+
Experten warnen: Wer bei Minustemperaturen zu wenig lüftet, riskiert eine gefährliche Erkrankung

Krankheits-Risiko steigt

Vorsicht Schimmel

Wolfratshausen/Geretsried – Je frostiger es ist, desto schöner ist es in der warmen Wohnung Regelmäßig die Fenster öffnen, um die kalte Luft reinzulassen? Damit mag sich an eisigen Wintertagen kaum jemand anfreunden. Doch Vorsicht: „Schimmelbefall in Wohnräumen ist ein weitverbreitetes Problem“, warnt die Verbraucherzentrale Bayern: „Das sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch mit Gesundheitsrisiken verbunden.“

Gerade bei den derzeit extrem niedrigen Außentemperaturen – am Sonntagmorgen zeigte das Thermometer in Wolfratshausen minus 15 Grad – kühlen die Außenwände stark ab. An kalten Stellen schlägt sich dann die Feuchtigkeit aus der warmen Luft im Wohnraum nieder – ideale Bedingungen für das Schimmelwachstum.

Besonders groß ist die Gefahr in schlecht gedämmten Altbauten aus den 1960er und 1970er Jahren, erklärt Norbert Junius von der gleichnamigen Hausverwaltung in Geretsried. Achten die Bewohner nicht auf eine ausreichende Lüftung, seien Probleme vorprogrammiert: „Bei etwa 20 Prozent kommt es immer wieder zu feuchten Stellen und Schimmelbefall“, weiß der Geschäftsführer, dessen Firma rund 1500 Wohneinheiten betreut. Gefährdet seien insbesondere Altbauten mit neuen, dicht schließenden und sehr gut isolierten Fenstern.

Josef Wehbe Bauingenieur und Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft Wolfratshausen

Josef Wehbe, Baugutachter und Vorstand der Baugenossenschaft Wolfratshausen, sieht immer wieder auch betroffene Wohnungen, die erst zehn oder 15 Jahre alt sind: „Wird über längere Zeit kaum gelüftet, steigt die Luftfeuchtigkeit leicht auf 80 Prozent“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Steht dann noch beispielsweise ein Schrank unmittelbar an einer Außenwand, so dass die Luft dahinter nicht zirkulieren kann, kommt es dort manchmal zu einem regelrechten Schimmelrasen. Wehbe rät deshalb, sich ein preiswertes Hygrometer anzuschaffen, das die Raumluftfeuchte misst: „Sie sollte nicht über 60 Prozent liegen“, sagt der Experte.

Selbst wenn man nur eine oder zwei Wochen lang wegen der extremem Minustemperaturen zu wenig lüftet, kann sich bereits Schimmel bilden, warnt der Bauingenieur. Erstes Anzeichen sind meist schwarze oder grüne Pünktchen, vor allem in Fensterleibungen – die senkrechte Schnittfläche in einem Mauerwerk, die an den Fenster- und Türöffnungen die innere, der Öffnung zugewandte Mauerfläche bildet: „Dann heißt es schnell reagieren.“ Denn frischer Schimmel lasse sich noch relativ einfach entfernen, am besten mit hochprozentigem Alkohol. Spezielle Schimmelentferner mit Chlorwirkstoffen kann Wehbe nicht empfehlen: „Solche chemischen Mittel töten zwar die Schimmelsporen in wenigen Sekunden ab, sind aber deswegen auch möglicherweise gesundheitsgefährdend.“ Wenn der Schimmel bereits in die Farbe oder den Putz eingedrungen ist, helfe nur noch eine umfangreiche Sanierung durch eine Fachfirma.

Wichtig ist aber, nicht nur den Schimmel sofort gründlich zu beseitigen, sondern auch die Ursache auszumerzen, betont Diplom-Ingenieur Wehbe. Neben mangelhaftem Lüften könne auch ein bauliches Problem die Ursache sein. Spätestens, wenn der Schimmel trotz regelmäßigen Stoßlüftens immer wiederkommt, sollte deshalb ein Gutachter nach den Gründen suchen.

cw

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
„Er war ein Unikum“, sagt Josef Neumeier über Pfarrer Franz Seraph Bierprigl. Neumeier war Ministrant bei dem überaus beliebten Seelsorger und ist heute Mitglied des …
Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
Flößerfilm schwimmt auf Erfolgswelle
Den Stein ins Rollen brachte Gabriele Rüth, Vorsitzende des Vereins Flößerstraße. Zunächst war der Drehbuchautor und Regisseur Walter Steffen von ihrer Idee, einen …
Flößerfilm schwimmt auf Erfolgswelle
Dietramszell feiert ohne Ende
1200 Jahre: So lange gibt es Steingau und Erlach schon. Das ist ein guter Grund, um in Dietramszell nach dem Gaufest weiterzufeiern. 
Dietramszell feiert ohne Ende
Landkreis verbietet Bootfahren auf der Isar
Das Landratsamt hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Bootfahren auf der Isar ab Samstag bis auf Weiteres verbietet. Es besteht Lebensgefahr.
Landkreis verbietet Bootfahren auf der Isar

Kommentare