+
Die Einfahrt zum Kraft-Areal: Auf dem Grundstück am S-Bahnhof in Wolfratshausen werden weniger Gewerbeflächen als ursprünglich geplant entstehen. Stattdessen werden es deutlich mehr Wohnungen.

Stadtrat macht Weg für Bebauung frei

Kraft-Areal in Wolfratshausen: Warum gibt‘s jetzt deutlich mehr Wohnungen?

  • schließen

Der Investor hat seine Pläne für das Kraft-Areal grundlegend verändert. Der Wolfratshauser Stadtrat begrüßt das neue Konzept - und macht den Weg dafür frei.

Wolfratshausen – Das knapp 11 000 Quadratmeter große Kraft-Areal östlich des Wolfratshauser S-Bahnhofs wird bebaut. Die Weichen für das Großprojekt stellte der Stadtrat am Dienstagabend in einer Sondersitzung. Allerdings hat der Investor, die Loisach Einkaufszentrum GmbH und Co. KG, seine ursprünglichen Pläne grundlegend geändert. Die bislang beantragte Gewerbefläche wird reduziert, die Zahl der geplanten Wohnungen im Gegenzug „um ein Vielfaches erhöht“, so Bauamtsleiterin Susanne Leonhard.

Ein Lebensmittelvollsortimenter, ein Discounter, eine Bäckerei, ein Zeitschriftenkiosk, ein Sportfachmarkt, ein Textilfachmarkt und ein Elektrofachmarkt mit einer Gesamtverkaufsfläche von 6500 Quadratmetern: Dieses Vorhaben hatte der Bauausschuss im Mai 2018 gut geheißen. Im Anschluss gingen wie berichtet 80 Einwände im Rathaus ein. Viele davon haben sich nun mutmßlich erübrigt, denn der Investor hat der Kommune einen neuen Plan fürs Kraft-Areal vorgelegt: Es gibt nur noch einen Vollsortimenter (Edeka) inklusive Getränkemarkt und Bäckerei. „Ein Einkaufszentrum ist nicht mehr geplant“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner in der Sondersitzung. „Ein großer Ankermieter ist abgesprungen“, lieferte der Fraktionschef der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), Josef Praller, den Grund für das abgespeckte Konzept des Investors. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um Media Markt.

„Statt der Fläche der bisher vorgesehenen Einzelhandelsnutzungen besteht die Möglichkeit, weiteren Wohnraum oberhalb des Nahversorgers zu schaffen“, erläuterte Heilinglechner. So komme man dem vielfachen Wunsch der Wolfratshauser nach, „die mehr Wohnraum in der Stadt fordern“. Das nördlich ans Kraft-Areal angrenzende Grundstück soll weiterhin als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen werden, „wobei sich die Flächenanteile des Wohngebietes am Gesamtgrundstück deutlich erhöhen würden“, so der Rathauschef. Das Ergebnis sind vier Mehrfamilienhäuser, auf dem Edeka-Gebäude ist ein zwei- bis drei geschossiger Aufbau für Wohnungen vorgesehen. Statt „zwölf bis 16 Wohnungen“ gebe es „ein Vielfaches“ mehr, so Bauamtsleiterin Leonhard auf Nachfrage unserer Zeitung. Die genaue Zahl stehe erst nach Abschluss des weiteren Verfahrens fest.

Zu erreichen ist der Edeka-Markt ausschließlich über die Sauerlacher Straße, die Ausfahrt derer, die im Norden wohnen, „kann zusätzlich über die Straße ,Auf der Haid‘ erfolgen“, kündigte der Bürgermeister an. Durch diese Regelung könne das Mehr an Fahrzeugverkehr „weitestgehend ausgeglichen abgeführt und kompensiert werden“.

Der Stadtrat stimmte der Aufstellung des Bebauungsplans für das Kraft-Areal mit 22:1 Stimmen zu. Nur Richard Kugler (parteifrei für die CSU) sagte Nein. Er fürchtet „ein Verkehrschaos“. Praller dagegen stellte fest, dass der geänderte Plan des Investors zu einer „besseren Lösung als bisher“ geführt habe. Er bedauere, dass ein Ankermieter abgesprungen sei: Wolfratshausen „braucht einen Elektrofachmarkt“.

Weniger Gewerbefläche, „eine deutliche Mehrung an Wohnungen“: Das sei im Sinne der CSU, betonte Fraktionssprecher Günther Eibl. Dieselbe Meinung vertrat der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dr. Hans Schmidt: „Wir haben schon früh darauf hingewiesen, dass die ursprünglich geplante Gewerbefläche zu groß ist.“ Ihn freue es besonders, dass ein Teil der Wohnungen einkommensorientiert vom Staat gefördert würde, das heiße: „Günstige Mietpreise.“

Es sei „ein gefälliges Konzept“, meinte SPD-Sprecher Fritz Meixner. Die Schaffung von mehr Wohnraum „für Wolfratshauser“ entspreche der seit langem erhobenen Forderung der Sozialdemokraten. Eine innerstädtische Verdichtung in S-Bahn-Nähe sei „perfekt“, so Meixner.

Alle 80 Einwände werden trotz der Neuplanung „abgearbeitet“, versprach Bauamtsleiterin Leonhard. „Jeder Bürger bekommt eine Antwort.“ Der Bebauungsplan werde – nach dem noch erforderlichen Billigungsbeschuss der Räte – öffentlich ausgelegt. cce

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

120 Jahre FC Bayern: Vier Fans aus dem Landkreis erklären, was sie an ihrem Klub lieben
Seit 120 Jahre gibt es den FC Bayern. Rund 360 000 Anhänger haben sich weltweit in knapp 4500 Fanklubs zusammengeschlossen. Für manche Fans geht die Liebe zu ihrem Klub …
120 Jahre FC Bayern: Vier Fans aus dem Landkreis erklären, was sie an ihrem Klub lieben
Stadt Wolfratshausen will künftig fair und ökologisch einkaufen
Ob Berufsbekleidung oder Büromaterial: Möglichst nachhaltig will die Stadt Wolfratshausen künftig ihre Verbrauchsmaterialien beschaffen. 
Stadt Wolfratshausen will künftig fair und ökologisch einkaufen
Ein fester Springer fürs Rathaus: Geretsried verstärkt Personal
Die Stadtverwaltung bekommt mehr Personal. Die Wirtschaftsförderung wird aufgestockt, auch in anderen Bereichen ist das Rathaus auf Mitarbeitersuche.
Ein fester Springer fürs Rathaus: Geretsried verstärkt Personal
Spielplatz-Schläger entgeht dem Knast
Er hatte einen 17-Jährigen geschlagen. 32-jähriger, vorbestrafter Lagerist kommt mit einer  Bewährungsstrafe davon.
Spielplatz-Schläger entgeht dem Knast

Kommentare