem Rathauschef wirft er vor, in puncto Investitionskosten unehrlich zu sein. 

Mit dem „Aktionsbündnis Wolfratshauser Bürger gegen den Bau einer Surfwelle in Weidach“ hat sich Widerstand gegen die Surfwelle formiert. Momentan warten die Gegner weitere Entwicklungen ab – von Rechts wollen sie keine Unterstützung.

cce

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