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Die „Burg-Herren“: Ernst Gröbmair und Henning von Kielpinski erläutern, wie sie sich den Erlebnispfad vorstellen.

Brücken, Zinnen und eine App

Konkrete Ideen vom Burg-Erlebnispfad im Bergwald

Wolfratshausen – Die Idee vom Burgerlebnispfad im Bergwald wird immer konkreter. Die Stadt bezuschusst das Projekt mit rund 100 000 Euro – vorbehaltlich einer Förderung durch das Leaderprogramm.

Bei einem Rundgang erläutern die Burgverein-Vorstandsmitglieder Ernst Gröbmair und Henning von Kielpinski, wie sie sich den Weg vorstellen. „Wir wollen das Leben auf der Burg begreifbar machen“, sagt Kielpinski.

Die schwarzen Anzugschuhe lässt Immobilienmakler Ernst Gröbmair für den Spaziergang zuhause. „Die Wege sind dafür nicht optimal.“ Kielpinski ergänzt: „Außerdem sollte das Schuhwerk bergtauglich sein.“ Beim Aufstieg zum Burgplateau legt man rund 100 Höhenmeter zurück, die Wanderung beginnt am Birnmühlplatz. Hier hat der Burgverein vor etwa einem Jahr eine Schautafel installiert, die historische Fakten zum ehemaligen Wolfratshauser Wahrzeichen liefert. Ein Schild mit der Aufschrift „Burgweg“ weist den Pfad zum einstigen Standort des historischen Gebäudes.

Über ein paar Treppenstufen erreicht man eine künstlich angelegte Erhöhung, die sich neben einer großen Grünflache durch den Wald erstreckt – ein ehemaliger Verteidigungswall. „Wir vermuten, dass dieser Wall die Hunnen abhalten sollte“, erklärt Gröbmair. Der Rasen daneben, das ist historisch gesichert, war einst ein Schlachtfeld. „Hier wurden Armbrustspitzen gefunden“, weiß der 60-Jährige. „Die Hunnen sind aus dieser Richtung vorgerückt.“ Der Immobilienmakler steht auf dem Abwehrwall und deutet auf die Fläche, die heute landwirtschaftlich genutzt wird. Auf der Anhöhe soll eine Palisade entstehen. Mit ihrer Hilfe sollen die Besucher nachempfinden können, wie sich die Bewohner während einer Belagerung gefühlt haben. Um die Schutzfunktion des Bauwerks in den Mittelpunkt zu stellen, soll die Palisade Zinnen bekommen.

Früher stand vermutlich auch ein Turm an dieser Stelle. Der wird allerdings nicht nachgebaut. „Das wäre zu teuer“, vermutet Kielpinski. Damit die Besucher trotzdem nachvollziehen können, wie sich die Armbrustschützen in ihrem Verteidigungsturm gefühlt haben, wird die Palisade erhöht. „Von einem höheren Punkt aus hat man dieselbe Aussicht“, sagt Gröbmair.

Zur nachgebildeten Verteidigungsanlage gelangt man über eine Brücke. Das 14 Meter lange Bauwerk soll sich über eine Schlucht erstrecken, die einst Angreifer vom Wall fernhalten sollte. „Es ist natürlich auch optisch beeindruckend, darüber zu gehen“, findet Kielpinski. Zwar sei es nicht völlig problemlos machbar, auf dem Waldboden eine massive Brücke zu bauen. „Aber wir haben das Vorhaben mit einem Statiker geprüft“, versichert Gröbmair. „Es ist möglich.“

Dahinter beginnt der einstige Vorburgbereich. Um in das Herz der Anlage zu gelangen, wandert man durch den Wald. „Vielleicht müssen wir bei den Wegen ein bisschen nachbessern“, deutet der stellvertretende Vorsitzende des Burgvereins an, während er durch den Matsch watet. Nach wenigen Minuten Fußmarsch gelangt man zum Plateau, auf dem die Burg bis zu einem Blitzeinschlag in den Pulverturm (siehe Kasten) über die Loisachstadt wachte. „Wir können nicht zu 100 Prozent nachvollziehen, wie groß sie wirklich war“, sagt IT-Berater Kielpinski. Einige Teile des Untergrundes wurden über die Jahre abgetragen und rutschten in den Graben. „Deshalb wäre es nicht möglich, die Burg detailgetreu nachzubauen.“

Einen genauen Eindruck bekommen Wanderer künftig trotzdem. „Wir entwickeln eine virtuelle Burg“, erläutert der 46-Jährige. Mittels einer App können Besucher vor Ort begutachten, wie das Bauwerk aussah, auf dessen Fundament sie sich befinden. Doch nicht nur die Burg selbst möchten die Initiatoren wiederherstellen: „Wir wollen eine 360-Grad-Sicht aus 50 Metern Höhe in die App einbauen“, sagt Gröbmair. Er lehnt am Gedenkstein der Burg und blickt über die Loisachstadt. „Die Aussicht von der Spitze der Burg muss großartig gewesen sein.“ Die Besucher sollen das virtuell nachempfinden können.

Zurück zum Birnmühlplatz geht es über einen Fußweg und eine zweite, rund 16 Meter lange Brücke. Dabei kommt man auch an einem kleinen Pavillon vorbei. „Ein schöner Nebeneffekt ist, dass man auch an Stellen kommt, die man sonst gar nicht kennen würde“, sagt Gröbmair an der Station über dem Dach der Musikschule. Das Holzbauwerk war für einige Wolfratshauser ein wichtiger Ort in ihrem Leben: „Hier wurden früher viele Heiratsanträge gemacht“, fährt Gröbmair mit einem Lächeln fort und deutet auf einen Schriftzug. Hier haben einst „Chrissi und Nob“ ihre junge Liebe im Holz verewigt. Warum mancher Wolfratshauser gerade diese Stelle für einen Antrag gewählt hat? Von hier aus bietet sich ein Panorama-Blick über die Dächer der Stadt. „Der Pfad ist nicht nur für Hobby-Historiker interessant. Man ist in der Natur und hat fast an jeder Stelle eine wundervolle Aussicht“, sagt Kielpinski.

Von Dominik Stallein

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