Die Hände eines Schreiners mit einem Hobel.
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Bremse: Schreiner haben zum Teil Probleme mit der Materialbeschaffung.

Geduld ist gefragt

Kreishandwerksmeister Heimgreiter über volle Auftragsbücher und Corona

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Der Boom im Baugewerbe setzt sich auch im Jahr 2021 fort. Die Handwerker sind mehr als ausgelastet.

„Laut Statistik sind die Auftragsbücher für acht Wochen voll“, sagt Kreishandwerksmeister Martin Heimgreiter. Der 69-Jährige ist Schreinermeister und leitet einen Betrieb mit zehn Mitarbeitern in Waakirchen. Früher sei es schon so gewesen, dass nach einer Ausschreibung von Architekten und Gemeinden die Handwerker sofort losgelegt hätten. „Jetzt heißt es, die Handwerker haben keine Zeit“, berichtet Heimgreiter. „Das kommt aber daher, dass die Anfragen zu spät kommen“, meint der Betriebsinhaber. „Bei vier, fünf Wochen Vorlauf findet man immer jemanden.“ Natürlich hänge das auch von der Größe des Auftrags ab, schränkt Heimgreiter ein. „Einen großen Auftrag kann man halt nicht immer reinschieben.“

Martin Heimgreiter Ist seit sechs Jahren Kreishandwerksmeister.

Dass Privatleute aufgrund der Corona-Pandemie ihr Geld statt in Urlaub in die eigenen vier Wände stecken, kann Heimgreiter nicht feststellen. Da sei die Auftragslage unverändert. „Man baut ja auch nicht von heute auf morgen“, sagt der Kreishandwerksmeister. „Was vor Corona geplant wurde, kommt jetzt zur Ausführung.“ Auch aus der Hotel- und Gaststättenbranche gebe es Aufträge – trotz oder gerade wegen der Schließung durch den Lockdown. „Die Betriebe nutzen die Zeit, in der sie nicht arbeiten dürfen beispielsweise für Brandschutzsanierungen.“

Nur stotternd vorwärts gehe es an anderer Stelle: bei der Materialbeschaffung. „Da kommen Beschläge nicht, da kommen Platten nicht“, berichtet der Waakirchener von Zulieferern aus der Industrie. Das habe man anfangs, zu Beginn der Pandemie, noch nicht so gemerkt, weil die Lager gut gefüllt waren. Limitierend sei auch das Personal. „Es klagt jeder ein bisschen, dass er zu wenig Leute hat.“ Aber die Unternehmer seien vorsichtig, weil sie nicht wissen, wie sich die Lage weiterentwickele.

Bislang hat der Schreinermeister mit seinem Betrieb die Corona-Pandemie gut überstanden. „Ich hatte auch Mitarbeiter in Quarantäne, aber wir konnten immer weiterarbeiten“, ist der 69-Jährige erleichtert. Schreiner seien aus seiner Sicht auch nicht so gefährdet wie beispielsweise Handwerker auf dem Bau, weil sie in der Werkstatt arbeiten könnten. „Da sind wir ein bisschen geschützter.“ Auf Baustellen sei es da schon schwieriger, Abstandsregeln einzuhalten. „Da sind Maler, Elektriker, Bodenleger, Trockenbauer in einem Raum.“ Es gebe zwar keine Erhebungen darüber, wie viele Handwerker in der Baubranche an Corona erkrankt sind, aber „es sind nicht mehr als anderswo“, so seine Beobachtung.  

nej

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